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37 Grad  | 01.12.2015  Niemand darf es wissen

Corinne und ihr Geheimnis

Von klein auf darf Corinne (heute 20) mit niemandem über ihre HIV-Infektion sprechen. Zu groß ist die Angst vor sozialer Ausgrenzung in dem kleinen, bayerischen Dorf. Wie führt man ein Leben mit einem solchen Geheimnis? Zehn Jahre lang begleitet 37 Grad sie bei dem Versuch, trotz des tödlichen Virus im Blut ein normales Leben zu führen und erwachsen zu werden. 

Corinne am Fluss

Video: Niemand darf es wissen

Sehen Sie hier 37 Grad (30 Minuten) in der Mediathek!

(01.12.2015)
Corinne

Vorschau: Niemand darf es wissen

Erste Bilder aus der Doku vom 01.12.2015 um 22:15 Uhr

(01.12.2015)
Corinne mit acht Jahren

"stark!" Corinne - Mein Geheimnis

Für Kinder: Corinne erzählt ihre Geschichte in 15 Minuten bei ZDFtivi.

(06.12.2015)
Corinne

Video: Corinnes Geheimnis

Sehen Sie hier die 90-minütige Langzeitbeobachtung "Corinnes Geheimnis" aus der Reihe "Das kleine Fernsehspiel".

(08.12.2015)

Corinne wurde während der Geburt von ihrer Mutter mit dem HI-Virus infiziert. Ein paar Jahre später stirbt die Mutter an AIDS. Da lebt Corinne aber schon einige Zeit bei ihrer Pflegefamilie in Bayern. Um ihr eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen, soll niemand im Dorf von Corinnes Infektion erfahren. All die Jahre hat Corinne mehr Angst vor Mobbing in der Schule und sozialer Ächtung als vor der Krankheit selbst. Bis sie zwölf Jahre ist, weiß auch Corinne nicht Bescheid.

Zehn Jahre Beobachtung - drei Sendungen

KiKA "stark!" und "Das Kleine Fernsehspiel"

Das ZDF sendet die 37 Grad-Doku am Welt-AIDS-Tag (01.12.2015, 22:15 Uhr). "Das kleine Fernsehspiel" zeigt eine 90-minütige Langzeitbeobachtung "Corinnes Geheimnis" (07.12.015 um 0:25 Uhr). Außerdem wird eine 15-Minuten-Version mit dem Titel "Corinne - mein Geheimnis" in der KiKA-Reihe "stark!" für Kinder und Jugendliche ausgestrahlt (06.12.2015, 8:35 Uhr). Zu empfehlen für Kinder: ZDFtivi "stark!"  hat das Thema HIV für Kinder mit Hintergrundinfos und einem Quiz aufbereitet.

Alle Filme stehen am 01.12.2015 ab 10:00 Uhr vorab im Netz.

Angst vor Ausgrenzung

Zwar kann Corinne ihren Ärzten Fragen stellen wie "Wenn ich einen Jungen kennenlerne, wann erzähle ich ihm von dem Virus?"; aber mit der Antwort "es vorsichtig und langsam angehen zu lassen" kann sie nicht wirklich etwas anfangen. Die ärztlichen Ratschläge bleiben Theorie, ein solches Gespräch mit einem Jungen wird es in der Realität nicht geben. Die Pflegeeltern wollen es so. Sie sind voller Sorge, dass Corinne gemieden würde, wenn jemand von dem Virus erführe. Alle Freunde würden sich abwenden. Auch in der Schule weiß es nur der Direktor. Die Pflegeeltern dringen auf strikte Geheimhaltung – sie wollen das Beste für Corinne. Dieses Geheimnis ist eine unglaubliche Belastung für das Mädchen. Ob das wirklich zu ihrem Besten ist?

Jetzt, nach dem Abitur, kann Corinne ihren Freunden endlich von ihrer HIV-Infektion erzählen. Aber mit wem soll sie darüber sprechen? Wer ist ihr wirklich nahe? Das Schweigen all die Jahre hat Distanz geschaffen. Die 37 Grad Dokumentation macht spürbar, dass weniger die Infektion mit dem Virus Corinnes Problem ist, als die Reaktion der Gesellschaft auf ein Outing. Tabletten helfen Corinne, nicht an AIDS zu erkranken, aber das Schweigen belastet ihre Seele und bringt sie an ihre emotionalen Grenzen.

Langzeitbeobachtung über zehn Jahre

Zehn Jahre begleitet Autorin Maike Conway Corinne mit der Kamera. Sie tut es mit großem Einfühlungsvermögen und erzählt das Leben der HIV-infizierten Corinne vom kleinen Schulkind bis zum Abitur. Aus ihren Beobachtungen sind drei Filme über Corinne und ihr Geheimnis entstanden. Filme, die nachdenklich machen, Vorurteile und Ängste abzubauen vermögen und Hoffnung geben können.

Warum ist HIV immer noch ein Tabuthema?

Zahl der Infizierten steigt weltweit an

Leben mit HIV ist immer noch ein Tabu-Thema unserer Gesellschaft. Die Zahl der Infizierten steigt weltweit weiter an, in Deutschland sind besonders junge Erwachsene betroffen. Die Krankheit gilt als chronisch, heilbar ist HIV nach wie vor nicht. Aber es gibt Therapiemöglichkeiten, die in der Regel verhindern, dass AIDS ausbricht. Betroffene haben eine normale Lebenserwartung. Die Therapie hat jedoch Nebenwirkungen und muss regelmäßig kontrolliert werden.

Irrationale Ängste führen zu Ausgrenzung

Nur äußerst wenige infizierte Menschen leben offen mit dieser Krankheit. Zu groß ist die Angst vor Ausgrenzung und Stigmatisierung. "Die irrationalen Ängste gegenüber HIV und AIDS sind nicht tot zu kriegen", sagen Fachleute. Und man könne es im Grunde niemandem raten, sich öffentlich zu outen, insbesondere nicht Minderjährigen, da die langfristigen Folgen in keiner Weise abzusehen seien. Umso mehr wünscht man sich aber positive Vorbilder, da es nach wie vor Aufklärungsbedarf gibt. Corinne hat diesen außerordentlichen Mut und findet einen Weg, über ihr Geheimnis zu sprechen.

Jeder sechste Betroffene weiß nichts von Infektion

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) wissen in Deutschland etwa 13.200 von 83.400 Menschen mit HIV/Aids nichts von ihrer Infektion. Dabei raten Experten inzwischen dazu, so früh wie möglich mit einer Therapie zu beginnen. Die Deutsche Aids-Hilfe will sich für mehr Tests engagieren. "Wir wollen besser werden und unsere anonymen und kostenlosen Testangebote ausbauen", kündigt Referent Armin Schafberger an. Doch nicht jeder will sich überprüfen lassen. "Vor allem Angst vor Diskriminierung und der Glaube, mit HIV sei ein erfülltes Leben nicht mehr möglich, halten Menschen vom HIV-Test ab", erläutert Vorstandsmitglied Ulf-Arne Hentschke-Kristal.

Gedanken der 37 Grad Autorin

Maike Conway über ihre Langzeitbeobachtung

Corinne will mir gleich alles zeigen. Es ist der erste Drehtag 2005. Aufgeregt läuft sie durch den Garten und in ihr Zimmer. Wir machen Spaß und albern rum. Sie ist neugierig, aufgeschlossen, lebhaft und offen. Sie steht gerne im Mittelpunkt. In der Grundschule ist sie Klassensprecherin und sie spielt gerne Theater. Sie will gemocht werden, beliebt sein. Sie sucht Liebe, Anerkennung, Aufmerksamkeit. Ein ganz fröhliches "normales" Kind - und "normal“ will Corinne sein.

Während der Dreharbeiten lernen sich meine Tochter Alissa und Corinne kennen. Corinne ist ein Jahr jünger als Alissa. Die beiden haben Lust, zusammen zu drehen. Sie werden Freundinnen. Alissa erfährt erst nach einigen Jahren von Corinnes Geheimnis. Wir haben viel darüber zusammen gesprochen. Corinne ist froh, dass sie mit Alissa über die Krankheit reden kann. Leider wohnen wir weiter weg, so dass sich die beiden nicht oft sehen können.

Leben in der Pflegefamilie

Die erste Zeit mit ihrer Pflegemutter Andrea ist für Corinne nicht einfach. Nach und nach wächst das Vertrauen zwischen den beiden. Corinne erlebt, dass sie mit ihr über alles reden kann. Sie lebt auf! Ihre Vergangenheit scheint sie für eine Zeit hinter sich lassen zu können. Andrea erzieht sie so, wie sie auch ihre eigenen Kinder erzogen hat. Sie liebt, umsorgt und schützt sie - gibt ihr aber auch Aufgaben, Pflichten und eine Struktur. Die beiden werden ein gutes Team.

Doch als Corinne älter wird, treten Probleme in der Beziehung zwischen Corinne und Andrea auf. Probleme, die es oft in Pflegefamilien gibt. Gehöre ich wirklich dazu? Bin ich eine von euch? Kann ich das überhaupt werden? Liebt ihr mich wirklich genauso? Und ich habe da ja noch eine andere Familie, noch andere Wurzeln, wer bin ich und woher komme ich? Was trage ich in mir?

Angst und Unsicherheit

Corinne hat Angst, Freunde zu verlieren. Durch ihre Unsicherheit wird sie in eine Position gedrängt, die sie nicht erklären kann. Sie wird hilflos und sie wird wütend. Das macht alles schwerer. Oft schluckt Corinne die Wut hinunter. Sie wird in den letzten Jahren immer stiller. Für Jugendliche ist es wichtig, sich anzunehmen und zu finden - und da hat Corinne es furchtbar viel schwerer als "andere".

Je älter Corinne wird, desto mehr versteht sie. Oft schafft sie es, sehr gut Dinge auf den Punkt zu bringen. "Man kann nicht täglich Angst haben und sich ständig Sorgen machen." Corinne sagt das und sie weiß das auch und sie schafft so viel.

Corinne hat einen großen Rucksack zu tragen – aber sie hat auch das Glück bei einer liebevollen Pflegefamilie aufzuwachsen, die ihr Chancen auf ein "normales" Leben ermöglichen, mit Liebe, Bildung und die Möglichkeit sich zu entwickeln. Corinne braucht Freiheit sich selber zu finden und ihr Leben in die Hand zu nehmen. Die Freiheit über ihre Krankheit zu reden, könnte ein Ventil für sie sein.

Sendetermin: Dienstag, 1. Dezember 2015, 22.15 Uhr

Ein Film von Maike Conway
Kamera: Tobias Tempel, Thomas Riedelsheimer, Maike Conway
Schnitt: Hauke von Stietencron
Produktion: Johanna Teichmann (Tellux), Marlies Schwab (ZDF)
Redaktion: Brigitte Klos
Online-Redaktion: Uschi Hansen

01.12.2015

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ZDFmediathek: 37 Grad

Sendungsinformationen

Dienstag 15.12.2015, 00:35 - 01:05 Uhr Nachtprogramm

Länge: 30 min.

Deutschland , 2015

Weitere Informationen

Kamera: Tobias Tempel

Links zu weiteren Sendungen mit Corinne

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Wie kann man sich schützen?

Mann demonstriert Kondom-Benutzung.

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