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37 Grad  | 26.01.2016  Und das nennst du Erziehung!

Wenn Eltern sich nicht einig sind

Die Kinder räumen nichts weg, am Essen wird rumgenörgelt. Die Mutter hasst das Chaos, der Vater bleibt entspannt. Was ist, wenn der Streit um die richtige Erziehung so überhandnimmt, dass die Beziehung der Eltern daran zu scheitern droht? In diesem Paarcheck wird der Umgang mit den Kindern unter die Lupe genommen, die täglichen Grabenkämpfe im Familienalltag. 37 Grad testet den Konfliktpunkt Kindererziehung. 

Annick und Stefan mit ihren beiden Töchtern beim Spazieren gehen.

Video: Und das nennst du Erziehung!

Sehen Sie hier die ganze Doku in der Mediathek!

(26.01.2016)

Zwei Familien wagen ein Experiment: Wie schwerwiegend sind ihre Konflikte in Sachen Kindererziehung? In unserem Test müssen sie sich einer Familienkonferenz stellen und anderen herausfordernden Situationen. In einem 90-minütigen Zwiegespräch ohne Kinder müssen sie sich mit ihren Konfliken auseinandersetzen. Kann man die unterschiedlichen Erziehungsstile miteinander vereinbaren und wie können offene und ehrliche Gespräche entstehen, wenn Zündstoff in der Luft liegt?

Unterschiedliche Erziehungsstile

37 Grad - Und das nennst du Erziehung!
Frank, Corinne und ihre Kinder (Quelle: ZDF/Mirko Schernickau)
Corinne und Frank haben drei Kinder, sechs, fünf und drei Jahre alt. Corinne sehnt sich danach, wieder in ihren Beruf als Ergotherapeutin einzusteigen. Auch, weil Frank als Altenpfleger nicht genug Geld verdient. Der unterschiedliche Erziehungsstil der beiden führt oft zu Problemen, zum Beispiel bei den gemeinsamen Mahlzeiten. Corinne möchte, dass die Kinder ordentlich am Tisch sitzen. Sie empfindet ihren Mann als viel zu nachgiebig. Frank dagegen bringt der Ordnungsfimmel seiner Frau zur Weißglut.

Die Stimmung ist ständig gereizt, und Frank fühlt sich genauso unverstanden von seiner Frau wie Corinne von ihrem Mann. Jeder Tag bringt neuen Zündstoff. Frank wünscht sich mehr Konsequenz in der Kindererziehung und empfindet seine Frau als dramatisierend und überbehütend. Corinne leidet am meisten darunter, dass sie sich "wie eine unterbezahlte Putzfrau" fühlt.

Wenig Zeit, viel Streit

Annick und Stefan mit den beiden Töchtern bei der "Familienkonferenz".
Stefan und Annick mit ihren Töchtern (Quelle: ZDF/Mirko Schernickau)
Stefan und Annick, beide 31 Jahre alt, sind Eltern von zwei Töchtern im Alter von vier und sechs Jahren. Seit sie geboren sind, ist die Lebensplanung ins Wanken geraten. Annick arbeitet in der Personalabteilung eines Autoherstellers, Stefan hat sich wegen der Kinder einer beruflichen Umschulung gestellt, vom Hotelfach zum Landschaftsgärtner. Der Alltag frisst die Familie manchmal auf. Von einem Wochenende zu zweit können Annick und Stefan nur träumen. An Zeit für eigene Hobbys ist nicht zu denken. Immer öfter eskaliert der Streit, manchmal reden die Eltern über eine Woche lang nicht mehr miteinander. "Mein Mann handelt nur nach Auftrag, ich fühle mich ständig im Dienst der Kinder und bin für alles zuständig", klagt Annick. Stefan empfindet seine Frau oft als überengagiert und wünscht sich mehr Gelassenheit und Ruhe. Er liebt seine Töchter über alles, vermisst aber Zeit für sich selbst und für die Beziehung mit seiner Frau.

Gedanken der 37 Grad-Autorin

Tina Radke-Gerlach über ihren Film

Als ich mit den Recherchen begann, war ich überzeugt davon, problemlos geeignete Protagonisten zu finden. Schließlich können bei diesem Thema alle Eltern mitreden. Es vergingen Monate mit einer aufwendigen Suche, vielen Zu- und Absagen. Eine besondere Herausforderung war sicherlich, dass sich Paare verschiedenen Testsituationen stellen müssen, deren Inhalt und Ablauf sie vorher nicht kannten. Sechs Monate später konnte es mit zwei Familien losgehen.

Mir war es besonders wichtig, dass die Protagonisten während und nach den Dreharbeiten das Gefühl haben, sich durch die intensive Auseinandersetzung selbst weiterzuentwickeln. Schließlich gewähren sie uns recht intime Einblicke in ihr Privatleben, und dies mit der Kamera begleiten zu dürfen, dafür bin ich immer wieder sehr dankbar.

Ich habe mir für die beiden Familien Testsituationen überlegt, von denen ich glaube, dass sie nicht nur typische Probleme im Erziehungsalltag aufzeigen, sondern gleichzeitig auch eine Entwicklungschance für das Familien- und Paarleben bieten können. Die erste Aufgabe war, eine Familienkonferenz mit vorgegebenen Regeln zu gestalten. Dann mussten die Eltern die gesamte Familie mit Figuren auf ein Brett stellen, so, wie es sich für sie emotional anfühlt. Mit diesen Gefühlen ging es dann zur letzten Herausforderung, ein 90-minütiges Zwiegespräch.

Familienrat und Familienaufstellung

Ein wichtiger Gedanke im Familienrat ist es, Kinder in familiäre Entscheidungen einzubeziehen und ihnen Verantwortung zu übertragen. Es gibt klare Regeln: Einer übernimmt den Vorsitz, einer führt Protokoll und über die Diskussionsergebnisse wird abgestimmt. Nur Einstimmigkeit zählt! So wird versucht, den typischen Alltagsmustern in der Erziehung wie Schimpfen und Strafen der Eltern und Meckern und Nörgeln der Kinder etwas entgegenzusetzen: Wertschätzung für jedes Familienmitglied und das Recht auf die eigene Sichtweise.

Für die Familien ein völlig neues Experiment. Ich war überrascht, wie gut es beim ersten Versuch geklappt hat, obwohl die Kinder, alle zwischen vier und sieben Jahren, noch recht jung sind für eine solche Methode. Der größte Erziehungskonflikt war "Ordnung". Und nun sollten gemeinsam neue Lösungen erarbeitet werden. Am Ende waren sich alle einig, den Familienrat künftig regelmäßig in ihren Alltag zu integrieren.

Im nächsten Experiment bekamen beide Elternpaare die Aufgabe, ihre Familie mit Figuren auf ein Brett zu stellen. So, wie es sich für sie emotional anfühlt. Es wurde für den Partner sichtbarer und damit begreifbarer, welche Konflikte und Verletzungen bestehen, wer mit wem in der Familie wie verbunden ist. Bei Annick und Stefan wurde diese Familienaufstellung so emotional, dass Annick zu Tränen gerührt war als sie merkte, wie groß und wie ehrlich die Liebe ihres Mannes ist und alle Alltagsprobleme überwiegt. Corinne und Stefan waren vor allem überrascht, wie unterschiedlich sie jeweils die Familienkonstellation sehen. Durch die Darstellung mit den Figuren konnten sie im Gespräch darüber Lösungsansätze entwickeln, an die vorher nicht zu denken war.

Zwiegespräch - der Ton bleibt aus!

Das abschließende 90-minütige Zwiegespräch zwischen den Eltern hatte sicherlich die größte Wirkung. Auch hierfür gab es klare Regeln: Gleichmäßige Redeanteile, kein Smalltalk und vor allem keine Vorwürfe. Jeder darf nur über sich und seine Gefühle reden. Ganz bewusst haben wir unsere Paare in diesen neunzig Minuten alleine gelassen. Die Kameras liefen, aber es wurde kein Ton aufgezeichnet.

Weder Corinne und Frank, noch Annick und Stefan konnten sich im Vorfeld vorstellen, eine so lange Zeit miteinander zu reden. Umso verblüffter waren sie im Nachhinein, wie gut es ihnen gelungen ist. Und wie viel mehr Verständnis sie in vielen bislang ungelösten Konfliktfragen zur Erziehung plötzlich füreinander aufbringen konnten, inklusive neuer Lösungsansätze. Nach dem Zwiegespräch waren alle sicher, auch dies zu einem regelmäßigen "Werkzeug" für ein gelingendes und harmonisches Familienleben werden zu lassen.

Am Ende unserer Dreharbeiten fühlten sich unsere Protagonisten "wie nach einer intensiven Familien- und Paartherapie", wie sie es selbst formulierten. Sie sind sich näher gekommen, haben Antworten auf viele Fragen gefunden, insbesondere, wie sie ihre unterschiedlichen Erziehungsstile miteinander vereinbaren können. Und sie haben neue Wege zu offenen und ehrlichen Gesprächen kennengelernt, die sie künftig in den Alltag integrieren möchten.

So habe ich als Autorin ein für mich wichtiges Ziel erreicht. Dass die Protagonisten sich aufgehoben und verstanden fühlen und in einem von gegenseitigem Vertrauen geprägten Umfeld das Gefühl haben, dass die Entscheidung bei 37 Grad mitzumachen einfach die Richtige war!

Sendungsinformation

Ein Film von Tina Radke-Gerlach
Kamera: Mirko Schernickau
Schnitt: Lodur Tettenborn
Produktion: FiVPro-Produktion
Redaktion: Brigitte Klos
Online-Redaktion: Uschi Hansen

"Wird schon werden"

Protagonistin Corinne über die Dreharbeiten

Mit dieser Einstellung ließ ich mich im vergangenen September einfach reinfallen ins Unbekannte. Im Gegensatz zu meinem Mann war ich weder nervös noch besonders aufgeregt. Eher neugierig und innerlich sowieso noch im Alltagsstress der vergangenen Tage.

Als das Team von 37 Grad dann bei uns eintraf, waren sie meinem Mann und mir auf Anhieb sympathisch. Beste Voraussetzung also für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Immerhin gewähren wir ja tiefe Einblicke in unser Privat- und Seelenleben. Als die Kamera dann lief, erwachte in mir sofort eine große "schlummernde Lust" an dieser Art des authentischen Darstellens. Es hat einfach riesig Spaß gemacht, auch wenn es gar nicht so einfach war, die Kamera zu ignorieren und nicht ins Objektiv zu schauen.

Offen mit den Konflikten umgehen

Die Drehtage vergingen wie im Flug, immer ein Pendeln zwischen dem Sofastudio, Zuhause und ausgewählten Schauplätzen. Ich glaube, es kam Filmmaterial für mindestens zwei Filme zusammen. Wir sind nun sehr gespannt, was die Autorin daraus zusammengeschnitten hat, und ob die vielen Aspekte unseres Erziehungsalltags so vermittelt werden, wie wir sie erleben.

Jedenfalls durften wir endlich mal wieder viel Zeit gemeinsam als Paar verbringen, auch wenn die Kinder bei einem Teil der Dreharbeiten dabei waren. Das war eine Erfahrung, die, lange ersehnt und in weite Ferne gerückt, uns wieder näher gebracht hat. Nach diesen Tagen, in denen wir uns irgendwie entrückt, wie in einer Parallelwelt gefühlt haben, blieb bei uns nach einem herzlichen Abschied die wehmütige Frage: "Was tun wir denn jetzt, wo wir wieder allein und auf uns gestellt sind." Die Antwort liegt auf der Hand: Auf jeden Fall offen mit unseren Konflikten umgehen, mehr im Gespräch miteinander sein und weiter an der Paarbeziehung arbeiten. Und natürlich die Familie wertschätzen! Vielen Dank 37 Grad!

26.01.2016

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Sendungsinformationen

Dienstag 02.02.2016, 00:13 - 00:43 Uhr Nachtprogramm

Länge: 30 min.

Deutschland , 2016

Altersfreigabe: 6

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