Gürteltier ist der Maskottchen-Favorit
von Solveig FlörkeZweifel gibt es kaum noch: Das offizielle WM-Maskottchen wird das sogenannte "Tatu-Bola". Ein Tierchen, das sich blitzschnell zu einem Ball zusammenrollen kann. Es steht unter Schutz, ist in einigen Gegenden Brasiliens trotzdem schon verschwunden.
Süßer Favorit: Das Gürteltier
Quelle: imago, dpa
Die Fußball-Europameisterschaft ist vorbei und da lohnt ein Blick auf das nächste Großereignis, die WM 2014 in Brasilien. Der
offizielle Slogan steht bereits, zur Erinnerung, er lautet "Junto num so ritmo", auf Deutsch "Gemeinsam im gleichen Rhythmus". 200.000 Nutzer sahen sich die Trailer bisher an und die Reaktionen reichen von "Super, das ist Brasilien" bis zu "Lächerliche Werbung."
Das englische Wappentier machte den AnfangGespalten sind auch die Meinungen zur Frage des offiziellen Maskottchens der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft. Zwar soll es erst im Oktober von der FIFA verkündet werden, aber für die meisten steht bereits fest: Das Rennen macht das Gürteltier. Das 50cm-lange-"Tatu-Bola", wie es auf Portugiesisch heißt, soll blau sein, eine grüne Hose und ein weißes Hemd tragen. Als Konkurrenten ließ das Tatu offensichtlich nicht nur eine volkstümliche brasilianische Zeichenfigur, den Saci-pererê, hinter sich, sondern auch einen Jaguar.
Damit wird das gewöhnungsbedürftig aussehende Gürteltier zum ersten Maskottchen einer brasilianischen Fußball-Weltmeisterschaft überhaupt. 1950, als die WM bereits einmal in Brasilien ausgetragen wurde, gab es noch keine Maskottchen. Die kamen erst 1966 beim Turnier in England in Mode. Damals machte Löwe "Willie" den Anfang und seitdem gehört das Maskottchen zu einer WM wie der Fußball selbst.
Namensgebung per PublikumbefragungEinen Namen hat das brasilianische Maskottchen noch nicht. Den will die FIFA per Publikumsbefragung ermitteln. Fußball-Dauerkonkurrent und Nachbar Argentinien hat schon lange vor der offiziellen Auslobung des Maskottchens einen eigenen Vorschlag gemacht. "Favelito“ sollte sein Name sein, was so viel heißt wie „kleiner Bewohner des Armenviertels“.
Damit legen die Argentinier den Finger direkt in die Wunde, denn tatsächlich sind die Armenviertel in den großen Städten Brasiliens das Haupt-Sicherheitsproblem des brasilianischen Erzrivalen. "Favelito“ kommt daher wie ein richtiger Gangster: In jeder Hand trägt er eine Pistole und die brasilianische Fahne wie eine Maskierung vor dem Gesicht. Außerdem wäre „Favelito“ das erste Maskottchen in Badehose. Eine Anspielung auf die gerne knapp bekleideten Brasilianer am Strand.
Vom Aussterben bedrohtDann doch lieber ein Gürteltier. Doch auch das Tatu-Bola kämpft mit Problemen. Es ist vom Aussterben bedroht, im Nordwesten Brasiliens gilt es als Delikatesse. Vor allem in den brasilianischen Bundesstaaten Sergipe und Ceará wurde Jagd auf die Tatus gemacht, dort sind sie bereits verschwunden. Die übrigen Panzertiere kämpfen ums Überleben, indem sie sich zu einer perfekten Kugel zusammenrollen. Zwar stehen die Tatus unter Schutz, doch darauf nehmen viele Jäger keine Rücksicht. Grund genug für die Organisation "CAATINGA"
eine Kampagne für das Gürteltier als offizielles Maskottchen einzutreten. "Wir wollen, dass Brasilien und die ganze Welt aufmerksam wird, auf die bedrohten Tierarten und das Gürteltier ist dafür ein perfekter Repräsentant", sagt Rodrigo Castro, Koordinator bei Caatinga. Das scheint geklappt zu haben.