Karl IV. wurde 1316 in Prag geboren. Sein Vater Johann hatte eine böhmische Prinzessin geheiratet und war dadurch einer der mächtigsten Männer im Reich geworden. 1346 gelang es dem ehrgeizigen Luxemburger, durch die Zahlung horrender Bestechungsgelder seinen Sohn Karl als Gegenkönig zum amtierenden Ludwig dem Bayern wählen zu lassen. Karls Position im Reich war zunächst schwach, aber durch den plötzlichen Tod Ludwigs, wenige Monate nach der Wahl, änderte sich die Lage.
Eckdaten
14. Mai 1316 Geburt Karls IV. als Sohn des böhmischen Königs Johann von Luxemburg
11. Juli 1346 Wahl Karls IV. zum römisch-deutschen Gegenkönig
26. August In der Schlacht von Crécy besiegen die Engländer die Franzosen, Karl IV. muss fliehen, sein Vater Johann fällt
11. Oktober 1347 Kaiser Ludwig von Bayern, mächtiger Widersacher Karls IV., stirbt bei Bärenhatz
16. März 1348 Karl IV. beginnt mit dem Bau der Prager Neustadt
16. November 1349 Karl IV. unterzeichnet Freibrief zur Ermordung der Nürnberger Juden
5. April 1355 Karl IV. wird in Rom zum Kaiser gekrönt
10. Januar 1356 Goldene Bulle, das künftige Grundgesetz des Reiches, wird in Nürnberg öffentlich verkündet
29. November 1378 Nach dem Tod Karls IV. wird sein Sohn Wenzel römisch-deutscher König
Ausführliche Chronik zu "Karl IV. und der Schwarze Tod"
Goldene Bulle
Durch geschicktes politisches Taktieren, strategische Eheschließungen und nicht zuletzt durch die Veräußerung königlicher Privilegien, sorgte Karl IV. für Frieden und konsolidierte seine Herrschaft. Als das Reich im Innern gefestigt war, brach er 1354 zu einem Italienzug auf und errang die Kaiserkrone.Kurz danach hielt er einen Reichstag in Nürnberg ab, bei dem die Modalitäten der Königswahl ein für alle Mal festgeschrieben werden sollten. Das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Kaiser und Fürsten ging als "Goldene Bulle" in die Geschichte ein und wurde am 10. Januar 1356 öffentlich in Nürnberg verkündet. Die Goldene Bulle legte fest, dass zukünftig drei Erzbischöfe und vier weltliche Fürsten den König mit einfacher Mehrheit wählen. Eine Art "Grundgesetz" des Heiligen Römischen Reiches entstand, das bis zu seinem Untergang 1806 gültig blieb.
Verrat an Juden
Unter Karl IV. erlebte Mitteleuropa eine kulturelle Blüte. Aber seine Regierungszeit stand gleichzeitig im Schatten der schlimmsten Katastrophe des Mittelalters, der Pest. Der "Schwarze Tod", wie man die Epidemie nannte, raffte über ein Drittel der Bevölkerung des Reiches hinweg. "Schuldige" wurden rasch gefunden: die Juden. Als Geldverleiher waren sie zwar unverzichtbar für die mittelalterliche Wirtschaft, aber gleichzeitig verhasst und sozial ausgegrenzt.Als angebliche "Brunnenvergifter" wurden die Juden für die verheerende Seuche verantwortlich gemacht und zu Tausenden verbrannt. Dass mit den Juden oft auch ihre Schuldscheine verbrannt wurden, wirft ein bezeichnendes Licht auf die wahren Motive der Täter. Kaiser Karl IV. versagte in der königlichen Pflicht, seine Untertanen vor den Übergriffen zu schützen und profitierte sogar von der Ermordung der Juden.Sendungsinformationen
Film von Georg Graffe und Bernhard von Dadelsen
Wissenschaftl. Beratung: Prof. Dr. Bernd Schneidmüller Hauptdarsteller: Christoph Jacobi


