Schwimm-EM
Markus Deibler, von der Stärke geschwächt
von Sabrina Knoll, Debrecen
Markus Deibler war die tragische Figur der EM 2010. Immer wieder kraulte er dort bis an den Rand seiner Leistungsfähigkeit, kollabierte nach jedem Rennen. In dieser Saison ist er gesund geblieben und bereit, zu zeigen, was auf Grund seiner Krankheitsgeschichte bislang nur zu erahnen war.
Wenn Markus Deibler an die EM 2010 denkt, dann erinnert sich der Hamburger vor allem an "fast unmenschlichen Schmerzen". In Budapest bekam der Bruder von Kurzbahn-Weltrekordler Steffen Deibler bei jedem Start zu spüren, was eine Mandel-Operation mit anschließenden Komplikationen mit seinem Körper angestellt hatte - und dennoch stürzte er sich immer wieder mit voller Kraft in die totale Erschöpfung.
Werte zum ErschreckenDanach kam er nicht mehr ohne Hilfe aus dem Wasser. Nach dem 200-Meter-Lagen-Finale zeigte das Laktat-Messgerät mit 26 gar einen Wert, der bei manch handelsüblichem Gerät die Skala sprengen würde. Viel schlimmer geht es nicht.
"Ich kann halt voll an meine Grenzen gehen", sagt Deibler dazu schlicht. Und im Grunde genommen ist dies natürlich auch eine sehr hilfreiche Fähigkeit für einen Spitzensportler.
Grünes Licht vom ArztDeibler wurde von seiner vermeintlichen Stärke jedoch lange Zeit geschwächt. So sehr, dass er und seine Trainerin Petra Wolfram sich und zwei Ärzten gar die Frage stellten, ob sein Körper überhaupt für den Leistungssport geschaffen sei. "Die Ärzte haben uns unabhängig voneinander bescheinigt, dass das sehr wohl der Fall ist, da Markus sonst gar nicht dort wäre, wo er ist", so Wolfram.
Und dennoch: Seit der EM 2010 in Budapest waren die Physiotherapeuten immer in Alarmbereitschaft, wenn Markus Deibler an den Start ging, bereit, ihn aufzufangen, ihn zu stützen, seine Atemwege frei zu legen, wenn er sich wieder einmal sehenden Auges fast ins Delirium gestürzt hat.
Leiden in ChinaAuch die WM im vergangenen Jahr lief nicht ohne Komplikationen. Im Gegenteil. "In Shanghai habe ich nach den Starts so gelitten, das kann man sich gar nicht vorstellen. Da habe ich dann manchmal gesagt: Das mach' ich nicht noch mal, das hat so weh getan, das lohnt sich nicht", sagt er.
Doch dann ist er eben doch wieder ins Wasser gesprungen. Neun krankheitsfreie Monate später und nur noch wenige Wochen von den Olympischen Spielen entfernt, ist der 22-Jährige zuversichtlich, dass er sich auch in Zukunft auf seinen früher so anfälligen Körper verlassen kann.
Härte antrainiert"Ich habe im März schon mehr Kilometer gemacht, als die ganze Saison davor", sagt Deibler. "Dadurch habe ich jetzt eine viel bessere Grundlagenausdauer - und es haut mich nicht mehr gleich total um, wenn ein Rennen mal wieder hart wird, und ich werde danach auch nicht gleich wieder krank."Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin deutete sich einmal mehr an, welch großes Potenzial in einem Markus Deibler steckt, der nicht dauernd von Krankheiten zurückgeworfen wird.
Neuer RekordAls es darum ging, sich das Ticket für London zu sichern, schraubte er im Finale über 200 Meter Lagen seinen deutschen Rekord aus dem Vorjahr um fast eine Sekunde auf 1:57.82 Minute, Olympia-Norm inklusive. Nur die US-Superstars Ryan Lochte und Michael Phelps sowie der Brasilianer Thiago Pereira waren in diesem Jahr schneller, als er.
Nun die EM 2012 im ungarischen Debrecen, 200 Kilometer östlich von jenem Ort, an dem er den "absoluten Tiefpunkt" seiner noch jungen Schwimm-Karriere erlebt hat: Diese EM könnte Markus Deibler nicht nur als den Wettkampf in Erinnerung behalten, bei dem er nach 200 Meter Lagen eigenhändig aus dem Wasser steigen konnte. Auf dem Weg nach London könnte sich der dreifache Kurzbahn-Europameister hier außerdem mit seiner ersten kontinentalen Langbahn-Medaille für seine Qualen belohnen.
20.05.2012
Markus Deibler war die tragische Figur der EM 2010. Immer wieder kraulte er dort bis an den Rand seiner Leistungsfähigkeit, kollabierte nach jedem Rennen. In dieser Saison ist er gesund geblieben und bereit, zu zeigen, was auf Grund seiner Krankheitsgeschichte bislang nur zu erahnen war.
Wenn Markus Deibler an die EM 2010 denkt, dann erinnert sich der Hamburger vor allem an "fast unmenschlichen Schmerzen". In Budapest bekam der Bruder von Kurzbahn-Weltrekordler Steffen Deibler bei jedem Start zu spüren, was eine Mandel-Operation mit anschließenden Komplikationen mit seinem Körper angestellt hatte - und dennoch stürzte er sich immer wieder mit voller Kraft in die totale Erschöpfung.
Werte zum ErschreckenDanach kam er nicht mehr ohne Hilfe aus dem Wasser. Nach dem 200-Meter-Lagen-Finale zeigte das Laktat-Messgerät mit 26 gar einen Wert, der bei manch handelsüblichem Gerät die Skala sprengen würde. Viel schlimmer geht es nicht.
"Ich kann halt voll an meine Grenzen gehen", sagt Deibler dazu schlicht. Und im Grunde genommen ist dies natürlich auch eine sehr hilfreiche Fähigkeit für einen Spitzensportler.
Grünes Licht vom ArztDeibler wurde von seiner vermeintlichen Stärke jedoch lange Zeit geschwächt. So sehr, dass er und seine Trainerin Petra Wolfram sich und zwei Ärzten gar die Frage stellten, ob sein Körper überhaupt für den Leistungssport geschaffen sei. "Die Ärzte haben uns unabhängig voneinander bescheinigt, dass das sehr wohl der Fall ist, da Markus sonst gar nicht dort wäre, wo er ist", so Wolfram.
Und dennoch: Seit der EM 2010 in Budapest waren die Physiotherapeuten immer in Alarmbereitschaft, wenn Markus Deibler an den Start ging, bereit, ihn aufzufangen, ihn zu stützen, seine Atemwege frei zu legen, wenn er sich wieder einmal sehenden Auges fast ins Delirium gestürzt hat.
Leiden in ChinaAuch die WM im vergangenen Jahr lief nicht ohne Komplikationen. Im Gegenteil. "In Shanghai habe ich nach den Starts so gelitten, das kann man sich gar nicht vorstellen. Da habe ich dann manchmal gesagt: Das mach' ich nicht noch mal, das hat so weh getan, das lohnt sich nicht", sagt er.
Doch dann ist er eben doch wieder ins Wasser gesprungen. Neun krankheitsfreie Monate später und nur noch wenige Wochen von den Olympischen Spielen entfernt, ist der 22-Jährige zuversichtlich, dass er sich auch in Zukunft auf seinen früher so anfälligen Körper verlassen kann.
Härte antrainiert"Ich habe im März schon mehr Kilometer gemacht, als die ganze Saison davor", sagt Deibler. "Dadurch habe ich jetzt eine viel bessere Grundlagenausdauer - und es haut mich nicht mehr gleich total um, wenn ein Rennen mal wieder hart wird, und ich werde danach auch nicht gleich wieder krank."Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin deutete sich einmal mehr an, welch großes Potenzial in einem Markus Deibler steckt, der nicht dauernd von Krankheiten zurückgeworfen wird.
Neuer RekordAls es darum ging, sich das Ticket für London zu sichern, schraubte er im Finale über 200 Meter Lagen seinen deutschen Rekord aus dem Vorjahr um fast eine Sekunde auf 1:57.82 Minute, Olympia-Norm inklusive. Nur die US-Superstars Ryan Lochte und Michael Phelps sowie der Brasilianer Thiago Pereira waren in diesem Jahr schneller, als er.
Nun die EM 2012 im ungarischen Debrecen, 200 Kilometer östlich von jenem Ort, an dem er den "absoluten Tiefpunkt" seiner noch jungen Schwimm-Karriere erlebt hat: Diese EM könnte Markus Deibler nicht nur als den Wettkampf in Erinnerung behalten, bei dem er nach 200 Meter Lagen eigenhändig aus dem Wasser steigen konnte. Auf dem Weg nach London könnte sich der dreifache Kurzbahn-Europameister hier außerdem mit seiner ersten kontinentalen Langbahn-Medaille für seine Qualen belohnen.




