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Olympia - BMX-Race

"Für diesen Sport muss man verrückt sein"

  • Video Premiere: Deutsche BMXer bei Olympia
  • Video Baier: "Für BMX muss man verrückt seint"
  • Bilderserie Die beiden deutschen BMX-Olympiastarter
  • VideoPremiere: Deutsche BMXer bei Olympia

    BMX-Fahren ist nicht mehr nur ein Funsport, denn seit 2008 in Peking ist "Race" eine olympische Disziplin. Bei den Spielen in London werden zum ersten Mal deutsche Fahrer teilnehmen.

    (12.07.2012)
    VideoBaier: "Für BMX muss man verrückt seint"

    Die deutschen BMX-Fahrer Luis Brethauer und Maik Baier sind in der einzigen BMX-Disziplin "Race" dieses Jahr bei Olympia am Start. "Man muss ziemlich verrückt sein für diesen Sport", sagt Baier.

    (12.07.2012)
    BilderserieDie beiden deutschen BMX-Olympiastarter
    Luis Brethauer / Quelle: imago
    (14.06.2012)

    "Man fliegt schnell mal durch die Luft"

    von Marcel Friederich

    Das BMX-Race ist erst seit vier Jahren olympisch. Als deutscher Hoffnungsträger in London gilt Luis Brethauer, der sogar eine Medaille für nicht unrealistisch hält. Vor spektakulären Stürzen hat der 20-jährige Schwabe keine Angst.

    Ulrike Brethauer schaut gar nicht gerne zu, wenn ihr Sohnemann Luis auf der Startrampe steht. Der 20-Jährige ist BMX-Rennfahrer und hat sich für die Olympischen Spiele in London qualifiziert. Innerhalb von zwei Sekunden beschleunigt er mit seinem kleinen, 9,2 Kilogramm leichten Fahrrad auf 60 Stundenkilometer. Die Sturzgefahr ist hoch. Kein Wunder also, dass Mutter Brethauer regelmäßig der Atem stockt.

    Mutter nicht zum Synchronschwimmen

    „Mein Vater hat beim Zuschauen keine Probleme, er ist bei meinen Rennen meistens vor Ort“, sagt Brethauer im Gespräch mit zdfsport.de. „Aber meine Mutter ist schon länger nicht mehr dabei gewesen. Sie hat immer große Angst um mich und schaut sich das nur sehr, sehr ungern an.“

    Doch in London muss Ulrike Brethauer die Zähne zusammenbeißen. Schließlich will sie es nicht verpassen, wie Sohn Luis seine Olympia-Premiere feiert. „Sie hat mir auch versichert, dass sie während meines Wettkampfs nicht zum Synchronschwimmen geht“, sagt der BMX-Profi schmunzelnd. „Wahrscheinlich wird meine Mutter in einem schwierigen geistigen und körperlichen Zustand sein. Aber da muss sie jetzt durch“, ergänzt Brethauer mit einem Lächeln.

    ZITAT
    Wir betreiben einen actionreichen Sport, bei dem immer etwas passieren kann.
    Luis Brethauer

    Startphase vorentscheidend

    Zum zweiten Mal überhaupt ist das BMX-Rennen erst olympisch. Nachdem es 2008 in Peking noch keine deutschen Teilnehmer gegeben hatte, vertreten diesmal Luis Brethauer (TSV Betzingen) und Maik Baier (MSC Bönnigheim) die deutschen Farben auf der Startrampe. Diese befindet sich auf acht Metern Höhe, ehe es in Windeseile nach unten geht. Es folgt ein hügeliger Parcours mit vielen Aufs und Abs, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 65 Stundenkilometer.

    „Wir betreiben einen actionreichen Sport, bei dem immer etwas passieren kann“, sagt Brethauer. Pro Rennen konkurrieren acht Fahrer, die Fahrzeit beläuft sich auf etwa 40 Sekunden. Vorentscheidend, erklärt der 20-Jährige, ist stets die Startphase. „Wir bewegen uns in der Weltspitze auf sehr engem Leistungsniveau. Deshalb ist das Überholen schwierig“, sagt Brethauer: „Wer nach der ersten Kurve führt, hat gute Chancen zu gewinnen.“ Umso wichtiger seien Schnellkraft und Explosivität am Start.

    Das deutsche Race-Duo

    Luis Brethauer
    20 Jahre
    TSV Betzingen
    Weltrangliste: Nr.19

    Maik Baier
    23 Jahre
    MSC Bönnigheim
    Weltrangliste: Nr 57

    Olympischer Terminplan:
    Mittwoch, 8. August: Vorläufe
    Donnerstag, 9. August
    Viertelfinale
    Freitag, 10. August: Halbfinale & Finale

    Bei Stürzen meist nur „ein paar Schrammen“

    Ohne Zweifel ist die Verletzungsgefahr für Brethauer & Co. deutlich größer ist als bei den meisten anderen Sportarten. Wenn zwei Fahrer kollidieren, „kann es schnell mal passieren, dass man durch die Luft fliegt“. Im vergangenen Jahr baute Brethauer einen schweren Crash und krachte kopfüber auf den Boden. Für eine kurze Zeit war er sogar bewusstlos, blieb aber unverletzt.

    Auch in London, sagt der 20-Jährige, „wird es bestimmt wieder einige Stürze geben. Wenn nämlich jeder topmotiviert bei der Sache ist, manche vielleicht ein bisschen übermotiviert, dann passieren Fehler und Stürze.“ Allerdings will Brethauer seine Sportart nicht dramatisieren. „Dank Helm und Ganzkörper-Protektor sind wir sehr gut geschützt. Bei den meisten Stürzen gibt es deshalb nur ein paar Schrammen – und weiter geht’s.“

    Im „schlimmsten Fall“ eine Medaille

    Wichtige Unterstützung erhält Brethauer von der Bundeswehr. Seit Herbst 2011 ist er als Sportsoldat angestellt, weshalb er sich derzeit voll auf Training und Wettkämpfe konzentrieren kann. Zusammen mit seinem Olympia-Kollegen Maik Baier trainiert er am Olympia-Stützpunkt Stuttgart unter Bundestrainer Simon Schirle.

    In London konkurrieren die 32 besten BMX-Fahrer der Welt, wobei sich Brethauer das Halbfinale der Top 16 als Ziel gesetzt hat. In der Weltrangliste steht er aktuell auf Rang 19. „Aber in unserer Sportart kann vieles passieren. Die Weltspitze liegt ganz eng beieinander“, sagt Brethauer und ergänzt lächelnd: „Im schlimmsten Fall ist daher sogar eine Medaille möglich.“ Seine Mutter Ulrike wäre ganz bestimmt die erste Gratulantin.

    12.07.2012
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