Frauenfußball - Bundesliga
Potsdam meisterhaft - HSV im Abseits
Der HSV - kein Herz für Frauen
von Ralf LorenzenWolfsburg, München, Leverkusen – die Fußball-Bundesligisten haben ihre Frauenabteilungen aufgerüstet, der Kampf um den Titel und gegen den Abstieg war in dieser Saison so spannend wie selten. Nur der HSV schert aus und meldet seine Mannschaft gleich ganz ab. Grund: Es fehlen 100.000 Euro.Die Follower von Kim Kulig bekamen in der letzten Woche einen Schrecken, als die Fußballerin ihnen ein Foto mit traurigen Augen und nach unten gereckten Daumen twitterte. Sollte es während er Reha, der sich die Spielerin wegen ihres Bänderrisses unterzieht, zu Problemen gekommen sein?Hiobsbotschaft in der KabineDer dazugehörige Text beruhigte die Gemeinde – jedenfalls den Teil, der nichts mit Kuligs Ex-Klub am Hut hat: „Daumen runter für den HSV“, schrieb Kulig. Schon am Tag zuvor hatte sie auf gleichem Weg kundgetan, was sie von der Entscheidung der HSV-Verantwortlichen hält, die Frauenmannschaft aus der 1. Bundesliga abzuziehen. „Schwache Leistung HSV!!!! Einfach die Frauen abmelden........ Das geht gar nicht!!!!! Sehr schwach...ja sogar peinlich.“Das sehen auch viele in Hamburg so. Ganz unerwartet kam es zwar nicht, als Trainer Achim Feifel die Mannschaft von dem Beschluss des Vorstandes unterrichtete, „die Bewerbung aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen für die Saison 2012/13 zurückgeben zu müssen“. Vor einem Jahr war schon die zweite Mannschaft aufgelöst und vor kurzem waren weitere Etatkürzungen bekannt geworden.Frust abladen„Trotzdem tut es enorm weh“, sagt Feifel. Den ganzen Frust offenbarte die Abwehrspielerin Heike Freese dem „Hamburger Abendblatt“. "Bei den Männern kommt ein nicht topfiter Torwart Rene Adler und erhält 2,7 Millionen Euro Gehalt. Bei uns ging es um ein paar Hunderttausend Euro.“ Dem Vernehmen nach fehlten am Ende sogar nur rund 100.000 Euro, um den Gesamtetat von 750.000 Euro zu decken und den Spielbetrieb zu sichern.Dabei haben erfolgreiche Fußball-Frauen im Gegensatz zu Liga-Konkurrenten wie Bayern München und VfL Wolfsburg in Hamburg sogar Tradition Die Abteilung besteht seit mehr als 40 Jahren, der erste Bundesliga-Aufstieg gelang 1997, und seit 2003 gehört die erste Mannschaft durchgehend zum Oberhaus. In der vergangenen Spielzeit 2010/11 gelang mit Rang vier die beste Platzierung aller Zeiten. Auch in dieser Saison wurde der Klassenerhalt trotz starker Konkurrenz frühzeitig gesichert.Entscheidung gegen den Trend„Das ist eine Einzelsituation, die sich völlig gegen den Trend verhält“, sagt der Manager des 1. FFC Frankfurt, Siegfried Dietrich, gegenüber zdfsport.de. „Es ist unfassbar, dass so etwas in einem großen Verein möglich ist, wo es Männer und Frauen als Fans gibt und wo man eine so erfolgreiche Frauenabteilung hat, die im Vergleich zu den Männern nur Portokassenkosten aufwirft. Mich enttäuscht das sehr, und ich hoffe dass die Entscheidung irgendwann revidiert wird.“Der Trend, gegen den sich der HSV stellt, ist: Einige Erstligisten steigern den finanziellen Aufwand für ihr Frauenteam: Siehe VfL Wolfsburg, Bayern München und Bayer Leverkusen. Auch der SC Freiburg spielt mit seiner Frauenmannschaft mittlerweile in der höchsten deutschen Klasse. Und in der ´zweiten Liga findet man Namen wie Werder Bremen, TSG Hoffenheim und 1. FC Köln.Lyon verzichtet auf einen halben Mann„Gerade unter dem Dach eines Männerbundesligisten können sich Frauenbundesligisten gut entwickeln, wenn man ihm eigene wirtschaftliche Möglichkeiten gibt“, sagt Dietrich, der gleichzeitig Ligasprecher ist. „Aber wenn das halbherzig betrieben wird, führt es eben dazu, dass es eine defizitäre Sache ist.“ Als positives Beispiel führt Dietrich Olympique Lyon an. Sein Klub hat gegen die Französinnen gerade das Champions League-Finale verloren. „Deren Präsident sagt: Wenn ich in den Frauenfußball investiere, kann ich mir vielleicht einen halben Spieler bei den Männern weniger leisten. Dafür gewinne ich aber Erfolge und Sympathien in Europa.“ Man müsse eben auch die Entwicklung des Gesamtvereins im Auge haben. Frauen-Bundesliga boomt trotzdem
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Auf- und Absteiger
Aufsteiger für die kommende Saison sind der FSV Gütersloh 2009 und der VFL Sindelfingen. Neben Bundesliga-Schlusslicht Lokomotive Leipzig gibt es nach dem Rückzug des HSV diesmal keinen zweiten Absteiger.
Aufsteiger für die kommende Saison sind der FSV Gütersloh 2009 und der VFL Sindelfingen. Neben Bundesliga-Schlusslicht Lokomotive Leipzig gibt es nach dem Rückzug des HSV diesmal keinen zweiten Absteiger.
29.05.2012



