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Wild Germany - "Pädophilie"  Sendung vom 21.02.2013 [Archiv]

Lebenslang seine Sexualität unterdrücken

Die zwangsläufige Herausforderung für Pädophile

In schwarzen Sportsocken, dunkelbraunen Ledersandalen, einem karierten Hemd und einem gelben Rucksack auf dem Rücken, kommt der kleine, untersetze Mann die Straße entlang. Dieser Mensch, der hier mit kleinen Schritten auf den ZDFneo-Reporter Manuel Möglich zukommt, heißt Dieter Gieseking und ist pädophil. Er geht mit dem Reporter in den anliegenden Tierpark, der zu dieser Jahreszeit voll ist mit "diesen Objekten", wie der Pädophilen-Aktivist kleine Jungen bezeichnet. 

Wild Germany - Schwerste Gespräche

Manuel Möglich auf der Spur eines Themas, über das die Menschen nicht ohne Abschreckung reden können: "Pädophilie". Er trifft auf Therapeuten, Täter und einen Mann, der nicht zum Täter werden möchte.

(21.02.2013)

Dieses wohl schwierigste Interview, das Manuel Möglich bisher für "Wild Germany" geführt hat, soll aber nicht von denen ablenken, die diese Neigung bei sich selbst entdeckt haben und sich Hilfe suchen oder diese schon gefunden haben.

Moderator Manuel Möglich (l.) befragt den pädophilen Nils zu seinen Erfahrungen. / Quelle: ZDF, Manuel Freundt
Manuel Möglich spricht mir dem 23-jährigen Nils, der eine Therapie macht. (Quelle: ZDF, Manuel Freundt)

So begleitet Manuel beispielweise den 23-jährigen Nils, der jeden Tag daran arbeitet mit dieser Krankheit zu leben, ohne selbst Täter zu werden, über mehrere Monate. Außerdem trifft er neben einem Psychologen auch den Gründer des Präventionsprojektes "Kein Täter werden" an der Berliner Charité.

Begriffliche Unklarheiten

Der Begriff "Pädophilie" wird durchaus kritisch betrachtet, da viele ihn als schönfärbend empfinden. Er kommt aus dem Griechischen und bedeutet so etwas wie "Freundschaft zu einem Kind oder einem Jungen/Knaben". Aus sexualwissenschaftlicher Sicht und laut der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und Gesundheitsprobleme, ICD 10, bezeichnet "pädophil" die sexuelle Erregbarkeit eines Menschen durch Kinder vor Beginn der Pubertät, sofern sie wiederholt auftritt. "Pädosexuell" hingegen beschreibt das sexuelle Verhalten oder das sexuelle Handeln.

Klar abgegrenzt dazu wird, laut ZDFneo-Expertin Dr. Brigitte Bosse, der juristische Begriff "Pädokriminalität", der eine tatsächliche kriminelle Handlung beschreibt, nämlich, wenn Menschen Kinder sexuell ausbeuten (Kinderpornographie, Kinderprostitution). Nicht jeder, der pädokriminell tätig wird, ist auch zwangsläufig ein Pädophiler und nicht jeder Pädophile wird kriminell tätig. Laut Studien sind nur zwischen 12 und 20 Prozent aller wegen sexuellen Missbrauchs verurteilen Sexualstraftäter pädophil. Trotzdem muss aber jeder Pädophile Zeit seines Lebens seine Neigung unterdrücken und bestenfalls behandeln, um nicht straffällig zu werden.

Schwierige Statistiken

Laut "Spiegel" sind rund 250.000 Männer in Deutschland pädophil - genauere Angaben zu bekommen ist schwierig, da nicht jeder Pädophile offen oder gar überhaupt über seine Neigung spricht - auch deshalb, weil Pädophile häufig mit Kinderschändern gleichgesetzt werden.

Dr. Brigitte Bosse

Brigitte Bosse ist Leiterin des Traumainstitutes Mainz. Seit 1993 abeitet sie als Psychotherapeutin, zuvor war sie als Anästhesistin mit dem Schwerpunkt Schmerztherapie tätig. Im Auftrag der Landesregierung von Rheinland-Pfalz entwickelte sie 1995/96 ein Curriclum für Psychotherapeuten, die mit Opfern sexueller Gewalt arbeiten. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die Behandlung von Akut- und Kompextraumatisierten.

Die Psycho- und Traumatherapeutin Brigitte Bosse zitiert im ZDFneo-Interview die Kriminaliätsstatistik des Jahres 2011, in der 15.000 Fälle von sexuellen Übergriffen auf Kinder dokumentiert sind. Dennoch, so sagt sie, sei die Dunkelziffer sehr hoch: In Deutschland spreche man von 1:10 bis 1:30 Fällen - auf einen gefassten Täter kommen also zwischen zehn bis 30 ungefasste Täter. Im Ausland - wenn also Deutsche beispielsweise nach Südamerika oder Thailand fahren - gelte sogar eine Dunkelziffer von 1:1000.

Nach einem sexuellen Übergriff

Die Folgen pädokrimineller Übergriffe sind laut Brigitte Bosse besonders dann verheerend, wenn der Missbrauch über lange Jahre stattgefunden hat. Für die Kinder verschieben sich dann Grenzen  - sie können sich nicht mehr auf ihr eigenes Urteil verlassen, noch auf den Erwachsenen, die eigentliche Vertrauensperson.

Die daraus entstehenden Stress- oder Traumafolgestörungen können sich durch das ganze Leben ziehen, so Brigitte Bosse. Schlimmstenfalls übertragen sie sich sogar auf die folgende Generation, da die Kinder das Verhalten ihrer Eltern übernehmen.

21.02.2013, Quelle: ZDF, Brigitte Bosse, Ahlers/Schaefer/Beier (Sexuologie)

Wild Germany - "Pädophilie"

Manuel Möglich befasst sich mit einem heiklen Thema: Im Gespräch mit Betroffenen und mehreren Therapeuten nähert er ...  [mehr]

Sendungsinformationen

Donnerstag 21.02.2013, 23:40 - 00:10 Uhr 

VPS 21.02.2013, 23:40 Uhr


Länge: 30 min.

Reportage, Deutschland, 2013

Altersfreigabe: 16

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