Der kaiserliche Hof war ein Zentrum der Wissenschaft. Friedrich umgab sich mit den klügsten Köpfen seiner Zeit. Darunter Leonardo Fibonacci, ein Kaufmann aus Pisa, der in Europa die arabischen Ziffern mit der Null einführte, dem Nichts, was als Teufelswerk galt. Und mit denen sich schneller und einfacher rechnen ließ als mit römischen Zahlen. In Palermo übersetzten jüdische Gelehrte aus dem Arabischen ins Hebräische und Lateinische. Nicht weniger als das Wissen der Welt, ein "Kompendium enzyklopädischen Wissens", sollte am kaiserlichen Hof zusammengetragen werden.
Naturwissenschaftliche Forschungen
Arabische Quellen berichten über ganze Kataloge von Fragen, die Friedrich II. an muslimische Gelehrte geschickt haben soll. Warum erscheinen Ruder im Wasser gebrochen? Bleibt die Seele im Körper des Toten, oder verlässt sie ihn? Und wo befindet sich das himmlische Paradies, wo liegen Hölle und Fegefeuer verborgen?Friedrich war nicht nur an Philosophie und Wissenschaft interessiert, er selbst betrieb naturwissenschaftliche Forschungen und machte Experimente. Die alte Frage, ob die Sonne Straußeneier ausbrüten könne, klärte er in einem Versuch. Es gelang. Eine Herzensangelegenheit war ihm die Falkenjagd, er selber schrieb ein Standardwerk über die Falknerei. Auch hier forschte der Kaiser persönlich. Eine bleibende Innovation aus seiner Hand: kleine Löcher in den ledernen Falkenhauben, damit die kostbaren Tiere nicht so sehr schwitzten und sich erkälteten.Sezierung von Hingerichteten?
ZITAT
„Der erste moderne Mensch auf dem Thron”
Späte Würdigung
Von der Kunst, mit Vögeln zu jagen
Von der "aufmerksamen Beobachtung des vom Auge Erfassten" sei er ausgegangen, schreibt Friedrich im Vorwort seines Buches "De arte venandi cum avibus". Kenner bezeichnen es als eines der kompetentesten Falkenbücher, die je geschrieben wurden.
Gut dreißig Jahre beobachtete er und machte Experimente mit Vögeln und Vogeleiern. Ein Falkner aus Leidenschaft, der sich "über jedes Maß an den Falken ergötzte" - so beschreibt ihn sein Hofastrologe Theodor von Antiochien. Heute würde man Friedrich einen Empiriker, einen Naturwissenschaftler von hohem Rang nennen.


