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Basketball - Final-Playoff

John Bryant: Ulms unelegante Hoffnung

  • John Bryant (r.)
  • John Bryant
    John Bryant / Quelle: dpa

    "Alles, was Ulm stark macht, beginnt mit John." Der Center, der als wertvollster Bundesligaspieler gilt, soll die Meisterschaft nach dem verpatzten Playoff-Auftakt noch einmal spannend machen.

    (05.06.2012 Quelle: dpa)

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    von Marcel Friederich

    Den Basketballern aus Bamberg ist ein eindrucksvoller Auftakt in die Finalserie gegen Ulm gelungen. Spiel zwei ist am Mittwoch um 20 Uhr. Als Ulmer Hoffnungsträger gilt Center John Bryant, der wertvollste Spieler der Bundesliga.

    Nur der allerletzte Wunsch wurde den Fans der Brose Baskets Bamberg nicht erfüllt. „Wir woll’n die 100 seh’n“, skandierten die 6800 Zuschauer drei Minuten vor dem Abpfiff. Doch es reichte nicht ganz: Am Ende gewann Bamberg das erste Finalspiel der Best-of-Five-Serie „nur“ mit 98:72 gegen ratiopharm ulm. Aber auch so waren die Oberfranken allerbester Laune. Schließlich war der Auftakt in die Finalserie eine eindrucksvolle Demonstration der Bamberger Stärke.

    Bryant unter Zugzwang

    Als die Heimfans lautstark „die 100“ forderten, saß John Bryant (24) bereits auf der Reservebank. Der Center sollte geschont werden für das zweite Finalspiel, das am Mittwoch um 20 Uhr in Ulm ausgetragen wird. Bryant ist der wertvollste Spieler dieser Saison (MVP) und gilt als Ulmer Hoffnungsträger, um den Kampf um die Meisterschaft doch noch spannend zu machen.

    „Wenn Ulm eine Chance haben will, muss John Bryant noch dominanter auftreten“, sagt Rekordnationalspieler und Ex-Center Patrick Femerling im Gespräch mit zdfsport.de. Auch Bambergs Trainer Chris Fleming glaubt, dass die Ulmer nur über Bryant zurück in die Serie finden können. „Alles, was Ulm stark macht, beginnt mit John“, sagt Fleming. „Wenn er in der Zone gut drauf ist, schafft er außen Platz für die Shooter. Darauf müssen wir aufpassen.“

    Fast 50 Kilo abgespeckt

    ZITAT
    Früher bin ich ein 'Late-Night-Snacker' gewesen. Nachts habe ich den Kühlschrank oft leer geräumt.
    John Bryant
    Dass John Bryant ein so gefürchteter Gegenspieler ist, hat er besonders seiner Freundin Casey zu verdanken. Denn es ist nicht allzu lange her, da wog der Amerikaner fast 175 Kilo. Viel zu viel für einen Profi-Basketballer – trotz seiner beachtlichen Körperlänge von 2,11 Meter. „In meinen ersten beiden College-Jahren bin ich ein ‚Late-Night-Snacker’ gewesen“, sagt Bryant. „Nachts habe ich den Kühlschrank oft leer geräumt.“

    Sein College-Trainer verdonnerte ihn, Extraschichten im Fitnessstudio einzulegen. Dabei lernte er die Fitnesstrainerin Casey kennen. Sie verliebten sich ineinander, was für Bryant nicht nur privat, sondern auch sportlich eine glückliche Fügung war. Innerhalb von fünf Jahren hat Bryant dank Caseys Hilfe fast 50 Kilo abgespeckt. Fastfood ist nun weitgehend tabu. Dafür stehen Hühnchen, Pasta oder Salat auf dem Speiseplan.

    „Kein besonders eleganter Center“

    Mittlerweile ist Bryant bei 127 Kilo angekommen. Dank seiner stark verbesserten Physis hat es der 24-Jährige geschafft, effektivster Spieler der Liga zu werden. Kein anderer schnappt sich so viele Rebounds pro Spiel wie Bryant (9,3). Bei der Punkteausbeute gehört er ligaweit zu den Top Ten (14,4).

    50kg-Diät und starke Leistungen: Spielt Bryant schon bald in der NBA?
    Quelle: imago

    „Bryant ist kein besonders eleganter Center. Er macht keine 1000 Täuschungen und keine 50 Bewegungen in der Zone“, sagt Patrick Femerling. „Dafür hat er ein außerordentlich gutes Timing. Er ist immer zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle, weshalb er ein so starker Rebounder ist.“ Ebenso, sagt Femerling, habe Bryant ein sehr weiches Handgelenk. „Aus der Mitteldistanz und sogar von der Dreierlinie trifft er hochprozentig seine Würfe. Daher ist er so schwer zu verteidigen.“

    Wechsel in die NBA?

    Aufgrund seiner rasanten Entwicklung hat sich John Bryant auch für andere Vereine interessant gemacht. Zum einen sollen die finanzkräftigen Topclubs aus Deutschland, Alba Berlin und Bayern München, bei ihm angeklopft haben. Aber auch in der NBA ist sein Name angekommen. Bryants Vertrag in Ulm, der bis 2013 läuft, soll sogar eine Ausstiegsklausel für die NBA beinhalten.

    Auch für seinen Bamberger Center-Rivalen Tibor Pleiß ist die NBA in greifbarer Nähe. Der 22-Jährige besitzt einen Vorvertrag bei den Oklahoma City Thunder und könnte bereits im Sommer dorthin wechseln. „Pleiß gegen Bryant, das ist ein Schlüsselduell in der aktuellen Finalserie“, sagt Patrick Femerling. „Wenn Tibor es schafft, Bryant wieder so gut in Schach zu halten, haben die Ulmer ein Problem.“ Und die Bamberger Fans hätten erneut einen Grund zum Feiern.

    06.06.2012
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