Als sich August nachträglich um die Zustimmung bemühte, musste er einen weiteren Tiefschlag einstecken: Die Abgeordneten erklärten, dass sich nicht Polen, sondern allein Sachsen mit Schweden im Kriegszustand befände. Polnische Truppen würden den im Felde stehenden sächsischen Regimentern keinesfalls zu Hilfe eilen.
Hauptlast des Kriegs schultern
Da der Vormarsch bald stockte, kam es nun darauf an, wie Augusts Verbündete reagieren würden. Immerhin erklärte Dänemark, das sich dem sächsisch-russischen Bündnis angeschlossen hatte, Schweden ebenfalls den Krieg. Doch der schwedische König Karl XII. hatte die Dänen rasch niedergerungen. Und auch die Russen erlitten im November 1700 bei Narwa eine vernichtende Niederlage, so dass August die Hauptlast des Krieges nunmehr allein zu tragen hatte. Erschrocken versuchte er zurückzurudern und Friedensfühler in Richtung seines Cousins Karl auszustrecken. Er schickte sogar seine ehemalige Mätresse Aurora von Königsmarck ins schwedische Lager, um Karl zum Einlenken zu bewegen, doch vergeblich: Der Schwedenkönig, der, wie man munkelte, ohnehin eher dem eigenen als dem weiblichen Geschlecht zugeneigt war, hörte die schöne Gräfin mit keinem Wort an und erklärte, dass er nicht ruhen werde, ehe er August für dessen ruchlosen Überfall bestraft habe.Besetzung Warschaus und Krakaus
1701 vertrieben die Schweden die Sachsen zunächst wieder aus Livland und marschierten dann im folgenden Jahr in Polen ein. Auch ein vereintes sächsisch-polnisches Heer konnte sie nicht stoppen: Karls Truppen besetzten Warschau sowie Krakau und bemühten sich, August in der Folge den entscheidenden Schlag zu versetzen.Der Sieg der Schweden freilich ließ auf sich warten. Zwar waren in der Rzeczpospolita, der "Republik der polnischen Krone", sofort die alten Konflikte wieder aufgebrochen, doch ein großer Teil des polnischen Adels blieb aufseiten des Königs - vor allem, weil die Schweden in den von ihnen besetzten Gebieten eine regelrechte Schreckensherrschaft errichteten.Nadelstiche gegen Schweden
Fortan gelang es den mit einer Art Guerillataktik operierenden Konföderierten immer wieder, den Schweden schmerzhafte Nadelstiche zu versetzen. Doch auch die Gegner Augusts verspürten Aufwind: Mit dem Segen von Karl XII. wählten sie am 12. Juli 1704 Stanislaus Leszczynski, den Woiewoden von Posen, zum neuen König.August selbst schwankte in diesen bitteren Monaten zwischen Zuversicht und Mutlosigkeit. Mal arbeitete er wie ein Besessener und schrieb, wie der livländische Staatsmann Johann Reinhold von Patkul berichtet, ganze Nächte durch. Dann wieder hieß es von ihm, er habe "die feste Resolution gefasset, lieber die Cron zu verlassen als noch immer so defensive zu ein Spectacul der ganzen Welt aus einem Winkel in den andern sich herum jagen zu lassen".
Rasant steigende Kriegskosten
Vor allem musste er befürchten, sein Kurfürstentum gleich mit in den Ruin zu treiben. Denn so teuer die polnische Krone schon in Friedenszeiten erkauft war - im Krieg stiegen die laufenden Kosten geradezu ins Unermessliche. Und alles Geld musste sich August wieder und wieder aus seinem Stammland holen. Kein Wunder, dass sich dort starker Unmut regte, sogar Staatsstreichpläne kursierten.In dieser Lage bewies August jedoch, dass er durchaus in der Lage war, entschlossen zu handeln. Er ließ den Großkanzler Graf von Beichlingen verhaften und nahm eine Regierungsumbildung vor, die schließlich zur Etablierung eines Geheimen Kabinetts führte. Dessen Mitglieder waren allein vom Willen des Kurfürsten abhängig und wurden nicht länger von den Ständen kontrolliert.Einführung der Verbrauchssteuer
Auch das leidige Finanzproblem löste August auf elegante Weise, indem er 1703 anstelle der direkten Steuern an den Ständen vorbei die Generalkonsumtionsakzise einführen ließ: eine Verbrauchssteuer, die alle am Warenumsatz Beteiligten entrichten mussten - auch der bislang weitgehend steuerfrei wirtschaftende Adel.Während sich durch die Akzise der Staatssäckel tatsächlich langsam, aber stetig zu füllen begann, sollte der Chef der Generalakzise-Inspektion, Adolph Magnus Freiherr von Hoym, seinem Herrn nicht nur in Finanzdingen gute Dienste erweisen.

