Bundesliga: HSV - Bremen
Das Nordderby und andere brisante Duelle
Sylvie van der Vaart twittert
von Ralf LorenzenWährend in vielen europäischen Traditionsderbys soziale Konflikte ausgetragen werden, geht es beim Nordderby zwischen Hamburgern und Bremern um die nachbarschaftliche Rivalität zweier Hansestädte. Die wurde vor 30 Jahren allerdings durch eine Tragödie angeheizt.Milan Bardelj hatte eine lange Reise hinter sich. Am Abend zuvor noch hatte er in seinem letzten Spiel für Dinamo Zagreb in Maribor den Kroaten geholfen, in die Champions League einzuziehen und war dann über Zagreb und München nach Hamburg zur Vorstellung bei seinem neuen Klub geflogen. Nun musste er sich trotz Müdigkeit gleich zum bevorstehenden Nordderby äußern.Wie Zagreb gegen Split„Das ist fast so wie HSV gegen St. Pauli“, zeigte er sich gut über den Charakter der Begegnung gegen Werder Bremen informiert. Ich mag Derbys, das war schon in Kroatien so, wenn wir mit Dinamo gegen Hajduk Split gespielt haben.“
Derby
Der Begriff Derby bezeichnet ursprünglich einen erstmals 1780 in England ausgetragenen und vom 12. Earl of Derby begründeten Leistungsvergleich für dreijährige Vollblutpferde.
Der Begriff Derby bezeichnet ursprünglich einen erstmals 1780 in England ausgetragenen und vom 12. Earl of Derby begründeten Leistungsvergleich für dreijährige Vollblutpferde.
Wenn die rivalisierenden Clubs einer Stadt oder einer Region gegeneinander antreten, herrscht fast überall in Europa Alarmstufe 1 bei der Polizei und Ausnahmezustand bei den Fans beider Mannschaften. Oft sind die Rivalitäten über Jahrzehnte hinweg entstanden und beinhalten sozialen, religiösen sowie politischen Sprengstoff. So wie beim Old Firm, dem Glasgower Duell zwischen dem Celtic FC und dem Rangers FC.Katholiken gegen ProtestantenDas Old Firm bedeutet: Katholiken gegen Protestanten, Arm gegen Reich, Zugewanderte gegen Einheimische. Kein Derby in Europa wurde häufiger ausgetragen, keines hat über die Jahre eine derart religiös und ethnisch überhöhte Rivalität entwickelt. Die Celtic-Fans halten in ihren Kurven die irische Flagge hoch und erinnern damit an ihre keltischen und irischen Wurzeln. Die Anhänger der Rangers zeigen dagegen die Flagge des Vereinigten Königreichs, den Union Jack.Im Hamburger Stadtderby zwischen dem (ehemals) reichen HSV und dem (ehemaligen) Underdog FC St. Pauli wird über die eigene Rivalität hinaus seit langem eine Art Stellvertreterkampf des Old Firm ausgetragen. Der Kiezclub pflegt eine intensive Fanfreundschaft mit Celtic, die HSV-Anhänger sympathisieren stark mit den Rangers. Zu den jeweiligen Derbys herrscht ein reger Reiseverkehr zwischen Hamburg und Glasgow.Historische KonflikteOb Rapid gegen Austria Wien, Arsenal London gegen Tottenham Hotspurs, Lazio gegen AS Rom, Inter gegen AC Mailand oder Galatasaray gegen Fenerbahce Istanbul - in den meisten europäischen Stadtderbys spiegeln sich historische Konflikte wieder. So auch, im legendärsten Derby Südamerikas, dem Superclásico zwischen den Boca Juniors und River Plate Buenos Aires.Ursprünglich war auch River Plate im ärmlichen Hafenviertel La Boca angesiedelt, zog in den 20er Jahren aber in den reichen Norden von Buenos Aires. Noch heute werden sie von den Anhängern der eher volkstümlichen Bocas abfällig als die "Millionarios" bezeichnet. So lebte der Derbycharakter als Klassenauseinandersetzung weiter, nachdem die Rivalität nicht mehr durch die enge Nachbarschaft begründet war.Revierderby auf AugenhöheDas bekannteste deutsche Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 beschränkt sich dagegen auf die regionale Rivalität im Pott. Beide Vereine sind von der Geschichte und sozialen Funktion als Arbeitervereine zu ähnlich, als dass die Fans die Spiele gegeneinander mit weltanschaulichen oder sozialen Fragen aufladen würden. Das tut der Brisanz der Revier-Derbys allerdings keinen Abbruch.Werder Bremen gegen den HSV ist dagegen ein Regionalderby zwischen zwei seit dem 11. Jahrhundert miteinander konkurrierenden Kaufmannstädten. Die Fußballvereine beider Mannschaften standen sich allerdings bis Anfang der 80er Jahre noch fast freundschaftlich gegenüber.Tragischer Tod eines FansBis der 16-jährige Werder-Fan Adrian Maleika im Oktober 1982 im Hamburger Volkspark von einem Mauerstein am Kopf getroffen und am folgenden Tag im Krankenhaus Hamburg-Altona verstarb. Seitdem pflegen die Fans beider Clubs ihre gegenseitige Abneigung mindestens genauso unversöhnlich wie die von Schalke und Dortmund.
Die Tragödie um Adrian Maleika
Adrian Maleika war das erste Todesopfer bei Übergriffen von Hooligans in Deutschland. Er starb am 17. Oktober 1982, einen Tag nachdem Mitglieder des von Rechtsradikalen unterwanderten HSV-Fanklubs „Die Löwen“ ihn vor dem DFB-Pokalspiel zwischen dem HSV und Werder Bremen im Altonaer Volkspark mit einem Stein getroffen hatten.
Adrian Maleika war das erste Todesopfer bei Übergriffen von Hooligans in Deutschland. Er starb am 17. Oktober 1982, einen Tag nachdem Mitglieder des von Rechtsradikalen unterwanderten HSV-Fanklubs „Die Löwen“ ihn vor dem DFB-Pokalspiel zwischen dem HSV und Werder Bremen im Altonaer Volkspark mit einem Stein getroffen hatten.
Nur in einem sind sich die Bremer und Hamburger Anhänger völlig einig: Die Spiele gegeneinander sind die einzig wahren Nordderbys. Wer das Spiel des VFL Wolfsburg gegen Hannover 96 als solches bezeichnet, ist in den Augen beider Gruppen ein ahnungsloser Etikettenschwindler.
31.08.2012





