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Doping-Verfahren gegen Armstrong

Größter Star oder schlimmster Betrüger?

  • Lance Armstrong
  • Lance Armstrong / Quelle: imago
    (15.06.2012 Quelle: imago)

    Kurzmeldung

    • 12:57 15.06.2012Kurzmeldung

      Armstrong erwägt rechtliche Schritte 12:57 15.06.2012
      Lance Armstrong geht offenbar zum Gegenangriff über. Nach der Dopinganklage der Anti-Doping-Agentur USADA bringt der 40-Jährige seine Anwälte in Stellung und erwägt rechtliche Schritte. Der Ex-Radprofi stört sich an den Ermittlungsmethoden der USADA und fordert Transparenz. In einem Schreiben an die USADA fordert Armstrongs-Verteidiger Robert Luskin die klare Benennung der Zeugen, die den Texaner mit ihren Aussagen in Bedrängnis gebracht haben. "Wir können seine Rechte nicht schützen, wenn wir nicht wissen, wer was gesagt hat", schrieb der Star-Anwalt.

    • 08:40 14.06.2012Kurzmeldung

      Neue Doping-Vorwürfe gegen Armstrong 08:40 14.06.2012
      Gegen den ehemaligen US-Radprofi Lance Armstrong sind neue Doping- Verdächtigungen aufgetaucht. Die nationale Anti Doping-Agentur (USADA) erhebt schwere Vorwürfe gegen den siebenmaligen Tour-de-France-Gewinner. Die USADA hat Armstrong darüber informiert, dass mutmaßliche Dopingproben von ihm aus den Jahren 2009 und 2010 "vollkommen mit Proben übereinstimmen, an denen Blutmanipulation, inklusive EPO und/oder Blut-Transfusionen vorgenommen wurden." Als Folge wurde Armstrong, der seit 2011 im Triathlon startet, sofort für alle Wettkämpfe gesperrt.

     von Ralf Paniczek

    Die Schatten der Vergangenheit holen ihn wieder ein: Die US-amerikanische Anti-Doping-Behörde USADA hat gegen Lance Armstrong und fünf weitere Personen aus dessen Umfeld ein Dopingverfahren eröffnet. Etwa ein Jahr nach seinem Karriereende steht die Radsportlegende massiv unter öffentlichem Beschuss.

     

    Sein Name steht schon längst in den Geschichtsbüchern des Radsports! Für die einen als größter Star, den der Radsport je hatte, als der, der sieben Mal die Tour de France gewann. Für andere jedoch gilt Armstrong als größter Betrüger, den der Radsport je aushalten musste. Für sie dürfte das Verfahren gegen Armstrong und seine vermeintlichen ehemaligen Mitstreiter Wasser auf die Mühlen sein.

     

    Das Verfahren schließt auch gegen Johan Bruynell ein, dem ehemaligen Teamchef der Mannschaften, für die Armstrong in seiner langen Karriere fuhr und der heute noch als sportlicher Leiter eine große Nummer im Profiradsport ist.

     

    Bekannte Vorwürfe

    Neu sind die meisten Vorwürfe gegen Lance Armstrong nicht. In der 15-seitigen Anklageschrift, die dem ZDF vorliegt, hat die USADA alle Vorwürfe zusammengefasst, die zum Teil schon seit Jahren gegen Armstrong vorliegen. Für sie steht fest, dass Armstrong gemeinsam mit fünf Team-Mitgliedern in den Jahren 1998 bis 2011massiv an einer Doping-Verschwörung beteiligt war. Und die Liste der Vorwürfe ist im Detail lang –EPO, Blutdoping, Testosteron, Wachstumshormone.

    Zudem soll er mit Dopingmitteln gehandelt haben sowie andere Sportlern Doping ermöglicht - und dabei geholfen haben. Auch lägen der USADA die Analyseergebnisse diverser Blutuntersuchungen Armstrongs aus den Jahren 2009 und 2010 vor, die „vollkommen mit Proben übereinstimmen, an denen Blutmanipulationen, inklusive EPO und/oder Blut-Transfusionen vorgenommen wurden.“

     

    Zahlreiche Anschuldigungen

    Erst im vergangenen Februar wurden überraschend jahrelange Untersuchungen von US-Ermittlern gegen Armstrong eingestellt. Jeff Novitzky, ein Sonderermittler der bereits das Dopingnetzwerk um die US-Firma Balco und zahlreiche amerikanische Spitzensportler aufdeckte, hatte gegen Armstrong ermittelt und versucht Anklage wegen Meineid, Überweisungsbetrug, Postbetrug, Zeugenbedrohung und Medikamentenverteilung zu erwirken.

    Im Rahmen der Ermittlungen befragte Novitzky zahlreiche Radprofis, Angestellte und Betreuer der diversen Radteams für die Armstrong in seiner Karriere fuhr. Viele gaben zu Protokoll, dass Armstrong gedopt habe. Einige davon – wie die ehemaligen Profis Floyd Landis und Tylor Hamilton - machten ihre Aussagen anschließend öffentlich.

     

    Mehr als zehn Zeugen

    Die USADA betont nun ihrem Schreiben, dass sie die Zeugenaussagen als glaubhaft betrachten, da die Fahrer „Wissen aus erster Hand“ hätten. Insgesamt beziffert sie die Anzahl der belastenden Zeugenaussagen auf „mehr als 10“!

     

    Lance Armstrong selbst wollte sich trotz eines Gesprächangebots nicht mit den Anti-Doping-Kämpfern der USADA treffen. Stattdessen lässt er über seinen Anwalt und seine Homepage jede Dopinganschuldigung bestreiten. «Ich habe nie gedopt und bin im Gegensatz zu vielen meiner Ankläger 25 Jahre als Ausdauer-Athlet angetreten, ohne dass meine Leistung plötzlich angestiegen ist“, so Armstrong.

    Ironman in weiter Ferne

    Als Folge des Disziplinarverfahrens wurde Armstrong, der seit 2011 bei Triathlonwettbewerben startet, vorläufig gesperrt. Sein großes Ziel als Triathlet den legendären Ironman auf Hawaii zu gewinnen, ist somit erst einmal in weite Ferne gerückt. Dafür scheint nun endlich der Zeitpunkt näher ge rückt zu sein, an dem feststeht, wofür Armstrong einmal wirklich in den Geschichtsbüchern stehen wird – als größter Star oder als schlimmster Betrüger!

    14.06.2012
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