von Susanne RohlfingSieben Medaillen wollen die deutschen Rennsportkanuten in London gewinnen und sich somit gewohnt erfolgreich präsentieren. Der größte Erwartungsdruck lastet dabei auf dem ehemaligen Wildwasserfahrer Max Hoff.Die Messlatte, die Erfolg und Misserfolg trennt, liegt sehr hoch bei den deutschen Rennsport-Kanuten. Manchmal liegt sie gar zwischen Gold und Silber. So war das bei Tim Wieskötter und Ronald Rauhe, dem deutschen Zweier-Traumpaar, das vor vier Jahren in Peking nach eine schier endlos langen Siegesserie angetreten war, um Olympiasieger zu werden, dann aber nur Silber gewann und Tränen der Enttäuschung vergoss. Diesmal in London ist es Einerfahrer Max Hoff, der die größte Favoritenbürde trägt. In der Vorbereitung strauchelte er unter dieser Last. Aber rechtzeitig vor dem Start der Spiele hat sich der 29-Jährige mit seinem dritten EM-Sieg in Folge eindrucksvoll zurück gemeldet.
Gold ist das ZielHoff ist im nun ablaufenden Olympiazyklus auch schon zweimal Weltmeister im Kajak Einer über 1000 Meter geworden. Vor einem Jahr war er daher noch optimistisch. „Nur da hin kommen“ zu den Spielen, könne natürlich nicht sein Ziel sein, hatte der Diplom-Biologe, der für Essen startet und in Köln lebt, gesagt. „Wenn man sieht, was ich in den letzten zwei Jahren so geworden bin, dann kann man sich auch ausrechnen, worauf ich spekuliere.“ Gold natürlich. Auch wenn Hoff schon damals relativierte: „Wenn es nicht hinhaut mit dem Sieg, geht das Leben auch weiter.“
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„Wenn man sieht, was ich in den letzten zwei Jahren so geworden bin, dann kann man sich auch ausrechnen, worauf ich spekuliere.”
Max Hoff
Dann kam die WM 2011, und Hoff führte den Vierer zu Gold, wurde im Einer aber nur Vierter. Es ging in die alles entscheidende Saison 2012, Hoff dominierte in der Olympia-Qualifikation die nationale Konkurrenz, musste bei den ersten Weltcups aber feststellen, dass ihm die Leichtigkeit des Siegens abhanden gekommen war. Max Hoff, dem disziplinierte, akribische Trainingsarbeit nie etwas ausgemacht hatte, der sich schinden kann wie kaum ein anderer, der jahrelang Spitzensport betrieben und nebenbei sein Studium mit hervorragenden Noten durchgezogen hat, begann zu zweifeln.
"Besser, als irgendwo arbeiten zu gehen"Der Traum von einer olympischen Medaille wurde zu stupidem Alltag, ein Trainingslager im sonnigen Florida zu nichts weiter als harter Arbeit. Hoff sagte: „Das ist hier relativ emotionslos alles, man macht halt so seinen Job, ob ich dann beim dritten Mal am Tag noch Bock habe, anderthalb Stunden über den See zu fahren – ich weiß nicht.“ Er musste sich anstrengen, um nicht zu vergessen, dass das „immer noch besser ist, als irgendwo arbeiten zu gehen“.
Bei den ersten Kräftemessen mit der internationalen Konkurrenz wurde der ehemalige Wildwasserfahrer Fünfter und Sechster - er sagte: „Ich hatte in den letzten Wochen Selbstzweifel, dadurch bin ich nicht richtig souverän an den Start gegangen.“ Und es drängte sich ihm eine Erkenntnis auf: „Jeder, der denkt, so einen Olympiasieg oder eine Medaille fährt man mal eben nach Hause, der soll es selber machen.“ Seither gibt Hoff noch immer den Gewinn einer Medaille als Ziel für die Spiele aus. Aber mit dem Zusatz: „Wenn ich das erfülle, sollte man damit zufrieden sein.“
Ein Wettkampf wie jeder andere?Rainer Kießler, der Bundestrainer der deutschen Kanuten, kann Hoff kaum helfen, die Last des Erwartungsdrucks zu tragen. „Er muss sein Training absolvieren wie in den erfolgreichen Jahren, und er darf nicht daran denken, was alle erzählen. Olympia wird ein Wettkampf wie alle anderen, man gibt ja schließlich immer sein Bestes“, sagt Kießler. Der Trainer ist zuversichtlich, dass seine Kanuten in London so erfolgreich sein können wie man es von ihnen gewöhnt ist. Sieben Medaillen seien das Ziel, sagt Kießler. Und warnt: „Viel darf da nicht schief gehen.“
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„Jeder, der denkt, so einen Olympiasieg oder eine Medaille fährt man mal eben nach Hause, der soll es selber machen.”
Max Hoff
Max Hoff ist immerhin wieder guter Dinge. Nach seinem EM-Sieg sagte er: „Das gibt gute Laune und Motivation für das restliche Training.“ Die letzten drei Wochen vor ihren Olympia-Starts verbringen die Kanuten in Duisburg. In London müssten sie auf der Themse trainieren, da die Regattabahn in der Nähe von Eton zunächst von den Ruderern belegt wird. „Das wäre suboptimal“, sagt Hoff. Er will seine Ruhe haben und sich konzentrieren, denn: „Jetzt kommt der Tag näher, an dem ich weiß, ob man den Lohn für die ganze Arbeit, die man da reingesteckt hat, bekommt.“