Wild Germany - Schwerste Gespräche
Dieses wohl schwierigste Interview, das Manuel Möglich bisher für "Wild Germany" geführt hat, soll aber nicht von denen ablenken, die diese Neigung bei sich selbst entdeckt haben und sich Hilfe suchen oder diese schon gefunden haben. So begleitet Manuel beispielweise den 23-jährigen Nils, der jeden Tag daran arbeitet mit dieser Krankheit zu leben, ohne selbst Täter zu werden, über mehrere Monate. Außerdem trifft er neben einem Psychologen auch den Gründer des Präventionsprojektes "Kein Täter werden" an der Berliner Charité.
Begriffliche Unklarheiten
Der Begriff "Pädophilie" wird durchaus kritisch betrachtet, da viele ihn als schönfärbend empfinden. Er kommt aus dem Griechischen und bedeutet so etwas wie "Freundschaft zu einem Kind oder einem Jungen/Knaben". Aus sexualwissenschaftlicher Sicht und laut der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und Gesundheitsprobleme, ICD 10, bezeichnet "pädophil" die sexuelle Erregbarkeit eines Menschen durch Kinder vor Beginn der Pubertät, sofern sie wiederholt auftritt. "Pädosexuell" hingegen beschreibt das sexuelle Verhalten oder das sexuelle Handeln.Klar abgegrenzt dazu wird, laut ZDFneo-Expertin Dr. Brigitte Bosse, der juristische Begriff "Pädokriminalität", der eine tatsächliche kriminelle Handlung beschreibt, nämlich, wenn Menschen Kinder sexuell ausbeuten (Kinderpornographie, Kinderprostitution). Nicht jeder, der pädokriminell tätig wird, ist auch zwangsläufig ein Pädophiler und nicht jeder Pädophile wird kriminell tätig. Laut Studien sind nur zwischen 12 und 20 Prozent aller wegen sexuellen Missbrauchs verurteilen Sexualstraftäter pädophil. Trotzdem muss aber jeder Pädophile Zeit seines Lebens seine Neigung unterdrücken und bestenfalls behandeln, um nicht straffällig zu werden.Schwierige Statistiken
Laut "Spiegel" sind rund 250.000 Männer in Deutschland pädophil - genauere Angaben zu bekommen ist schwierig, da nicht jeder Pädophile offen oder gar überhaupt über seine Neigung spricht - auch deshalb, weil Pädophile häufig mit Kinderschändern gleichgesetzt werden.Dr. Brigitte Bosse
Brigitte Bosse ist Leiterin des Traumainstitutes Mainz. Seit 1993 abeitet sie als Psychotherapeutin, zuvor war sie als Anästhesistin mit dem Schwerpunkt Schmerztherapie tätig. Im Auftrag der Landesregierung von Rheinland-Pfalz entwickelte sie 1995/96 ein Curriclum für Psychotherapeuten, die mit Opfern sexueller Gewalt arbeiten. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die Behandlung von Akut- und Kompextraumatisierten.
Nach einem sexuellen Übergriff
Die Folgen pädokrimineller Übergriffe sind laut Brigitte Bosse besonders dann verheerend, wenn der Missbrauch über lange Jahre stattgefunden hat. Für die Kinder verschieben sich dann Grenzen - sie können sich nicht mehr auf ihr eigenes Urteil verlassen, noch auf den Erwachsenen, die eigentliche Vertrauensperson.Die daraus entstehenden Stress- oder Traumafolgestörungen können sich durch das ganze Leben ziehen, so Brigitte Bosse. Schlimmstenfalls übertragen sie sich sogar auf die folgende Generation, da die Kinder das Verhalten ihrer Eltern übernehmen.


