Olympia - Dressur
Schwarzer Tag für Totilas-Fans
Matthias Rath mit Totilas
VideoOlympia ohne Totilas
InteraktivDaten und Fakten von A bis Z
von Christiane MitatselisDressur-Starpferd startet nicht bei OlympiaTotilas wird seine Piaffen und Pirouetten in London nicht präsentieren können. Da der Reiter des Starpferdes der Dressur-Szene, Matthias Rath, am Pfeifferschen Drüsenfieber leidet, wird es keinen Olympia-Start des Hengstes geben. Das deutsche Dressur-Team hat nun zwar kaum Chancen auf Gold, Rath und Totilas könnten jedoch gestärkt aus der Pause hervorgehen.
Obwohl Matthias Rath und Totilas nicht beim CHIO in Aachen starten konnten, ist in diesen Tagen viel über sie gesprochen worden. Wird Rath rechtzeitig gesund, um mit dem zwölfjährigen Rapphengst bei den Olympischen Spielen zu starten? Falls ja, wird er seinen Trainingsrückstand aufholen können? Wie sind seine Siegchancen? Die Spekulationen endeten am Donnerstagnachmittag, als die die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) mitteilte, dass Rath definitiv nicht in London nicht antreten kann.Decktaxe stabil Der 27-Jährige, vor zwei Wochen am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt, hatte sich zunächst auf dem Weg dem Besserung befunden. Doch nachdem er am Mittwoch erstmals wieder auf dem heimischen Schafhof in Kronberg mit Totilas trainiert hatte, erlitt er einen Rückfall. Seine Blutwerte waren so schlecht, dass die Ärzte ihm wieder Bettruhe verordneten.
Dressur-Bundestrainer Johnny Hilberath, der das Olympia-Team bis Sonntagabend benennen muss, war geknickt. „Das tut mir für Matthias unheimlich leid“, sagte er. „Das ist eine ganze herbe Geschichte und verdammt bitter.“ Totilas-Mitbesitzer Paul Schockemöhle reagierte seinerseits erstaunlich gefasst auf die Nachricht („So etwas passiert im Leben“), was darauf hindeutet, dass die Decktaxe von 8000 Euro, die er mit Totilas erzielt, auch ohne Olympiastart stabil bleiben sollte.Goldchancen gering
Die deutsche Dressur-Equipe hat in London ohne Totilas allerdings keine realistische Chance auf die Goldmedaille, die seit 1984 immer an Deutschland ging. Zwar gewannen Christina Sprehe, Helen Langehanenberg, Anabel Balkenhol und Dorothee Schneider am Donnerstag den Aachener Nationenpreis. Das Ergebnis ist jedoch nicht aussagekräftig, da die Weltklasse-Paare aus Holland und England nicht nach Aachen gereist sind.Um in London Gold zu gewinnen, so wird kalkuliert, müssen drei Reiter mehr als 80 Prozentpunkte erreichen. Rath wäre dies zuzutrauen gewesen. Auch wenn er nie an die Traumergebnisse des früheren Totilas-Reiters Edward Gal herangekommen ist, so lagen seine Resultate zuletzt im 80-Prozent-Bereich. In Aachen kamen nur Sprehe (79,702) und Langehanenberg (78,426) nah an diese Grenze, Balkenhol (75,426) und Schneider (74,277) waren weit von ihr entfernt.Faszination vorbei?Man könnte nun auf die Idee kommen, Totilas einfach mit einem anderen Reiter ins olympische Rennen zu schicken. Doch das ist zeitlich nicht möglich, da zwei gemeinsame Starts in diesem Jahr Voraussetzung für die Nominierung sind. Außerdem hat gerade Totilas' Werdegang gezeigt, wie entscheidend die Beziehung zwischen Reiter und Pferd ist. Der Holländer Gal und Totilas harmonierten perfekt, sie bildeten ein Paar, das Zuschauer und Preisrichter gleichermaßen faszinierte. Höhepunkt ihrer Laufbahn waren die Weltreiterspiele in Kentucky im Herbst 2010, wo sie alle Goldmedaillen gewannen und Weltrekorde aufstellten. Nachdem Schockemöhle und Raths Stiefmutter Ann-Kathrin Linsenhoff den Hengst Ende 2010 für zehn Millionen Euro gekauft hatten, mühte sich der neue Reiter redlich, das Beste aus dem Pferd herauszuholen. Die Resultate waren gut, aber nicht außerordentlich, einige Male bockte das Pferd im Wettkampf, was Rath Häme und Tadel einbrachte. Zuletzt wendete er sogar die in Deutschland zwar nicht verbotene, aber verpönte Rollkur an (Herunterziehen der Nase des Pferdes bis auf die Brust), um den Hengst besser zu beherrschen.Weniger ist mehrUnter Druck gesetzt wurde der junge Reiter zudem durch die aggressive Vermarktung des Pferdes, schon vor dem ersten Auftritt von Totilas und Rath wurden Fan-Artikel des angeblich neuen Traumpaars verkauft. In London werden nun wohl neue Dressur-Sterne aufsteigen und zumindest einen Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit absorbieren, die sich bisher auf Totilas konzentrierte. Rath kann das nur Recht sein. Weniger ist in seinem Fall mehr.
06.07.2012
ZITAT
„Das ist eine ganze herbe Geschichte und verdammt bitter”Dressur-Bundestrainer Hilberath
CHIO in Aachen im ZDF
Samstag, 7. Juli 23 Uhr
im Rahmen des aktuellen sportstudios
Sonntag, 8. Juli 16 Uhr
SPORTextra im ZDF und bei zdfsport.de im Livestream
Samstag, 7. Juli 23 Uhr
im Rahmen des aktuellen sportstudios
Sonntag, 8. Juli 16 Uhr
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Die deutsche Dressur-Equipe hat in London ohne Totilas allerdings keine realistische Chance auf die Goldmedaille, die seit 1984 immer an Deutschland ging. Zwar gewannen Christina Sprehe, Helen Langehanenberg, Anabel Balkenhol und Dorothee Schneider am Donnerstag den Aachener Nationenpreis. Das Ergebnis ist jedoch nicht aussagekräftig, da die Weltklasse-Paare aus Holland und England nicht nach Aachen gereist sind.Um in London Gold zu gewinnen, so wird kalkuliert, müssen drei Reiter mehr als 80 Prozentpunkte erreichen. Rath wäre dies zuzutrauen gewesen. Auch wenn er nie an die Traumergebnisse des früheren Totilas-Reiters Edward Gal herangekommen ist, so lagen seine Resultate zuletzt im 80-Prozent-Bereich. In Aachen kamen nur Sprehe (79,702) und Langehanenberg (78,426) nah an diese Grenze, Balkenhol (75,426) und Schneider (74,277) waren weit von ihr entfernt.Faszination vorbei?Man könnte nun auf die Idee kommen, Totilas einfach mit einem anderen Reiter ins olympische Rennen zu schicken. Doch das ist zeitlich nicht möglich, da zwei gemeinsame Starts in diesem Jahr Voraussetzung für die Nominierung sind. Außerdem hat gerade Totilas' Werdegang gezeigt, wie entscheidend die Beziehung zwischen Reiter und Pferd ist. Der Holländer Gal und Totilas harmonierten perfekt, sie bildeten ein Paar, das Zuschauer und Preisrichter gleichermaßen faszinierte. Höhepunkt ihrer Laufbahn waren die Weltreiterspiele in Kentucky im Herbst 2010, wo sie alle Goldmedaillen gewannen und Weltrekorde aufstellten. Nachdem Schockemöhle und Raths Stiefmutter Ann-Kathrin Linsenhoff den Hengst Ende 2010 für zehn Millionen Euro gekauft hatten, mühte sich der neue Reiter redlich, das Beste aus dem Pferd herauszuholen. Die Resultate waren gut, aber nicht außerordentlich, einige Male bockte das Pferd im Wettkampf, was Rath Häme und Tadel einbrachte. Zuletzt wendete er sogar die in Deutschland zwar nicht verbotene, aber verpönte Rollkur an (Herunterziehen der Nase des Pferdes bis auf die Brust), um den Hengst besser zu beherrschen.Weniger ist mehrUnter Druck gesetzt wurde der junge Reiter zudem durch die aggressive Vermarktung des Pferdes, schon vor dem ersten Auftritt von Totilas und Rath wurden Fan-Artikel des angeblich neuen Traumpaars verkauft. In London werden nun wohl neue Dressur-Sterne aufsteigen und zumindest einen Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit absorbieren, die sich bisher auf Totilas konzentrierte. Rath kann das nur Recht sein. Weniger ist in seinem Fall mehr.



