Terra X | Sendung vom 18.06.2012 [Archiv]

Der Kontinent - Die Zukunft Europas

Europa ist heute ein größtenteils urbaner Kontinent. Fast alles Land ist von Menschen kontrolliertes Kultur- und Wirtschaftsland. Und doch geht es ökologisch gesehen unserem Kontinent besser als vermutet. Die Natur Europas hat in ihrer jüngsten Geschichte nicht nur die industrielle Revolution und zwei Weltkriege überstanden, sie erobert sich mittlerweile überall neues Terrain bzw. verloren gegangene Regionen zurück.

Viele Tierarten haben sich den Menschen angepasst und profitieren sogar von den Städten und unseren landwirtschaftlichen Nutzflächen. Stare fallen jeden Herbst scharenweise in Rom ein - die Wärme der Stadt macht das Leben angenehmer als das kalte Umland. Monumentale Bauwerke wie der Stephansdom in Wien haben vieles mit steilen Felswänden gemein. So finden hier typische Felsbrüter wie Turmfalken und Tauben beste Bedingungen. Marder haben sich mittlerweile auf Autos spezialisiert: der warme Motorraum bietet Schutz und so manches zum Knabbern.

Auf Europas Müllhalden finden Wildtiere nicht nur Nahrung. Londons Stadtfüchse leben schon lange nicht mehr in Erdhöhlen. Zwischen Altreifen finden sie sicheren Unterschlupf für ihre Familien. Manche Arten haben wir nach Jahrhunderte langer Verfolgung wieder eingebürgert: Biber in den Donau-Auen oder Lachse in den Nebenflüssen des Rheins sind Beispiele für solche Erfolgsgeschichten.

Über 50 Jahre waren die weiten Wälder von den inselhaften Waldgebieten des Westens abgeschnitten. Von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer war Europa zweigeteilt. Dreitausend Kilometer Grenzlinie zwischen Ost und West. Heute ist aus der ehemaligen Todeszone des Eisernen Vorhangs ein grüner Korridor quer durch den Kontinent geworden.

Eine Kette von Nationalparks schafft hier für die Tierwelt Bedingungen, sich auszubreiten, wie sonst nirgends in Europa. In den unzugänglichsten Gebieten des Kontinents, im hohen Norden und auf den höchsten Gipfeln der Gebirge, hat sich trotz Kleinräumigkeit noch echte Wildnis erhalten. Natürlich gibt es noch viele ungelöste ökologische Probleme, noch immer werden wertvolle Landschaften zerstört, Flüsse und Küsten mit Industrieabfällen verschmutzt, geht Lebensraum für die Natur verloren.

Dennoch hat sich in Europa ein neues Umweltbewusstsein etabliert. Die großen Flussläufe wie Rhein und Elbe sind heute insgesamt sauberer als vor hundert Jahren. Immer mehr ökologisch wertvolle Landstriche werden unter Schutz gestellt und landwirtschaftliche Flächen vielfach nur noch extensiv bewirtschaftet.

19.06.2012

Sendungsinformationen

Montag 18.06.2012, 04:45 - 05:30 Uhr Nachtprogramm 

VPS 19.06.2012, 04:45 Uhr


Länge: 45 min.

Dokumentation

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