Bundesliga-Schiedsrichter
Schiedsrichter Siebert: Aufstieg mit 28
von Anna LudgenUrsprünglich wurde Daniel Siebert Schiedsrichter, weil er sich als 14-Jähriger die Spiele von Hertha BSC und die des 1. FC Union Berlin aus nächster Nähe ansehen wollte - kostenlos. In der kommenden Saison steht er nun als jüngster Spielleiter gemeinsam mit den Stars der Fußball-Bundesliga auf dem Platz. Daniel Siebert hat es geschafft. Mit 28 Jahren ist ihm der Sprung in die 1. Bundesliga gelungen. Vor 14 Jahren erkannte der Berliner die Vorzüge der Schiedsrichtertätigkeit: freier Eintritt zu allen Spielen, u.a. von Hertha und Union, dazu die Möglichkeit, sich das Taschengeld aufbessern und Zeit mit Freunden verbringen zu können. Heute sieht Daniel Siebert in der Arbeit als Schiedsrichter ganz andere Vorteile: „Man lernt wirklich für das Leben und für den Beruf. Es sind viele Dinge, die man durch die Schiedsrichterei mitbekommt“. Für ihn ist es vor allem die Herausforderung, sich mit unterschiedlichen Charakteren auseinandersetzen und durch selbstbewusstes Auftreten und Führungsqualitäten überzeugen zu können, die den Schiri-Job ausmacht.Siebert setzt auf positiven UmgangDaniel Siebert hat früher selbst lange und mit großer Begeisterung Fußball gespielt und kennt sich in dem Sport gut aus. Er schätzt sich selbst als fußballkompetenten Schiedsrichter ein, der sich in Spieler und Spielsituationen hineinversetzen kann. Fachleute und Beobachter aus der Fußballwelt sehen in ihm einen talentierten Spielleiter und möchten ihn in der 1. Bundesliga weiter fördern: „Die besten und talentiertesten Schiedsrichter in unserem Land sollen die Möglichkeit erhalten, sich weiterzuentwickeln“, so Herbert Fandel, der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichterkommission. Siebert persönlich ist ein positiver Umgang zwischen Fußballern und Schiedsrichter wichtig: „Ich versuche, durch Fußballkompetenz zu überzeugen und sehr kommunikativ und respektvoll mit den Spielern umzugehen, damit mir vor allem der Respekt von den Spielern entgegengebracht wird“.
Neben dem Respekt hat seine persönliche Weiterentwicklung für den Berliner große Bedeutung. Die Einführung eines Individual-Coaches vor wenigen Jahren sieht Siebert daher als sehr positiv an: „Mir ist wichtig, dass man mir eine gewisse Entwicklung aufzeigt und wenn man einen Coach an seiner Seite hat, kann der die Entwicklung verfolgen und gezielter fördern. Das Individual-Coaching ist eine tolle Sache“. Ab dieser Saison stehen den Offiziellen zusätzlich Experten aus der Sportpsychologie zur Verfügung, auf die auch Siebert zurückgreifen möchte: „Angebote, die mich als Mensch und als Schiedsrichter verbessern können, möchte ich gerne nutzen“. Wenn die Schiedsrichter beispielsweise Probleme mit Erfolgsdruck oder Stress haben, können sie die psychologische Betreuung in Anspruch nehmen.Torlinien-Technik "herzlich willkommen"Eine weitere Neuerung, die die Arbeit der Schiedsrichter grundlegend verändern wird, ist die Torlinientechnologie. Lange wurde darüber diskutiert – und wann genau sie ihren ersten Einsatz in der Bundesliga findet, ist bislang noch unklar. Siebert freut sich auf jeden Fall darüber: „Alles, was uns die Arbeit erleichtert, ist natürlich herzlich willkommen. Wenn es die Torlinientechnologie sein soll, die uns bei wirklich schwierigen Entscheidungen helfen kann, dann freut uns das natürlich, weil es uns auch Sicherheit gibt in der jeweiligen Entscheidung“.
Über die Fähigkeit, auch unter Druck richtige Entscheidungen zu treffen, muss ein Referee in der 1. Bundesliga verfügen. Als Zweit- und Drittliga-Schiedsrichter hat Siebert bereits wertvolle Erfahrungen gesammelt, von denen er beim Erstliga-Einstieg profitieren wird. Auf seine neue Aufgabe hat er sich nicht anders vorbereitet als auf die Spiele in den tieferen Ligen. Dort galt es schließlich auch schon, fit und immer auf der Höhe des Geschehens zu sein und sein Können unter Beweis zu stellen. Sieberts Training besteht nicht nur aus sturen Dauerläufen. Schwimmen, Fahrradfahren und Fitnessstudio-Besuche sind feste Bestandteile seines Programms und helfen ihm, sich fit zu halten.Die Vorfreude steigtAm 24. August startet die Bundesliga in ihre Jubiläums-Saison. Sieberts Premiere rückt immer näher: „Die Vorfreude ist groß, der Respekt ist da, man freut sich einfach, dass man es jetzt geschafft hat und die Saison dann bald losgeht. Präferenzen für irgendwelche Mannschaften oder Spiele habe ich nicht. Ich freue mich einfach, dass ich Schiedsrichter in einer der spannendsten Ligen der Welt sein darf“.Daniel Siebert geht mit einem sehr positiven Gefühl an seine neue Aufgabe als Erstliga-Schiedsrichter heran. Ob er sich als Jüngster vielleicht auch ein bisschen unwohl fühlt oder besonders aufgeregt ist? Nein. Für den Berliner ist die Schiedsrichterei keine Frage des Alters, sondern eine Frage der Qualität.
ZITAT
„Die besten und talentiertesten Schiedsrichter in unserem Land sollen die Möglichkeit erhalten, sich weiterzuentwickeln”Herbert Fandel
ZITAT
„Alles, was uns die Arbeit erleichtert, ist natürlich herzlich willkommen. ”Daniel Siebert
Daten von Daniel Siebert
Persönliche Daten
Geburtstag: 04.05.1984
Geburtsort: Berlin
Beruf: Sportwissenschaftler
Verein: FC Nordost Berlin
Größe: 1,91 m
Gewicht: 81 kg
Schiedsrichterlaufbahn
- seit 1998 Schiedsrichter
- seit 2007 DFB-Schiedsrichter
- seit 2009 2. Bundesliga
- seit 2012 1. Bundesliga
- 2. Bundesliga, Saison 11/12: 8 Spiele gepfiffen
27 gelbe Karten, keine rote/gelbrote Karte
16.08.2012



