Tour de France
Duo Wiggins und Froome hängt Vorjahressieger Evans ab
Cadel Evans
von Jonathan Sachse, PauIm Team Sky wird für den unlängst definierten Kapitän Bradley Wiggins gefahren. Doch sein Edelhelfer Christopher Froome ist auf Augenhöhe und könnte in den nächsten Jahren sein größter Rivale um das Gelbe Trikot werden.Aufgereiht sitzen die neuen Fahrer und ihr Manager am Gartentisch. Vor ihnen drängelt sich die Presse. Das Team Sky wartet auf die Fragen. Doch befragt wird nur eine Person. Am zweiten Ruhetag der Tour de France fokussiert sich die Aufmerksamkeit auf den Kapitän Bradley Wiggins. Die britische Presse spart nicht an Lob. Der Mann im Gelben Trikot darf dankbar sein. Kritische Fragen muss er keine beantworten.
"Milchbubi" FroomeEinen Platz weiter sitzt Christopher Froome. Etwas aufrechter, als die restlichen Mannschaftsmitglieder. Es scheint, als würde er auf die erste an ihn gerichtete Frage warten. Im Gegensatz zu den kantigen Gesichtszügen seines strampelten Chefs gleicht seine Optik der eines Milchbubis. Als er nach etwa 20 Minuten die erste Frage gestellt bekommt, antwortet er leise. Ein leicht nervöses Lächeln ziert seine Gesichtszüge.Bei der Frankreichrundfahrt präsentierten sich die beiden Briten auf den letzten Etappen auf Augenhöhe. In den Alpen kletterte Froome sogar schneller als sein Kapitän. "Ich habe Wiggins zu Froome hören rufen. Fahr langsamer", meinte Frank Schleck (RadioShack) nach der Königsetappe in den Alpen. In der Öffentlichkeit begann die Diskussion um einen möglichen Machtwechsel.Loyalität ist wichtig"Am 1. Januar wird das Jahresziel festgelegt. Das Ziel bei Sky lautete: Das Gelbe Trikot. Für Wiggins", schätzt Jens Voigt einen Tag zuvor die Zielausrichtung des britischen Teams ein. Es sei wichtig einen festen Kapitän zu haben, meint der Berliner, das "hat was mit Loyalität zu tun."
Die Gesamtwertung lässt auch keine ernsthafte Diskussion zu, über 2 Minuten beträgt der Vorsprung von Wiggins auf den Zweitplatzierten Teamkollegen. Doch zwei Fragen sollten gestellt werden: Was passiert, wenn Wiggins bei den kommenden Etappen im Hochgebirge einen schwarzen Tag erleben sollte? Im Mannschaftsfahrzeug würde eine Diskussion beginnen, ob Froome einspringt - das wäre dann Plan B.
Spannendes VerhältnisUnd wie geht's nach der Tour de France weiter? Aus finanzieller Sicht würde für Froome ein Wechsel zu einem anderen Team keinen Sinn machen. Von Murdochs Pay-TV Sender Sky wird er überdurchschnittlich gut bezahlt. Es wäre eine Entscheidung für die Karriere, die ihn zu den Konkurrenten lotsen könnte."In ein bis zwei Jahren muss er Sky verlassen und dann kann er auch die Tour gewinnen", spekuliert Brian Holm, Dopinggeständiger Ex-Telekom-Profi und mittlerweile bei Omega Pharma – Quick Step als Sportlicher Leiter aktiv. Beide Fahrer wären jeweils in einem Punkt leicht überlegen: "Froome fährt in den Bergen besser. Wiggins ist der etwas bessere Zeitfahrer. Das ist ein spannendes Verhältnis.""Echtes Opfer" Im vergangen Jahr stand Froome bereits eine Stufe höher. Nach einer Verletzung bei der Tour 2011 setzte Bradley Wiggins mit der Vuelta a España einen neuen Saisonhöhepunkt. Dort startete auch Teamkollege Christopher Froome. Beide kämpften Spanien um den Gesamtsieg. Am Ende wurde Froome Gesamtzweiter, anderthalb Minuten vor Wiggins.In der L'Equipe lies Froome vor ein paar Tagen tiefer in seine Seele blicken. Als er auf die historische Chance angesprochen wurde, in diesem Jahr als erster Brite überhaupt die Tour gewinnen zu können, antwortete er: "Ich könnte die Tour gewinnen. Das würde mein Leben verändern. Und deswegen ist es für mich ein echtes Opfer."
18.07.2012
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„Ich habe Wiggins zu Froome hören rufen. Fahr langsamer”Franck Schleck
Die Gesamtwertung lässt auch keine ernsthafte Diskussion zu, über 2 Minuten beträgt der Vorsprung von Wiggins auf den Zweitplatzierten Teamkollegen. Doch zwei Fragen sollten gestellt werden: Was passiert, wenn Wiggins bei den kommenden Etappen im Hochgebirge einen schwarzen Tag erleben sollte? Im Mannschaftsfahrzeug würde eine Diskussion beginnen, ob Froome einspringt - das wäre dann Plan B.
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„In ein bis zwei Jahren muss er Sky verlassen und dann kann er auch die Tour gewinnen”Brian Holm über Froome



