Sendung am 17. Juni
SportXtreme im Kajak: Luft anhalten!
"Kein Sport für Kontrollfreaks"
von Susanne RohlfingFrüher Extremkajakfahrer - jetzt eher Filmemacher: Olaf Obsommer erzählt im Interview mit zdfsport.de über seine Passion Kajak, das Ausloten von Grenzen, und von dem Moment, da man glaubt, sterben zu müssen. Um Kajak - und zwar die extreme Variante - geht es in der SportXtreme-Sendung heute Abend, 23.15 Uhr (ZDFinfo).zdfsport.de: Herr Obsommer, wann haben Sie zuletzt im Boot gesessen?Olaf Obsommer: Das ist erst eine Stunde her.zdfsport.de: Kajakfahren gehört also noch immer zu Ihrem Alltag, obwohl Sie inzwischen mehr Filmemacher sind als jemand, der auf Wildwasserflüssen das Extreme
sucht?Obsommer: Selbstverständlich. Ich muss mich ja immer auf meine nächsten Touren
vorbereiten. Heute war ich auf der Brandenberger Ache in Österreich, das sind 14
Kilometer Wildwasser IV mit einer Fünfer-Stelle.
zdfsport.de: Das bedeutet auf Ihrer Abenteuer-Skala?
Obsommer: Es ist immer wieder ein Abenteuer, man muss versuchen, sich immer wieder neue Sachen auszudenken, dann wird es nie langweilig. Eine neue Linie ausprobieren, ein neues Kehrwasser hinter einem Stein anfahren. Dann kommt man in einen Flow, das ist wie Meditation.
Olaf Obsommer
Quelle: jensklatt.com
Quelle: jensklatt.com
zdfsport.de: Wie wichtig ist Ihnen der Schwierigkeitsgrad einer Strecke, der ja mit I für unschwierig bis VI für an der Grenze der Befahrbarkeit kategorisiert wird?
Obsommer: Wenn ich allein fahre, so wie heute, dann gehe ich nicht an die absolute
Grenze. Ich muss auch nicht absolut schweres Wildwasser fahren, um mich zu
vergnügen. Aber es macht mir schon Spaß. Wildwasser IV bis V ist mein
Komfortbereich, das mache ich am liebsten.
zdfsport.de: Komfortbereich heißt, dass es noch nicht allzu nervenaufreibend ist?
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Obsommer: Es gab Zeiten, als es für mich ein wichtiges Ziel war, maximal schwer
Wildwasser zu fahren. Das war, als ich noch jugendliche Unsterblichkeit besessen habe. Aber jetzt schon lange nicht mehr. Heute habe ich kein Problem, schwierige Stellen, die andere fahren, einfach zu umtragen. Hinzu kommt, dass es irgendwann immer das Gleiche ist, wenn du ständig nach den höchsten Schwierigkeiten suchst. Irgendwann gibt es keine Steigerung mehr. Mir ging und geht es aber auch darum, neue Flüsse, neue Abschnitte zu finden.
zdfsport.de: Warum im Kajak? Warum nicht als Bergsteiger oder Mountainbiker oder
Wüstenläufer?
Obsommer: Meine Mutter ist schon schwanger mit mir über den Rhein geschippert, ich hatte wahrscheinlich keine andere Wahl.
zdfsport.de: Kanu-Slalom und Olympische Spiele haben Sie nie gereizt?
Obsommer: Nein, Slalomfahren hat mich nie fasziniert. Das ist ja in dem Sinne kein
Natursport, die fahren auf künstlich angelegten Strecken. Mich begeistert, draußen in
der Natur zu sein, in den Bergen, weit ab von Zivilisation.
zdfsport.de: Was macht einen guten Extremkajakfahrer aus?
Obsommer: Es gibt im Wildwasser Momente, in denen man die Kontrolle abgeben
muss. Das ist kein Sport für Kontrollfreaks. Du weißt, dass du im schweren Wildwasser
immer mal, meistens für den Bruchteil von Sekunden, die Kontrolle über dein
Kajaksportgerät verlieren wirst. Gute Fahrer haben aber die Fähigkeit, die Kontrolle
schnell wiederzugewinnen.
zdfsport.de: Welche Rolle spielt auf so extremen Touren der Gedanke, sterben zu
können?
Obsommer: Wenn der Gedanke kommt, umtrage ich die Stelle im Fluss.
zdfsport.de: Wie erkennt man im Wildwasser die Grenze zwischen Abenteuer und
lebensmüde sein?
Obsommer: Das ist schwierig. Jemand, der sich nicht auskennt, der sieht
Filmaufnahmen von mir und denkt an manchen Stellen: Was für ein Wahnsinn, total
verrückt. Tatsächlich war das eine ungefährliche Stelle, die nur spektakulär aussieht.
Andere Stellen sehen dafür wie Pillepalle aus, aber wenn du da einen Fehler machst,
kann es das gewesen sein.
zdfsport.de: Wie oft sind Sie schon in eine lebensgefährliche Situation geraten?
Obsommer: Einmal. Es war Winter und schon halb Vier, ein Fluss im Schwarzwald,
hoher Wasserstand, an der Grenze zur Befahrbarkeit. Und wir haben gesagt: Komm,
das machen wir noch schnell. Wir wussten also, dass wir nicht so viel Zeit haben vor
dem Dunkelwerden, deshalb ist vor schwierigen Stellen immer einer rausgesprungen,
um zu gucken, ob die Stelle fahrbar ist und ob kein Holz die Durchfahrt versperrt. Und
dann hat der Freund, mit dem ich unterwegs war, mich an einer Stelle falsch eingewiesen, weil er nicht gesehen hat, dass die Stufe noch in einen Schlitz reinfiel. Da war zu viel Schnee und Eis. Ich bin runtergefahren und hing dann in einem Rücklauf
fest.
zdfsport.de: Wie ist es ausgegangen?
Obsommer: Irgendwann kam mir der Gedanke, dass ich da jetzt ertrinken werde. Aber
ich kann sagen: Wenn man einmal diesen Zustand erreicht hat, dann empfindet man
das nicht mehr als schlimm. Der Moment, in dem du Panik hast und kämpfst, der ist
natürlich total ätzend. Aber auf einmal kommt eine unheimliche Ruhe in dir auf. Du
weißt: Okay, anscheinend ist es das jetzt gewesen. Diese Ruhe, dass ich nicht mehr
gegen das Wasser angekämpft habe, war vielleicht der Grund, dass mich eine
Unterströmung ganz tief runtergezogen und hinter dem Rücklauf wieder ausgespült
hat. Wir waren einfach dumm, den Fluss so spät noch zu fahren.
Olaf Obsommer
- Geboren am 2. Mai 1970 in Haan, lebt heute in Kiefersfelden.
- Extremkajakfahrer und Filmemacher
- Ursprünglich gelernter Altenpfleger und Maschinenschlosser
- Paddelt, seit er fünf Jahre alt ist
- erkundet besonders gern neue Flüsse und Wildwasser-Strecken. Seine Expeditionen in alle Welt hat er in beeindruckenden Filmen dokumentiert.
- Geboren am 2. Mai 1970 in Haan, lebt heute in Kiefersfelden.
- Extremkajakfahrer und Filmemacher
- Ursprünglich gelernter Altenpfleger und Maschinenschlosser
- Paddelt, seit er fünf Jahre alt ist
- erkundet besonders gern neue Flüsse und Wildwasser-Strecken. Seine Expeditionen in alle Welt hat er in beeindruckenden Filmen dokumentiert.



