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37 Grad  | 05.08.2014  Du musst kämpfen, Johnny!

Ein Jahr auf Leben und Tod

"Liebe Freundinnen und Freunde, ein Lieblingssatz von Jonathan war "Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist!" Gestern Abend ist Jonathans Kampf gegen den Krebs zu Ende gegangen und er ist ganz friedlich bei uns zu Hause eingeschlafen. Wir danken euch für die Hilfe, Anteilnahme, Unterstützung und alles, was ihr für Jonathan gemacht habt. Familie Heimes" (am 08.03.2016 auf Johnnys facebook Seite). Unser aufrichtiges Beileid der Familie und seinen Freunden.  

Johnny lässt sich in einem Rollstuhl über einen Strand fahren

Johnny gibt nicht auf!

"Die Krankheit ist wie ein Kinofilm, und ich habe die Hauptrolle", sagt Johnny.

(05.08.2014)

Am 05.08.2014 hat 37 Grad folgenden Film über Johnny ausgestrahlt:

Johnny ist Sportler durch und durch. Er will die Tenniswelt aus den Angeln heben, gilt als Ausnahmetalent. Mit zwölf Jahren wird er Jugend-Hessenmeister im Tennis, mit 14 soll er zu den Weltschülerspielen. Aber plötzlich klagt Johnny immer häufiger über heftige Nackenschmerzen, dann Sehstörungen, plötzlich muss er sich übergeben. Von einem Tag auf den anderen ändert sich das Leben des jungen Sportlers dramatisch.

Als es Johnny so schlecht geht, fährt sein Vater mit ihm nachts in die Notaufnahme ins Krankenhaus. Die Diagnose der Ärzte der Frankfurter Uniklinik: ein bösartiger Gehirntumor. Johnny weiß damals nichts mit der Diagnose anzufangen. Er wird sofort operiert. Johnnys Eltern und seine Schwester können es nicht glauben - die Familie steht unter Schock. In einer sechsstündigen Operation gelingt es den Ärzten, Johnnys bösartigen Hirntumor zu entfernen.

Johnny bekommt Besuch von seiner Mutter im Krankenhaus
Johnny und seine Mutter im Krankenhaus (Quelle: ZDF)

Alles zurück auf Anfang

Für zwei Wochen liegt Johnny danach im Koma. Als er erwacht, kann er nicht mehr sprechen, laufen oder schreiben. Anderthalb Jahre Krankenhaus, dann beginnt Johnnys erstes "Comeback", wie er sagt, mit 15 Jahren. Er kämpft sich zurück in den Alltag, lernt mühsam alles wieder neu. Schließlich kann er wieder die Schule besuchen, macht sein Fach-Abitur - und für ihn noch wichtiger: Er darf wieder auf den Tennisplatz.

Fünf Jahre geht alles gut, so gilt Johnny eigentlich als geheilt. Doch dann kommt völlig unerwartet die Hiobsbotschaft: Bei Untersuchungen werden Tumore und Metastasen in der Wirbelsäule gefunden. Nach der erneuten Operation sieht es zunächst so aus, als sei alles gut verlaufen, aber dann der nächste Schock: Johnny spürt seine Beine nicht mehr, er muss in den Rollstuhl. Sein Kampfgeist ist zum ersten Mal erschöpft. Aber dann schreibt ihm ein Freund: "4:6, 4:5, 15:40, zwei Matchbälle gegen dich - es ist noch nichts verloren, du musst kämpfen!"


Johnny mit Fußball Bundestrainer Joachim Löw
Auch Fußball Bundestrainer Joachim Löw unterstützt die Spendenaktion. (Quelle: ZDF)

Immer wieder Reserven mobilisieren

Der Spruch gibt Johnny die Motivation zurück, die er braucht. Inzwischen ist er 19, sucht nach Alternativen - und findet seinen ganz eigenen Weg, wieder vorne beim Sport mitzumischen. Er startet eine Spendenaktion zugunsten krebskranker Kinder, gemeinsam mit Andrea Petkovic, die mittlerweile in die Weltklasse aufgestiegen ist und mit der er früher zusammen im TEC Darmstadt gespielt hat. Zwischen ihnen und Spitzensportlern soll sein Motivationsspruch eine Brücke schlagen. Es funktioniert, Johnny verkauft Motivationsbändchen mit seinem Motto: "Du musst kämpfen, es ist noch nichts verloren." Mehr als 40.000 Euro an Spendengeldern kommen so zusammen.

Dieses Motto muss er sich erneut zu eigen machen: im Februar 2013, als er wieder ins Krankenhaus muss, weil der Krebs zum dritten Mal zurückgekehrt ist. Von diesem Moment an begleitet ihn 37 Grad mit der Kamera, zeigt, wie Johnny den Kampf gegen die Krankheit erneut aufnimmt, wie er trotz der extrem belastenden Chemotherapie durchhält, wie er immer wieder neue Reserven mobilisiert.

Eindrücke der Autorin Eva Schötteldreier

Erste Begegnung

Ich weiß nicht, wie oft man Filme macht, die einen als Menschen wirklich verändern, die Sicht auf das Leben zurechtrücken. Dieser Film hat das mit mir und dem ganzen Team gemacht.

Ich treffe Johnny zum ersten Mal bei einer Veranstaltung zum Weltkrebstag am 4. Februar 2013 in Darmstadt. Er fällt mir auf - ein fröhlicher junger Mann, der selbstbewusst zwischen Anzugträgern in seinem sportlichen Outfit und mit Base-Cap im Rollstuhl sitzend fröhlich mit allen lebhaft spricht. Alle scheinen ihn zu kennen, klopfen ihm auf die Schulter, lassen sich ein Buch signieren, auf dessen Buchdeckel Johnny zu sehen ist; neben seinem Rollstuhl stehend. Ich lese „Comebacks – meine Leben“.

Dann beginnen auch schon die Vorträge der Professoren für Onkologie, Johnny verschwindet in der Menge.

Klare Einstellungen

Ich höre Zahlen: „Derzeit erkranken jedes Jahr rund 500.000 Menschen in Deutschland neu an Krebs, 221.000 Menschen sterben jährlich daran. Auf Grund der demografischen Entwicklung, ist zwischen 2010 und 2030 mit einem Anstieg der Krebsneuerkrankungen um gut 20 Prozent zu rechnen. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 1800 Kinder neu an Krebs. Diese Zahl ist seit vielen Jahren konstant. Insgesamt liegt der Anteil krebskranker Kinder an allen Krebskranken unter ein Prozent. Bösartige Neubildungen bei Kindern sind jedoch die zweithäufigste Todesursache.“

Und dann kommt Johnny ans Rednerpult und sagt: „Krebs geht uns alle an. Krebs kann jeden treffen, egal, ob alt oder jung, reich oder arm. Aber wie du dieses Schicksal meisterst, das hat viel damit zu tun, wie die Menschen um dich herum damit umgehen, dass du krank bist.“

Da läuft etwas falsch

Er kenne so viele starke, tapfere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die gegen den Krebs kämpften, erklärt Johnny. Einige von ihnen seien mittlerweile gestorben, andere konnten den Krebs besiegen. Was ihn traurig mache ist, dass dieses Thema, das uns doch direkt oder indirekt schon fast alle betreffe, so wenig Öffentlichkeit habe.

Sein Schicksal und das der vielen anderen Kinder sei kaum ein Thema in der Öffentlichkeit, in Zeitungen oder im Fernsehen. Wenn er sähe, wie bei der TV-Sendung „Germanys Next Topmodell“ die Mädchen weinen, weil Heidi Klum kein Foto für sie hat, könne er das nicht mehr nachvollziehen, da würde etwas falsch laufen.

Das Angebot

Nach seiner Rede, für die er viel Applaus bekam, ging ich zu Johnny. Wir unterhielten uns über Fußball – Johnny ist „übertriebener“ HSV Fan, über Tennis – Johnny war Hessenmeister, bevor der Krebs ausbrach. Wir lachten viel, und irgendwann erzählte er mir seine Krankengeschichte, schenkte mir sein Buch und sagte: "Lies dir das mal durch, dann weißt du alles über mich, und vielleicht hast du dann ja Lust, einen Film über mich zu machen.“

Ich musste das Buch nicht erst lesen, um zu wissen, dass ich über Johnny einen Film machen wollte. Also fragte ich ihn direkt. Er sagte: „Ja, klar, warum nicht. Nächste Woche habe ich wieder einen MRT-Termin, und das „Foto“, dass ich dann bekomme, das ist wirklich wichtig. Die Aufnahmen zeigen, ob ich immer noch tumorfrei bin, oder der Krebs sich irgendwo zurückgemeldet hat. Hast du Zeit, da loszulegen?“

Johnny geht in die dritte Runde

Ich hatte Zeit, und wir haben Johnny, seine Familie und Freunde kennengelernt. Wir haben viel gelacht, aber auch geweint. Denn das MRT hatte gezeigt, dass der Krebs wieder da war – wieder Metastasen im Hirn.

„Dann geh ich eben in die dritte Runde gegen den Krebs“, sagte Johnny. „Wenn ich die Chance habe, zu überleben, dann nutze ich sie.“ Während des Jahres war nie klar, wie die Therapie ausgehen würde. Johnnys Arzt sagte: „Der Krebs ist brutal, er nimmt keine Rücksicht auf dein Alter, auf deine Pläne und Wünsche.“

Ich bin sehr froh, dass ich diesen Film mit Johnny und den wunderbaren Menschen um ihn herum machen durfte.



Diese Langzeitbeobachtung zeigt die eindrucksvolle Geschichte über den enormen Lebenswillen eines jungen Mannes, der seine ganz persönliche Philosophie entwickelt hat: "Die Krankheit ist wie ein Kinofilm, und ich habe die Hauptrolle", sagt Johnny. "Vielleicht überlebe ich das alles nicht, aber solange es geht, werde ich das, was von meinem Leben übrig ist, genießen."


Wer für die Initiative von Johnny spenden will, findet dazu weitere Informationen unter der Adresse der Kinderkrebshilfe Frankfurt e.V.

Film:                      Eva Schötteldreier

Redaktion:             Michael Petsch

Online-Redaktion: Dirk Brämer

05.08.2014

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