Päpstlicher Vormund
Noch vor seinem dritten Geburtstag erschütterte der Tod seines Vaters die Herrschaft der Staufer im Reich. Kaiser Heinrich VI. starb im Alter von nur 32 Jahren. Schicksal eines Deutschen in Italien. Vermutlich hatte er sich Jahre zuvor eine Malaria zugezogen, die nun zum Ausbruch kam. Und bald lag auch seine Mutter, Kaiserin Konstanze, im Sterben.ZITAT
„Oh, Du ersehnter Knabe, Du Wiederkehr glorreicher Zeiten, Roger und Friederich, eins werden beide in Dir. Friede kehrt ein mit Dir, denn Deine Geburt schafft auch uns erst; Deine Geburt macht aus uns, was frommes Wünschen erstrebt.”
Königliche Erziehung
Es grenzt an ein Wunder, dass Friedrich II. trotz alledem eine geordnete königliche Erziehung erfuhr, wie sie ihm als Purpurgeborenem auch zukam. Seinem päpstlichen Vormund wurde von den Reit- und Fechtkünsten des jungen Königs berichtet, und von seinem Wissensdurst. Friedrich las römische und arabische Autoren. Über die Geschichte seines Landes und die seiner Vorväter war er wohlinformiert.Palermo war schon im Mittelalter ein Schmelztopf der Kulturen. Den ehemaligen Herrschaftssitz der Araber, "Qasr" genannt, hatte Friedrichs Großvater mütterlicherseits, Roger II., zu einem prunkvollen Königspalast ausgebaut. Hier begegneten sich Orient und Okzident. So wuchs Friedrich inmitten von vier Kulturen und Sprachen - Normannisch, Sizilianisch, Arabisch, Hebräisch - als Thronfolger heran. Und am Hof sprach man auch Deutsch.Drei Weltreligionen vereint
Gleich drei Weltreligionen waren hier zu Hause: Neben den normannischen Kirchen standen die Moscheen der Muslime, daneben die Synagogen der Juden. Einzigartig ist die Kapelle im Normannenpalast von Palermo. In ihr verschmilzt römischer Baustil mit griechischer Tradition, byzantinische Mosaikkunst mit arabischer Ornamentik. Ein Weltwunder des Mittelalters, das Friedrich II. später nach seinen Vorstellungen ausschmücken lässt: mit dem Adler, dem Symbol der Staufer, neben den Herrschaftszeichen der Normannenkönige. Ein anonymer Brief aus der Umgebung des Kanzlers Walter von Pagliara, der den Heranwachsenden 1207 in seine Obhut nahm, beschreibt den 13-jährigen Friedrich als anmutigen Jungen mit strahlenden Augen. "Aufgeweckt ist er, voll Scharfsinn und Gelehrigkeit." Aber Friedrich zeigte früh auch eine andere Seite. Er empfinde es als schimpflich, heißt es in dem Brief weiter, "noch für einen Knaben, nicht aber für einen König geachtet zu werden". Behandle man ihn nicht entsprechend, verwandle er sich in eine Furie. Friedrich wusste genau: Er war kein Normalsterblicher. Er, der Sohn und Enkel zweier Kaiser, fühlte sich durch Gottes Gnade an die Spitze des Heiligen Römischen Reiches berufen. So verhielt er sich denn auch.Rainald von Capua in einem Brief an Papst Innozenz III zum Kidnapping des jungen Königs Friedrich II, 1201
"Zuerst brach Friedrich in Tränen aus. Doch dann packte ihn ohnmächtige Wut, und wie der Berg Sinai nicht einmal von einem Tier berührt werden darf, so versuchte er die Hand des Häschers aufzuhalten, die im Begriff war, den Gesalbten des Herrn anzutasten. Dann öffnete Friedrich seinen Königsmantel, zerriss voller Schmerz - mit Tränen in den Augen - seine Kleider und zerfetzte sein junges Fleisch mit seinen messerscharfen Nägeln."
Königreich Sizilien
Die Blüte Siziliens begründeten arabische Eroberer, die 827 in der sizilianischen Hafenstadt Marsala (arabisch: "Marsa Allah", "Hafen Gottes") landeten. Die neuen Herren senkten die Abgabenlasten, sorgten für Steuergerechtigkeit und steigerten die Erträge von Handel und Handwerk. Bewässerungsanlagen wurden angelegt, mit denen Orangen und Zitronen, Auberginen, Pistazien und Dattelpalmen kultiviert werden konnten. Vor allem ließen sie prachtvolle Moscheen und Paläste errichten. Über 200 glänzende Kuppeln konnte man um die Jahrtausendwende allein in Palermo zählen, das zu einem intellektuellen und kulturellen Zentrum der islamischen Welt heranwuchs und mit geschätzten 100 000 Einwohnern neben Konstantinopel als größte Stadt Europas galt. Dann kamen die nächsten Invasoren über die Meerenge von Messina. Seit dem 11. Jahrhundert siedelten Normannen in Süditalien. Am 18. Mai 1061 landeten die einstigen Seeräuber in Sizilien. Sechzig Jahre später vereinigte Roger II. Insel und Festland zum eigenständigen Königreich Sizilien: "Regnum Sicilie, ducatus Apulie et principatus Capue". Und was niemand vorhergesehen hatte: Den ungeschlachten Männern aus der französischen Normandie gefiel das Hofleben ihrer arabischen Vorgänger. Unter den Normannenkönigen wurde Palermo kulturelles Zentrum des Abendlandes. Das Goldene Zeitalter Siziliens war angebrochen.

