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Porträt  |  Sendung vom 04.02.2007 [Archiv]

Elizabeth George und Inspector Lynley

Blick in die Abgründe der Gesellschaft

Sie ist eine der bedeutendsten Krimiautorinnen der Gegenwart und dafür bekannt, in ihren Büchern psychologisch ausgefeilte, hochspannende und präzise recherchierte Kriminalfälle zu präsentieren. Die Amerikanerin hat es geschafft, in kürzester Zeit die Herzen der Engländer zu erobern. Die ansonsten eher zurückhaltenden Briten bezeichnen sie sogar als Nachfolgerin ihrer Agatha Christie.  

Elizabeth George beim Interview mit ML / Quelle: ZDF
Elizabeth George beim Interview mit ML (Quelle: ZDF)

Die 1949 in Ohio geborene Bestsellerautorin lebt heute in Kalifornien und ist Professorin für Literatur und englische Sprache. Das ZDF traf die Autorin in ihrer "zweiten" Heimat England.

Glaubwürdigkeit als Erfolgsrezept

Ihre Kriminalfälle spielen allesamt in England und in der englischen Gesellschaft, die sie bei aller Liebe mit scharfer Feder gnadenlos seziert: "Ich versuche einfach, ehrlich und ausgewogen zu sein. Die englische Gesellschaft hat enorme Probleme, die ausgesprochen werden müssen. Und wenn die Leute das, was in meinen Büchern steht, auch in den Zeitungen lesen können, denke ich, dass das meine Glaubwürdigkeit unterstreicht."

Ihr Erfolgscocktail: viel Spannung, Raffinesse, ein bisschen Upperclass, dazu ein Schuss Psychologie. Abgerundet wird das Ganze mit kriminalistischem Feingefühl. Das Milieu wäre häufig der Grund für ein Verbrechen, meint sie. Um eine Umgebung liebevoll, realistisch und authentisch zu schaffen, müsse sie als Autorin ein Gespür für diese Atmosphäre entwickeln können.
Elizabeth George über Inespector Inley (Quelle: ZDF/John Rogers)

Motivsuche in England

Deshalb recherchiert die Wahl-Kalifornierin für die Fälle ihrer beiden Helden, Inspector Lynley und Sergeant Havers, immer wieder wochenlang vor Ort. Häufig sind es Zufälle, die sie inspirieren. Kleine Szenen, die sie im Alltag beobachtet, werden Teil ihrer nächsten Geschichte. In ihren Büchern blickt sie hinter die Fassaden der bürgerlichen Gesellschaft, wo sich Abgründe auftun und eifrig gemordet wird.

Die ersten Bücher waren Flops

Die Mordfälle sind immer gepaart mit einer fundierten Gesellschaftskritik. Es ist der Gegensatz von reich und arm, vom Leben in den Villengegenden und Armutsvierteln, den sie immer wieder anprangert: "Es ist das Klassensystem, das nach wie vor das Leben der Engländer bestimmt, auch wenn sie es verleugnen." Sie selbst sieht sich wie eine ihrer Hauptfiguren, Saint James, der "very british" ist: "Bei großen Gefühlen legt er eine gewisse unterkühlte und analytische Art an den Tag. Genau wie ich."

ZITAT

Meine zwei ersten Bücher wurden nicht veröffentlicht. Beim dritten wird es genauso sein, dachte ich, also probierst du es mal mit dem Inspector Lynley. Wenn er so erfolgreich bei Scotland Yard ist, dann kann er auch bei mir die Fälle lösen.”

Elizabeth George

Saint James, der wissenschaftliche Kriminologe, war auch der Held ihrer ersten beiden Bücher. Die waren Flops und verschwanden in der Schublade: "Meine zwei ersten Bücher wurden nicht veröffentlicht. Beim dritten wird es genauso sein, dachte ich, also probierst du es mal mit dem Inspector Lynley. Wenn er so erfolgreich bei Scotland Yard ist, dann kann er auch bei mir die Fälle lösen." Und das funktionierte tatsächlich.

Inzwischen ist sie mehrfache Bestsellerautorin. Doch bei allem Erfolg hat das Schreiben für sie vor allem eine große therapeutische Bedeutung. Wenn sie nicht schreibe, dann werde sie depressiv. Sie habe gelernt, dass sie ihr Gehirn beschäftigen muss. Immer wieder durchleben die Charaktere ihrer Bücher tiefe persönliche Krisen. Die Suche nach der eigenen Identität ist auch etwas, was sie selbst sehr beschäftigt: "Bei jedem neuen Buch komme ich mir ein Stückchen näher."

04.02.2007, Quelle: ZDF

Inspector Lynley im ZDF

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