Englands Euphorie über Wiggins und Co.
Britanniens goldene Erlöser
Bradley Wiggins auf dem Siegerthron
Jubel und Erleichterung in London: Fünf lange Tage haben die Gastgeber auf Gold warten müssen. Im Rudern und Radfahren hat es schließlich geklappt.von Peter Busch, LondonEs ist 11.57 Uhr am Mittwochmorgen auf der Ruderstrecke in Eton Dorney, als Helen Glover und Heather Stanning das erste Gold für Großbritannien holen. Nur wenige Stunden später gewinnt Rad-Profi Bradley Wiggins das Zeitfahren. Nach der langen Durststrecke zu Beginn der Spiele sprechen einige britische Medien nun vom "goldenen Mittwoch". Bei anderen Zeitungen, wie dem Guardian, überwiegt erleichtertes Aufatmen: "Phew" ("Puh") titelt das Blatt über einem Foto von Wiggins.Bilderbuch-AthletenAuch wenn die Gastgeber gern früher einen Vertreter von Team GB ganz oben auf dem Treppchen gesehen hätten: perfektere Olympia-Sieger hätten sie sich kaum wünschen können. Die Ruderinnen Helen Glover und Heather Stanning sind die ersten Frauen, die überhaupt für Großbritannien im Rudern Gold gewannen. Beide eignen sich hervorragend als Vorbilder: Helen ist Sportlehrerin, Heather Soldatin. Ihre Einheit verfolgte den Sieg auf den Ruderstrecke von Afghanistan aus. "Ich bin so stolz auf Euch," grüßte Heather Stanning ihre Kollegen in der Ferne gleich im ersten Interview.
Das bewegt viele Briten. Mike Goodman, der unweit des olympischen Parks im Osten Londons aufgewachsen ist, gibt zu, dass er Tränen in den Augen hatte. Angesichts der ersten Goldmedaille beendet sein Bruder Pete E-Mails an Freunde mit dem Satz "Wir haben die erste Goldmedaille geholt." Überhaupt spielt das Netz beim Teilen der Freude eine große Rolle. Sofort nach dem Erfolg der beiden Britinnen ist "Rowing", also "Rudern", bei Twitter das meistbenutzte Wort.WiggomaniaWirklich außer Rand und Band geraten die Briten allerdings, wenn es um Bradley Wiggins geht. Zur Einstimmung auf das Zeitfahren hatte das Boulevard-Blatt "Sun" am Morgen Koteletten à la Wiggins zum Ausschneiden gedruckt. Obwohl dieses Angebot hauptsächlich nur die ganz jungen Fans nutzten, zog das Zeitfahren die Briten in den Bann. Beim Public Viewing im Londoner Hyde Park verfolgten Tausende das Rennen. Jede Zwischenzeit wurde bejubelt, der Sieg dann minutenlang beklatscht."Besser geht nicht," fasste Bradley Wiggins seinen Erfolg treffend zusammen. Vor zehn Tagen der Sieg bei der Tour de France, nun Gold bei den Spielen im eigenen Land. Durch seine insgesamt siebte Medaille bei olympischen Spielen ist Wiggins jetzt auch Großbritanniens erfolgreichster Olympionik aller Zeiten. Da ist es kein Wunder, dass die BBC in ihren Berichten von "Wiggomania" spricht und sich auch sicher ist, dass Wiggins im Dezember zum "Sportler des Jahres" gekürt wird.
Besser als DeutschlandRudern, Radfahren und Reiten gehören zu den Sportarten, in den sich die Briten die meisten Medaillen erhoffen. Die stärksten Konkurrenten kommen in diesen Disziplinen aus Deutschland - wie etwa Tony Martin, der hinter Wiggins zweiter wurde oder die deutschen Vielseitigkeitsreiter, die den Briten Gold wegschnappten.Nach dem Sieg von Glover, Stanning und Wiggins hoffen die Gastgeber, dass der Bann nun gebrochen ist. Das könnte sich schon heute bewahrheiten, denn im Velodrom beginnt das Bahnradfahren und da haben die Briten viele heiße Eisen im Feuer. Alles andere als Gold für Sir Chris Hoy und Victoria Pendleton wären ein ziemlicher Rückschlag. Denn das große Ziel der britischen Mannschaft ist Rang vier im Medaillenspiegel hinter China, den USA und Russland. Auf jeden Fall soll das Team genau wie vor vier Jahren in Peking mehr Medaillen als Deutschland gewinnen.
02.08.2012
Stolze Britinnen: Helen Glover (l.) und Heather Stanning
Quelle: dpa
Quelle: dpa
"Puh!" titelt The Guardian
Quelle: The Guardian
Quelle: The Guardian



