Borussias Buben bei Fortuna
von Andreas MorbachDas erste Bundesligaduell der rheinischen Rivalen Düsseldorf und Gladbach seit März 1997 reißt vor allem bei Fortunas Verteidiger Tobias Levels alte Wunden auf – und rückt auch seinen Freund und Abwehrkollegen Johannes van den Bergh in den Mittelpunkt. An die täglichen Fahrten von Mönchengladbach nach Düsseldorf hat sich Tobias Levels längst gewöhnt. Vor einem Jahr startete die niederrheinische Borussia mit ihm ein Leihgeschäft mit der benachbarten, damals noch zweitklassigen Fortuna. Seitdem pendelt der blonde Verteidiger zwischen den beiden Städten hin und her – und musste sich in dieser Woche vor der Fahrt zur Arbeit die entsprechenden Kommentare anhören. Wegen des ersten Bundesligaderbys der rheinischen Rivalen seit dem 29. März 1997.
Sprüche am Gartenzaun„Meine Nachbarn machen natürlich Sprüche“, deutet Levels schmunzelnd an, dass die Menschen jenseits des Gartenzauns dezente Geschenke an die alte Liebe Borussia erwarten.
ZITAT
„Meine Nachbarn machen natürlich Sprüche.”
Tobias Levels
Doch klar ist: „Ich will Gladbach schlagen, keine Frage.“ Denn zwölf Jahre Borussia Mönchengladbach hin oder her: Mit der Ankunft von Lucien Favre beim Rautenklub im Februar 2011 begann für den Mann, der als Zwölfjähriger zur Borussia kam, die Reise aufs Abstellgleis. Und nach einem Jahr als Leihspieler in Düsseldorf folgte vor zwei Monaten die endgültige Trennung.
Levels unterschrieb beim Aufsteiger einen Vertrag bis 2014 – begleitet von den trockenen Abschiedsworten von Gladbachs Sportdirektor Max Eberl, der betonte: „Die Vereinbarung, die wir mit Düsseldorf gefunden haben, ist ganz klar als Entgegenkommen an Tobias Levels zu verstehen. Er ist ein verdienter Spieler von Borussia, wir wollten ihm keine Steine in den Weg legen.“ Ein nüchternes Adieu, dem der rustikale Abwehrmann vor dem Wiedersehen am Samstag nun seinerseits einen betont emotionalen Anstrich verpasste.
Lustlos in der TiefgarageNicht mehr gewollt zu werden, tut eben weh – besonders im Fall Levels und Mönchengladbach. Er habe, erzählt der 25-Jährige, „Monate gebraucht, um das für mich klar zu kriegen: Dass ein anderer Trainer mit anderen Spielern plant.“ Borussia wurde für ihn zur verbotenen Liebe. Das war auch am 15. Mai zu spüren, als Levels nach dem skandalösen Relegationsspiel gegen Hertha BSC in Badelatschen und vorgefertigtem Aufstiegs-Shirt in der Tiefgarage der Düsseldorfer Arena stand und über die anstehenden Vertragsgespräche mit Gladbach lustlos sagte: „Da gibt es wohl ein bisschen was zu bequatschen.“
Ende Juni war das dann erledigt. Das Thema sei für ihn abgehandelt, er habe auch noch Kontakt zu einigen früheren Kollegen in Gladbach, vermeldete Levels in dieser Woche mannhaft, grollte aber zugleich in Richtung Borussia-Führung: „Ich habe verstanden, dass diese angebliche Identifikation im Fußball nicht stattfindet.“
Düsseldorfer DoubleWas die Sache zumindest ein wenig einfacher macht: Tobias Levels ist bei Fortuna längst nicht der Einzige mit Gladbacher Vergangenheit. Ob Neuzugang Andrej Woronin, Cheftrainer Norbert Meier, Manager Wolf Werner oder Angreifer Nando Rafael – sie alle waren einst in unterschiedlichen Funktionen für Borussia tätig. So wie auch Johannes van den Bergh, Levels‘ Double bei Fortuna.
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„Mein Berater hat die klare Anweisung, dass ich nur da spiele, wo Tobias auch gerade ist.”
Johannes van den Bergh
Der Mann aus Viersen ist exakt einen Tag älter als sein vom sportlichen Herzschmerz geplagter Freund, genauso blond, ebenfalls Außenverteidiger – und hat, ganz in der Nähe von Levels Bleibe, auf dem Gelände des alten Bökelbergstadions ein Haus gebaut. Natürlich bilden die beiden Defensivspezialisten auch eine Fahrgemeinschaft, und van den Bergh witzelt über das intensive Miteinander: „Mein Berater hat die klare Anweisung, dass ich nur da spiele, wo Tobias auch gerade ist.“
Van den Berghs Vorsprung
Johannes van den Bergh
Quelle: imago
In Wahrheit aber hat Düsseldorfs Linksverteidiger in punkto Gladbach-Abstinenz zwei Jahre Vorsprung vor dem Kollegen von der rechten Abwehrseite. Acht Mal spielte er vor vier Jahren für Borussia in der Bundesliga, ehe er nach insgesamt zehn Jahren im Klub wegen zu starker Konkurrenz zu Fortuna in die zweite Liga wechselte.
„Es ist sauber gelaufen, ich wurde ordentlich verabschiedet“, verspürt van den Bergh beim Gedanken an seinen alten Verein jedoch keinen Zorn. Sondern eher Lust, dem „großen Favorit Borussia“ drei Tage nach dessen gescheiterten Sprung in die Champions League eins auszuwischen. Denn, so viel gesteht auch Johannes van den Bergh ein: „Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass Spiele gegen Gladbach keine ganz besonderen Spiele für mich sind.“