Veröffentlichung der Medaillenpläne
Sportfunktionär Weiß: "Das Urteil ist umsetzbar"
Medaillen-Vorgaben der deutschen Politik
InfografikDeutsche Medaillenausbeute und Starter
von Erik EggersBisher war die Zielvereinbarung zwischen Sport und Innenministerium stets ein gut gehütetes Geheimnis. Nun haben Journalisten durchgesetzt, dass veröffentlicht werden muss, welche Medaillenausbeute man sich in Berlin wünscht. Und die Erwartungen von Innenminister Friedrich und Co. scheinen alles andere als niedrig zu sein. Eigentlich, lässt Ingo Weiß wissen, hat er Wichtigeres zu regeln. Der Multifunktionär, Präsident des Deutschen Basketball-Bundes, Vorsitzender der Deutschen Sportjugend, Präsidiumsmitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DSOB), telefoniert im Deutschen Haus, dem Treffpunkt der deutschen Olympiamannschaft in London. Es geht darum, wer Guido Westerwelle vom Flughafen abholt.133 Millionen Euro für den Spitzensport
Eigentlich, sagt Weiß, sei das doch nichts als "heiße Luft", diese Angelegenheit mit den Zielvereinbarungen, in denen die Mittelzuweisungen des Bundesinnenministeriums (BMI) für den Leistungssport en Detail geregelt sind. Nun ist die heiße Luft rund 133 Millionen Euro schwer - soviel fließt jährlich vom BMI in den Spitzensport. Die Zielvereinbarung klärt, wie viel die einzelnen Fachverbände wie der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) erhalten – und wie viele Medaillen diese Verbände dafür liefern müssen.Dass das Verwaltungsgericht Berlin nun die Publikation dieser Dokumente verfügt hat, und zwar noch während der Olympischen Spiele, hält der DOSB-Funktionär "nicht für kritisch. Das Urteil ist da und aus meiner Sicht auch umsetzbar. Und das BMI wird die Unterlagen dann auch zur Verfügung stellen."Klage brachte Angelegenheit ins Rollen
Geklagt hatten zwei freie Journalisten, Niklas Schenk und Daniel Drepper, der auch für ZDFsport.de tätig ist. Sie wollten über die Dokumente publizieren, weil sie, wie Drepper meint, "ein Symbol der deutschen Sportförderung" darstellten. Ein solch geheimer Medaillenplan sei ein Anachronismus aus der Zeit des Kalten Krieges, bedürfe einer Reform. Der DOSB müsse "weg vom Planspiel, weg vom Medaillenzählen, hin zu einer demokratischen, offenen, selbstbewussten, föderalen Organisation."Diese Zielvereinbarungen gibt es seit 2008. "Die sollten mehr Flexibilität bringen", erklärt der Publizist. „Vorher wurde zum Teil noch intransparenter verteilt, wurden erfolglose Verbände abgestraft." Sie sollten ein Mittel darstellen, um "zukunftsgerichtet und antizyklisch zu fördern". Das Problem sei die Geheimniskrämerei, die der DOSB als Machtinstrument nutzen könne. „Es gibt keine klaren Kriterien für die Vergabe der Mittel, so ergeben sich Spielräume für persönliche Bevorzugungen oder Benachteiligungen." Es gebe Finanzdebatten, die an absurde Szenen aus dem Monty-Python-Klassiker "Das Leben des Brian" erinnerten, in denen es nur ums Handeln gehe, nicht um das Geld an sich.Vorgaben höher als in Peking?
Man wolle die Fachverbände nicht öffentlich mit den Medaillenvorgaben unter Druck setzen, wird argumentiert. "Dabei dürfte es ja kein Problem sein, die Vereinbarungen zu veröffentlichen, wenn man gute Argumente hätte, warum die Mittel so verteilt werden, wie sie verteilt werden", sagt Drepper. Er glaubt, dass die geheimen Ziele "sehr, sehr hoch sind". Man kenne inzwischen die Vereinbarungen aus neun Verbänden, die in London 38 Medaillen produzieren sollten. "In Peking gewann dieselben Verbände nur 19 Medaillen", sagt Drepper.Innenminister Hans-Peter Friedrich hat dieser Tage auf Nachfrage nicht den Anschein erweckt, als wolle das BMI den Verwaltungsgerichtsbeschluss akzeptieren. "Es gibt Dinge in den täglichen Absprachen, die man nicht an die große Glocke hängen muss", sagte Friedrich. Das klang so, als wolle das BMI sich juristisch wehren.Journalistenverband attackiert MinisteriumInzwischen hat auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) auf die Verweigerungshaltung der Berliner Behörde reagiert. "Das Bundesinnenministerium steht nicht über Gesetz und Recht", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. "Nach der richterlichen Entscheidung darf es die Berichterstattung nicht weiter behindern – auch nicht durch den Versuch des Aussitzens."Weiß sieht hingegen keinen Grund zur Aufregung. Er sagt, es sei "legitim", dass jeder Vertragspartner das Recht habe, zu entscheiden, ob man eine Vereinbarung veröffentliche. Aber nach dem Gerichtsbeschluss werde sich der DOSB "dem Thema stellen, und das werden die anderen Verbände und das BMI auch tun". Es bleibt also weiter spannend.
07.08.2012
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„Das Urteil ist da und aus meiner Sicht auch umsetzbar. Das BMI wird die Unterlagen dann auch zur Verfügung stellen.”Sportfunktionär Ingo Weiß
Sportfunktionär Ingo Weiß
Quelle: imago
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„Es gibt Dinge in den täglichen Absprachen, die man nicht an die große Glocke hängen muss”Innenminister Hans-Peter Friedrich




