Fußball - Bayern München
Mia Sammer mia: Keine Alibis mehr!
VideoSammer: Keine Alibis mehr
VoteIst Sammer der richtige Mann?
Mia Sammer mia!
von Maik RosnerDer FC Bayern holt Mathias Sammer für Christian Nerlinger und startet mit sechs neuen Profis in eine Saison, in der der Klub mehr denn je verpflichtet ist, seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Besonders kompliziert wird die Aufgabe für Trainer Jupp Heynckes.Ruhe hat sich Manuel Neuer gewünscht, einfach mal abschalten vom Fußball. Kein Training, keine Spiele und nicht diesen ständigen Druck, den hohen Ansprüchen gerecht zu werden. Die gute Nachricht für den deutschen Nationaltorwart ist, dass er sich nun tatsächlich erst einmal ausruhen kann. Doch selbst in der kurzen Phase der Erholung wird er wohl nicht daran vorbeikommen, sich mit seinem Beruf zu beschäftigen. Oder besser gesagt: Mit den Veränderungen bei seinem Arbeitgeber.
Denn die Saison hatte für den FC Bayern noch gar nicht begonnen, da hatte der Trubel längst wieder Einzug gehalten. Und das lag an einer Personalrochade, über die zwar schon in den vergangenen Monaten spekuliert worden war, die zum jetzigen Zeitpunkt aber überraschend kam. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer löst den bisherigen Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger ab. Nerlingers Vertrag, im November noch um zwei Jahre bis 2014 verlängert, wird aufgelöst. Sammer wird in seinem neuen Job als "Sport-Vorstand" des FC Bayern an diesem Dienstag direkt nach dem Trainingsauftakt vom Aufsichtratsvorsitzenden Uli Hoeneß vorgestellt.
Suche nach Führungsspielern
Sammer soll jenen Geist mitbringen, der den Münchnern nach Meinung von Hoeneß in der jüngeren Vergangenheit gefehlt hat. Der Präsident hatte nach dem verlorenen Finale in der Champions League Typen wie Jens Jeremies und Stefan Effenberg vermisst. Sammer teilt diese Linie – und nicht jene der flachen Hierarchie von Bundestrainer Joachim Löw. "Es muss auch Anführer geben", hat Sammer einmal gesagt. Eine Mannschaft sei "ohne Struktur und Hierarchie" nichts wert.Es ist aber wohl in erster Linie die Sehnsucht nach Inspiration, die zu der Münchner Entscheidung geführt hat. Denn beim wirtschaftlichen Branchenführer ist die Sorge nach zwei Spielzeiten ohne Titel groß, dass der rasch wachsende Konkurrent Borussia Dortmund den Bayern künftig noch mehr den Rang abläuft.
Das Risiko von Außen
Zugleich geht der FC Bayern mit dem Modell Sammer auch ein Risiko ein. Mit Hoeneß versteht sich der Europameister von 1996 zwar gut, doch Sammer ist auch dafür bekannt, eigene Positionen mit Vehemenz zu vertreten. Neue Ideen von außen und ein ganzheitliches Konzept von der Jugend bis zu den Profis haben sich die Bayern gewünscht. Doch mit ihnen dürfte auch eine Streitkultur Einzug halten, von der man noch nicht weiß, wie sie sich im Tagesgeschäft mit dem Machtanspruch der Vereinsführung verträgt. Mit den Trainern Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal, mit denen man sich ebenfalls an neuen Wegen versucht hatte, ging das schief.
Auf Trainer Jupp Heynckes wartet nun vom ersten Trainingstag an eine ziemlich knifflige Aufgabe. Denn nicht allein Neuer erholt sich gerade von der EM und den zurückliegenden Strapazen einer langen Saison samt vier verpassten Titeln, sondern auch die übrigen sieben deutschen Nationalspieler. Zudem werden Franck Ribéry, Arjen Robben, Anatoli Timoschtschuk und Neuzugang Mario Mandzukic erst am 15. Juli beim FC Bayern erwartet, zu Beginn des sechstägigen Trainingslagers am Gardasee. Die deutschen Nationalspieler sollen eine Woche später dazustoßen, wenn der Klub auf Werbetour nach China geht.
Klarer Auftrag für Heynckes
Reisen, trainieren, spielen – all das ist dann schon wieder da. Der Rhythmus also, der den FC Bayern stets durch eine Saison begleitet. Und mehr denn je ist der wirtschaftliche Branchenführer im nun beginnenden Fußballjahr verpflichtet, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Ein dritte Saison ohne Titel können sich die Münchner nicht erlauben, schon gar keinen erneuten Meistertitel der Dortmunder.
Heynckes wird am Dienstagvormittag also mit einem klaren Auftrag auf den Rasen treten. Ganz im Zeichen der Vitrine steht seine voraussichtlich letzte Saison als Trainer. Und es macht seine ohnehin schwierige Aufgabe noch kniffliger, dass der 67-Jährige gleich ein Dutzend Profis nicht beim Auftakt begrüßen kann.
Sechs Zugänge, ein KandidatZumindest ist Heynckes der Wunsch nach einem "qualitativ breiteren Kader, mehr Substanz, mehr Konkurrenz" erfüllt worden. Sechs Neuzugänge haben die Münchner verpflichtet. Mandzukic, Claudio Pizarro, Xherdan Shaqiri, Dante, das Talent Mitchel Weiser sowie Ersatztorwart Tom Starke kamen. Zudem erhält Patrick Weihrauch aus der eigenen Jugend einen Profivertrag. Weiterhin sollen sich die Münchner um Europameister Javier Martinez bemühen, für den Athletic Bilbao jedoch 40 Millionen Euro Ablöse verlangt.
Doch kompliziert wird es allemal für die Bayern, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Dass die Saison gleich mit einer Personalrochade begann, erzählt schon viel von dem Druck, der auf den Bayern lastet. Und auch über Heynckes' Nachfolge wird ja bereits spekuliert. Der Name des Kandidaten: Josep Guardiola, langjähriger Erfolgstrainer des FC Barcelona.
Matthias Sammer
FC Bayern München: "Bei der Aufarbeitung der zurückliegenden Saison zwischen Aufsichtsrat und Vorstand des FC Bayern München und Sportdirektor Christian Nerlinger wurden unterschiedliche Auffassungen über das Konzept für die Zukunft der Mannschaft deutlich."
Uli Hoeneß, Bayern-Präsident: "Sammer ist zuständig für alle Dinge der Lizenzspieler-Mannschaft außerhalb des Trainingsplatzes und für das gesamte Nachwuchs-Konzept und das Scouting."
Wolfgang Niersbach, DFB-Präsident: "Wir lassen Matthias Sammer nur sehr schweren Herzens gehen. Er ist ein Querdenker, ein unbequemer Geist im positiven Sinne, den wir sehr vermissen werden."
Titel und Erfolge
Geburtsdatum und -ort: 5. September 1967 in Dresden
Familienstand: verheiratetmit Karin, drei Kinder
Vereine als Spieler:
Dynamo Dresden (1976 bis 1990), VfB Stuttgart (1990 bis 1992), Inter Mailand (1992),
Borussia Dortmund (1993 bis 1998)
Vereine als Trainer:
Borussia Dortmund (2000 bis 2004), VfB Stuttgart (2004/2005)
Sportdirektor beim DFB: 1. April 2006 bis 2. Juli 2012
Sportdirektor bei Bayern München: ab 3. Juli 2012
Profi-Bilanz (Spiele/Tore):
Bundesliga: 178/41
Serie A (Italien): 11/4
Länderspiele: 74/14
Titel und Erfolge als Spieler:
Europameister 1996, Weltpokalsieger und Champions-League-Sieger (1997), Deutscher Meister (1992, 1995, 1996), DDR-Meister (1989, 1990), DDR-Pokalsieger (1990), Europas Fußballer des Jahres (1996), Deutschlands Fußballer des Jahres (1995, 1996)
Titel als Trainer: Deutscher Meister (2002) mit dem BVB



