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DFB-Delegation besucht Auschwitz

Richtiger Schritt oder falsche Botschaft?

  • DFB: Besuch in Auschwitz-Birkenau
  • Video DFB-Delegation besucht Auschwitz
  • DFB: Besuch in Auschwitz-Birkenau
    DFB-Delegation besucht Auschwitz / Quelle: ap

    DFB-Delegation besucht Auschwitz

    (01.06.2012 Quelle: ap)
    VideoDFB-Delegation besucht Auschwitz

    In wenigen Tagen beginnt die Fußball-EM. Miroslav Klose, Philipp Lahm und Lukas Podolski sind schon früher nach Polen gereist und haben das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau besucht.

    (01.06.2012)

    Kurzmeldung

    • 14:12 01.06.2012Kurzmeldung

      DFB-Delegation besucht Auschwitz 14:12 01.06.2012
      Eine Delegation des DFB und der DFL hat am Freitag die Holocaust-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besucht. Neben Bundestrainer Joachim Löw nahmen unter anderem Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm, Miroslav Klose und Lukas Podolski an dem Besuch teil. Bei Dauerregen legten sie einen Kranz vor der ehemaligen Todeswand ab, wo die Nationalsozialisten mehrere tausend politische Häftlinge erschossen hatten. Medienvertreter waren nicht zugelassen. Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff hatte zuvor angekündigt, der Besuch solle keine "PR-Aktion" werden.

    von Erik Eggers

    Seit acht Jahren versucht der DFB, sich seiner problematischen Vergangenheit zu stellen. Die Idee, im Sinne dieser Aufklärungsarbeit eine Delegation aus Trainer und Nationalspielern nach Auschwitz zu entsenden, stößt dennoch auch auf Kritik.

    Schon als der Deutsche Fußball-Bund im März seine Absicht kundtat, hatte es Prügel gegeben. Die Idee, vor der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine eine Delegation des Verbandes in die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau zu entsenden, kritisierte der Publizist Henryk M. Broder im „Spiegel“ als „wohlfeile Übung“. Der DFB könne sich „Originelleres einfallen lassen als einen Pflichtbesuch an einer Kranzabwurfstelle“.

    Zwanzigers Anliegen

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    Memorial Auschwitz (engl.)Das ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich
    Nun steckt in dem Versuch der Funktionäre, sich der eigenen Geschichte zu erinnern, angesichts der DFB-Erinnerungspolitik der letzten Jahre eine gewisse Logik. Nach dem Amtsantritt von Präsident Theo Zwanziger 2004 hatte der Verband begonnen, systematisch die lange verschwiegenen Kapitel seiner Geschichte aufarbeiten zu lassen. Wenn nun mit Bundestrainer Joachim Löw, Kapitän Philipp Lahm, Lukas Podolski und Miroslav Klose am 1. Juni nach Auschwitz reisen, also wichtige Repräsentanten der Nationalmannschaft, dann will der DFB offenbar dies der Welt zeigen: dass es ihm ernst ist mit der neuen Erinnerungskultur.

    Die verdienstvolle Studie des Mainzer Historikers Nils Havemann über den DFB im „Dritten Reich“ war in dieser Hinsicht der Anfang. Dann schuf der Verband 2005 mit der Auslobung eines Preises zu Ehren von Julius Hirsch ein dauerhaftes Instrument, an das Schicksal des jüdischen Fußballnationalspielers zu gedenken. Auch die großartige, kürzlich erschienene Biographie „Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet“ von Werner Skrentny hat die DFB-Kulturstiftung gefördert.

    Rassistische Ausgrenzung

    Bis 1992, als Skrentny seinen ersten Text über Hirsch verfasste, kannte die Fußballgeschichte lediglich die sportliche Vita von Hirsch. Den Ruhm des Stürmers, der 1910 mit dem Karlsruher FV und 1914 mit der Spielvereinigung Fürth zwei Deutsche Meisterschaften gewann und an den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm teilnahm.

    Verschwiegen wurde die rassistische Ausgrenzung aus dem Klub, dem er seit 1902 angehört hatte, und aus der Gesellschaft; sein bewegender Brief an den KFV, in dem er seinen Austritt erklärte und gleichzeitig auf die Verdienste seiner Familie hinwies; seine prekäre, zunehmend verzweifelte Lage im „Dritten Reich“, die 1938 in einen Selbstmordversuch mündete. Und seine Deportation 1943 nach Auschwitz-Birkenau, wo er ermordet wurde.

    Lobenswerte Aufarbeitung

    Diese Form der historischen Aufarbeitung hält auch der israelische Historiker Moshe Zimmermann „für lobenswert“. Damit werde, sagte er auf Anfrage von zdfsport.de, endlich mit der Legende Schluss gemacht, „der DFB hatte mit dem Dritten Reich nichts zu tun gehabt“. Aber auch er zweifelt an dem Sinn des Besuches in Auschwitz.

    Zitat
    Wieso ausgerechnet Klose und Podolski? Hat ihre polnische Herkunft etwas mit den Verbrechen der Deutschen an die Juden zu tun?
    Moshe Zimmermann
    „Was soll es signalisieren?“, fragt Zimmermann. „Den Zusammenhang zwischen einem Spiel gegen Israel und fußballerische Erinnerung an die Shoa? Ein Zusammenhang zwischen Polen und Shoa? Wieso ausgerechnet Klose und Podolski? Hat ihre polnische Herkunft etwas mit den Verbrechen der Deutschen an die Juden zu tun? Es ist eine gefährliche Tendenz, ‚die Polen‘ indirekt für die Shoa mitverantwortlich zu machen.“ Wenn sogar er dies als Zweck des Besuches verstehen könne, „ist es möglich, dass auch bei anderen die falsche Botschaft ankommt“.

    Erinnerung an die Geschichte des Dritten Reiches

    Wenn überhaupt, so Zimmermann, wäre es sinnvoller, anlässlich der EM an die Geschichte des Dritten Reiches zu erinnern: „Deutschland spielt in der Ukraine, wo das Dritte Reich mit Hilfe von Ukrainern schreckliche Massenmorde verübte. Dort, vor allem in Lemberg, wo die Nationalmannschaft spielt, sollte eine Gedenkstunde mit der deutschen Mannschaft stattfinden.“

    01.06.2012
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