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Olympia - Freiwasserschwimmen

Thomas Lurz im Entenklo

  • Video Achim Achilles schwimmt mit Thomas Lurz
  • VideoVideo Achim Achilles schwimmt mit Thomas Lurz

    Schwimmen und gleichzeitig Bananen essen geht nicht? Es geht doch! Thomas Lurz zeigt Achim Achilles die Tipps und Tricks des Zehn-Kilometer-Schwimmens.

    (10.08.2012)

    Kurzmeldung

    • 15:05 09.08.2012Kurzmeldung

      Freiwasser: Maurer geht leer aus 15:05 09.08.2012
      Die zweimalige Freiwasser-Weltmeisterin Angela Maurer hat in ihrem letzten Olympia-Rennen eine Medaille verpasst. Die 37-Jährige schwamm im Serpentine Lake im Londoner Hyde Park über die olympischen zehn Kilometer in 1:57:52,8 Stunden auf Platz fünf. Den Sieg sicherte sich überraschend die Ungarin Eva Risztov in 1:57:38,2 Stunden mit vier Zehntelsekunden Vorsprung auf Haley Anderson aus den USA und 3,6 Sekunden auf die drittplatzierte Europameisterin Martina Grimaldi aus Italien. Die britische Topfavoritin Kerry-An ne Payne wurde nur Vierte.

    von Andreas Morbach

    In der Branche der Langstreckenschwimmer hat Thomas Lurz bereits alles im Übermaß erreicht. Allein olympisches Gold fehlt dem 32-jährigen Franken noch in seiner Sammlung – in einem Enten- und Schwäneparadies im Hyde Park soll es nun soweit sein.

    Als erfolgreicher Freiwasserschwimmer kommt Thomas Lurz ordentlich herum. Ob in Dubai, Cancún, Hongkong, Melbourne oder Montreal – der Mann aus dem fränkischen Gerbrunn hat sich beruflich schon in allen Ecken dieser Erde herumgetrieben. Den olympischen Aufenthalt an der Themse hielt er deshalb nun so kurz wie möglich, schließlich hat der 32-Jährige auch die Olympischen Dörfer in Athen und Peking bereits kennengelernt.

    Reichhaltige Sammlung

    "Klar ist es schön, dort zu sein und alles mitzubekommen. Aber ich bin nach London geflogen, um erfolgreich zu sein. Das hat erste Priorität", betonte Lurz – nachdem er erst zwei Tage vor seinem Rennen über zehn Kilometer in der Olympiastadt eingetroffen war. Und spätestens bei dem Satz war klar: Thomas Lurz will auf der britischen Insel keine neuen Freundschaften schließen – sondern die letzte Lücke in seiner reichhaltigen Medaillensammlung.

    ZITAT
    Ich bin nach London geflogen, um erfolgreich zu sein. Das hat erste Priorität.
    Thomas Lurz
    Zehn WM- und fünf EM-Titel nennt der diplomierte Sozialpädagoge sein eigen – allein beim Dauerkraulen im Zeichen der fünf Ringe schaffte er es bei zwei Versuchen noch nicht ganz hinauf aufs Treppchen. Vor acht Jahren, damals noch im Open-Air-Pool von Athen, schlug er über 1500 Meter Freistil als 22. an. In Peking wurde Freiwasserschwimmen dann olympisch – Lurz ließ das Becken daher fast komplett links liegen und konzentrierte sich auf die ganz langen Strecken. Das brachte ihm 2008 Olympiabronze ein – und vorher und nachher viele Begegnungen mit allerlei Getier. Enten und Schwäne waren lange Zeit nicht darunter. Doch dann kam London.

    Tierkot in der Badehose

    Nach dem Olympiatest im letzten Jahr war Lurz drei Tage krank. Dank der Bewohner des Serpentine Lake im Hyde Park – einem hübschen Biotop für Krankheiten, vor allem bei warmen Temperaturen wie im Moment. "Da waren viele Enten und Schwäne auf dem See, es gab keinen Wasserdurchlauf – da kann man sich vorstellen, was da los war", erzählt der gebürtige Nürnberger, dessen Hoffnung auf Besserung bei Olympia beim einzigen Training vor dem Ernstfall am Freitag aber enttäuscht wurde.

    Als Lurz danach aus dem Serpentine Lake kletterte, hielt er seinen Zuschauern ein Häufchen Algen und Tierkot unter die Nasen, das sich in seiner Badehose eingenistet hatte. "Das hier ist ein Entenklo", murrte Nikolai Evseev, Coach und Ehemann der Wiesbadenerin Angela Maurer, die am Donnerstag mit zarten Medaillenhoffnungen ins olympische Gewässer gestiegen war und am Ende Fünfte wurde. Für Lurz wäre ein Platz neben dem Podium eine Enttäuschung, nach zwei Handvoll WM-Goldmedaillen binnen sieben Jahren soll es jetzt der Olympiasieg sein.

    Beim nächsten Mal Copacabana

    "Der fehlt mir noch", erklärt der Mann, der nach seiner Karriere am liebsten eine Filiale für Fastfood eröffnen würde, kurzum. Bis er sich Hamburgern und Fritten widmet, will Lurz aber noch einige Zeit mit der Marathonschwimmerei verbringen. Die WM im nächsten Jahr in Barcelona sei, sagt er, "ja um die Ecke", 2014 lockt zudem die Heim-EM in Berlin. "Das wäre ein Ziel: Zum Karriereende zu Hause spitze sein", überlegt er – doch dann ist der Unersättliche gedanklich auch schon wieder zwei Jahre weiter. In Rio de Janeiro.

    ZITAT
    Da waren viele Enten und Schwäne auf dem See, es gab keinen Wasserdurchlauf – da kann man sich vorstellen, was da los war.
    Thomas Lurz
    Bei den ersten Olympischen Spielen auf südamerikanischem Boden werden die Freiwasserschwimmer nicht in einem See voller Enten und Schwäne um ihre Medaillen kraulen. Sondern an der Copacabana. "Vielleicht sage ich mir nach der EM in Berlin ja: 'Ach, bis Olympia in Rio sind es auch nur noch zwei Jahre'", meint Lurz, bei dem es im Fall der Fälle jedenfalls nicht am nötigen Fleiß fehlen wird: 3500 Trainingskilometer hat der Mann, der seine Disziplin dank regionaler Sponsoren und mit dem Geld der deutschen Sporthilfe professionell betreibt, am Ende eines Jahres auf dem Buckel.

    Herrlicher Traum

    Gecoacht wird Lurz seit dem Tod des Vaters im August 2007 von seinem Bruder Stefan, der sein Werk der letzten Monate so beschreibt: "Thomas hat wieder so hart trainiert, wie es in der Welt nur ganz wenige tun – wenn es überhaupt welche gibt." Heute nun schwimmt sein jüngerer Bruder um das ersehnte Olympiagold, das ihm zumindest im Traum schon erschienen ist. "Im Schlaf", erzählte Thomas Lurz kürzlich, "sah ich herrliche letzte Meter". Und keine einzige Ente.

    10.08.2012
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