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Geist ist geil!

Ein Anruf bei der Parapsychologischen Beratungsstelle

In der "Kopf der Woche"-Redaktion spukt es. Die Kühlschranktür öffnet sich hin und wieder, ohne dass auch nur irgend jemand von uns in der Nähe wäre. Das Licht flackert manchmal gespenstisch auf. Und dann und wann schaltet sich der Fernseher von selbst an, meistens läuft dann RTL, warum auch immer. So geht das nicht weiter, dachten wir uns. Und riefen die Parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg an. Dort ließen wir uns von Sara Schmitter beraten, wie wir die Geister wieder loswerden können. 

Till Frommann

Wie viele Menschen rufen bei Ihnen eigentlich wöchentlich an, weil sie Geister gesehen haben?

Vielleicht sind es in der Woche hundert Anrufe. Dabei umfasst das Themenspektrum jedoch mehr als nur Geistererscheinungen. Sie haben viele verschiedene Probleme, wegen der sie sich mit der parapsychologischen Beratungsstelle in Verbindung setzen.

Weswegen melden sie sich noch bei Ihnen?

Es umfasst das gesamte paranormale Spektrum. Es rufen Menschen an, die das, was landläufig als Spuk bezeichnet wird, erleben. Die das Gefühl haben, von anderen Menschen mit schwarzer Magie oder Telepathie manipuliert zu werden – das nennt man Verhexungssyndrom. Menschen, die in irgendwelchen okkulten Gruppierungen oder Sekten waren und jetzt Unterstützung benötigen. Menschen mit Nahtoderlebnissen. Menschen, die Stimmen hören. Aber halt auch Menschen, die Erscheinungen von Geistern oder Geistwesen haben.


Sara Schmitter / Quelle: privat
"Jeder Spuk hat eine Botschaft für die betroffene Person." Sara Schmitter (Quelle: privat)
Glauben Sie den Menschen, die Geister gesehen haben?


Auf jeden Fall. Die parapsychologische Beratungsstelle ist weltanschaulich neutral. In der Wissenschaft gibt es keinen Beweis für Geister, es gibt aber auch keinen Beweis dafür, dass es sie nicht gibt. Was ich sagen möchte: Es geht in unserer Arbeit überhaupt nicht darum, was wir persönlich glauben.

Sondern?

Es geht darum, dass die Menschen mit der individuellen Interpretation ihrer Erlebnisse gut klar kommen – dass sie keine Probleme mit ihren paranormalen Erlebnisse haben in ihrem sonstigen Leben, sondern dass sie dies im Optimalfall als eine Ressource in ihrem Leben integrieren.

Also als etwas Positives? Sind Geister etwas Positives? Sind Geister Lichtgestalten?

Das ist so eine Sache mit diesen Begrifflichkeiten. Zumal die meisten Menschen dies individuell interpretieren, was für sie ein Geist oder eine Lichtgestalt ist. Ich kann Ihnen überhaupt nicht genau sagen, was die definitorischen Kriterien für eine Lichtgestalt sind.

Weshalb ich eigentlich anrufe: Ich habe das Gefühl, dass es bei uns in der Redaktion spukt und einige Redakteure besessen sind.

Erst einmal sind Spuk und Besessenheit zwei verschiedene Phänomene.

Also sollten wir das nacheinander abarbeiten?

Genau. Erst einmal würde ich auf den Spuk eingehen und Ihnen Fragen stellen, um herauszufinden, ob es wirklich ein Spukphänomen ist, das Sie erleben. Es kann nämlich auch sein, dass Menschen einfach bloß etwas manipulieren. Ich würde mir genau von Ihnen beschreiben lassen, was Sie erleben und was Ihre Interpretation der Erlebnisse ist.  Der Spuk könnte nämlich auch etwas mit Ihnen als Person zu tun haben. Jeder Spuk hat eine Botschaft für die betroffene Person oder die betroffenen Personen – das wäre dann auch in Ihrer Redaktion so. Es gibt verschiedene Verfahren, der Botschaft des Spuks auf die Schliche zu kommen, was eine Möglichkeit ist, dass diese Phänomene wieder aufhören.

Der Kühlschrank geht immer wieder auf und zu, der Fernseher schaltet sich von alleine an und wieder aus. Meine Kollegen recherchieren seltsames Zeug und verhalten sich merkwürdig. Manchmal fällt auch einfach bloß unmotiviert ein Gegenstand herunter.

Mit Ausnahme davon, dass Ihre Kollegen seltsame Dinge tun, sind das alles typische Spukphänomene – dass irgendwelche Sachen herunterfallen, Gegenstände verschwinden und an anderer Stelle wieder auftauchen. Physikalisch unerklärliche Geräusche.

Ein Spuk ist wie eine externalisierte, also weiter nach außen verlagterte psychosomatische Reaktion. Das passiert, wenn eine Person, die auch als Spukfokusperson bezeichnet wird, irgendein seelisches Leid verdrängt, das aber eigentlich ins Bewusstsein kommen möchte.

Nicht nur ich sehe diesen Spuk – das sehen alle in der Redaktion.

Das ist egal, denn es ist trotzdem eine Person, die den Spuk auslöst. Ganz sicher sehen ihn alle, denn auf einer materiellen Ebene passiert das tatsächlich. Sie können es sich so vorstellen, dass die meisten Menschen psychosomatisch reagieren – dabei wird eine seelische Energie, etwas, was man verdrängt hat, in eine physiologische Kraft im eigenen Körper umgewandelt, und man wird krank.

Die Seele möchte einem also etwas sagen. Bei Menschen, die Spukfokuspersonen sind, ist es meistens so, dass eine psychologische in eine physikalische Energie umgewandelt wird – also externalisiert, zum Beispiel in die eigene Wohnung oder ins eigene Haus. Dabei kann es durchaus passieren, dass sich irgendwelche Gegenstände bewegen, ohne dass das die Personen bewusst machen.

Das bedeutet, dass irgendwer bei uns in der Redaktion psychologische Probleme hat. Brauchen wir jetzt einen Exorzisten oder einen Geisterjäger?

Das lässt sich nicht schlicht in einem Satz beantworten. Bei uns rufen viele Menschen an, bei denen es gespukt hat. Sie haben sich alle möglichen Geisterjäger, Exorzisten und dergleichen ins Haus geholt, und in der Regel sind die Phänomene schlimmer geworden. Viel sinnvoller ist es, zum Beispiel ganz genau Tagebuch zu führen über das, was passiert und selbst einen Blick dafür zu bekommen, was mir der Spuk sagen möchte – also was die Botschaft ist. Wir bieten den Menschen auch an, gemeinsam in die Beobachtung zu gehen. Die Phänomene hören eigentlich erst auf, wenn der Spuk seine Botschaft rübergebracht hat – denn das ist nach aktuellem Kenntnisstand sein Daseinszweck.

Das heißt: Sie raten uns nicht zu einem Geisterjäger oder einem Exorzisten? Bräuchten wir vielleicht einen Geistermediator?

(lacht) Oder einen Geistertherapeuten.

Mehr über Hexen, Geister und Übersinnliches am Mittwoch, 31. Oktober, ab 20.15 in ZDFkultur. Alle Informationen zum "Kopf der Woche" findet Ihr hier.

30.10.2012

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