Paralympics-Gründer Ludwig Guttmann
Der Sportpionier
Ludwig Guttman
VideoParalympics - Guttmann
VideoParalympics - Eröffnung
von Torsten HaselbauerEs war ein bewegender Augenblick für die Familie Guttmann. Am 26. Juni dieses Jahres wurde vor dem Stoke Mandeville Stadium in England eine stattliche Bronzestatue enthüllt. Sie zeigt Sir Ludwig Guttmann, den Initiator der Paralympics. Eva Löffler und Denis Guttmann, die Kinder des Neurologen, durften die Statue enthüllen. „Ich bin stolz auf meinen Vater. Und stolz darauf, dass die Paralympics nun wieder in das Land kommen, wo sie mein Vater begründete“, sagte Eva Löffler zu ZDFsport.de.Die Paralympics haben sich längst etabliert. Ihre Anfänge aber liegen noch immer tief im Dunkeln der Sportgeschichte. Dass es ein Deutscher war, der die erste "Olympiade der Behinderten" in England begründete, ist nur wenigen bekannt. Es war Ludwig Guttmann und er nannte sie "Stoke Mandeville Games". In dem Hospital "Stoke Mandeville" in der südenglischen Kleinstadt Aylesbury leitete Guttmann seit 1943 das Zentrum für Wirbelsäulenverletzungen. Am 28. Juli 1948 fanden in Aylesbury die ersten Behindertenspiele statt. Der Eröffnungszeitpunkt war gut gewählt. Am gleichen Tag wurde in London das olympische Feuer für die 14. Olympischen Sommerspiele entzündet.Aus Nazi-Deutschland geflüchtet
Das Teilnehmerfeld bei den ersten "Stoke Mandeville Games" war übersichtlich. 14 Männer und zwei Frauen, alle im Rollstuhl, nahmen an dem Sportfest teil. Und das in nur einer Sportart, dem Bogenschießen. Die Sportler waren allesamt durch Kriegsverletzungen querschnittsgelähmte britische Soldaten. Die Spiele waren der vorläufige Höhepunkt in dem Leben und Schaffen des jüdischen Arztes Ludwig Guttmann.
Guttmann war am 14. März 1939 noch gerade rechtzeitig mit seiner Frau und den beiden Kindern aus Nazi-Deutschland geflüchtet. "Ohne einen Pfennig" kam er nach England und machte sich dort schnell einen Namen. Im Gegensatz zu seinen Kollegen und der britischen Gesellschaft sah er seine querschnittsgelähmten Patienten "nicht als Krüppel an, sondern als Menschen, denen man den Lebensmut durch verschiedene Therapieansätze wiedergeben sollte".
Revolutionärer Ansatz
Dazu gehörte für den am 3. Juli 1899 in oberschlesischen Tost geborenen Guttmann vor allem der Sport. "Die körperliche Aktivität bildete für den Arzt die Brücke zurück in die Gesellschaft und in die Normalität", erinnert sich Manfred Sauer gegenüber ZDFsport.de. Sauer wurde nach einem Kopfsprung in die Themse im Jahr 1963 zu Guttmann in die "Stoke Mandeville" Klinik überwiesen und dort erfolgreich rehabilitiert. Guttmanns ganzheitlicher Ansatz in der Therapie galt als revolutionär. Er war ein Pionier mit der Idee, Querschnittsgelähmte zum Sporttreiben, zu Wettkämpfen zu motivieren.Guttmann versuchte sofort sein "Behindertensportfest" weit über die Landesgrenzen von England bekannt zu machen. Zu den zweiten "Stoke Mandeville Spielen" im Jahr 1952 reisten bereits zahlreiche Athleten aus den Niederlanden nach Aylesbury an. Insgesamt nahmen 130 Sportler an den "Internationalen Sportwettkämpfen für Behinderte". teil.Zum Ritter geschlagen
Die sportliche Bewegung wuchs stetig. Im Anschluss an die Sommerspiele 1960 in Rom wurden die ersten Behindertenspiele außerhalb Englands durchgeführt. 400 Athleten aus 23 Nationen waren in Italien am Start. Guttmann nahm als Zuschauer auf der Ehrentribüne im Olympiastadion Platz. Papst Johannes XXII. würdigte in einer Privataudienz die Arbeit des Arztes ausdrücklich, die Queen schlug ihn zum Ritter. Am 18. März 1980 starb Sir Ludwig Guttmann.
29.08.2012
Das Teilnehmerfeld bei den ersten "Stoke Mandeville Games" war übersichtlich. 14 Männer und zwei Frauen, alle im Rollstuhl, nahmen an dem Sportfest teil. Und das in nur einer Sportart, dem Bogenschießen. Die Sportler waren allesamt durch Kriegsverletzungen querschnittsgelähmte britische Soldaten. Die Spiele waren der vorläufige Höhepunkt in dem Leben und Schaffen des jüdischen Arztes Ludwig Guttmann.
ZITAT
„Ich bin stolz auf meinen Vater. Und stolz darauf, dass die Paralympics nun wieder in das Land kommen, wo sie mein Vater begründete.”Eva Löffler, Guttmanns Tochter
Revolutionärer Ansatz
Dazu gehörte für den am 3. Juli 1899 in oberschlesischen Tost geborenen Guttmann vor allem der Sport. "Die körperliche Aktivität bildete für den Arzt die Brücke zurück in die Gesellschaft und in die Normalität", erinnert sich Manfred Sauer gegenüber ZDFsport.de. Sauer wurde nach einem Kopfsprung in die Themse im Jahr 1963 zu Guttmann in die "Stoke Mandeville" Klinik überwiesen und dort erfolgreich rehabilitiert. Guttmanns ganzheitlicher Ansatz in der Therapie galt als revolutionär. Er war ein Pionier mit der Idee, Querschnittsgelähmte zum Sporttreiben, zu Wettkämpfen zu motivieren.Guttmann versuchte sofort sein "Behindertensportfest" weit über die Landesgrenzen von England bekannt zu machen. Zu den zweiten "Stoke Mandeville Spielen" im Jahr 1952 reisten bereits zahlreiche Athleten aus den Niederlanden nach Aylesbury an. Insgesamt nahmen 130 Sportler an den "Internationalen Sportwettkämpfen für Behinderte". teil.Zum Ritter geschlagen
Die sportliche Bewegung wuchs stetig. Im Anschluss an die Sommerspiele 1960 in Rom wurden die ersten Behindertenspiele außerhalb Englands durchgeführt. 400 Athleten aus 23 Nationen waren in Italien am Start. Guttmann nahm als Zuschauer auf der Ehrentribüne im Olympiastadion Platz. Papst Johannes XXII. würdigte in einer Privataudienz die Arbeit des Arztes ausdrücklich, die Queen schlug ihn zum Ritter. Am 18. März 1980 starb Sir Ludwig Guttmann.



