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Biathlon

Fischer: "Im kleineren Team weniger Druck für Rösch"

  • Alte Staffel-Zeiten: Fischer und Rösch
  • Alte Staffel-Zeiten: Fischer und Rösch

    Michael Rösch (l.) gibt auf Sven Fischer ab. Die beiden haben mit dem deutschen Biathlon-Team viele Erfolge gefeiert, unter anderem einen Staffel-Olympiasieg in Turin 2006.

    (12.09.2012)

    Kurzmeldung

    • 14:45 14.09.2012Kurzmeldung

      Rösch startet wohl bald für Belgien 14:45 14.09.2012
      Michael Rösch steht vor einem Wechsel nach Belgien. "Es fehlen noch ein paar Dokumente und Stempel hier und da, aber dann geht's ab nach Belgien", erklärte der 29-Jährige am Rande der deutschen Meisterschaften in Altenberg. Der belgische Skiverband habe sich am meisten um ihn bemüht, er stehe mit den Verantwortlichen in engem Kontakt. "Ich hoffe, dass bald eine Entscheidung fällt", so der Staffel-Olympiasieger von 2006. Rösch hatte zuvor bekanntgegeben, dass er im bevorstehenden Winter nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft starten wird, der Verband (DSV) die Freigabe erteilt.

    • 18:46 11.09.2012Kurzmeldung

      Rösch sucht anderen Skiverband 18:46 11.09.2012
      Biathlet Michael Rösch will nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft starten. Der 29-Jährige hatte den Deutschen Skiverband (DSV) und seine bisherigen Mannschafts-Kollegen bereits vor einigen Wochen von dem Wechselwunsch informiert. Der DSV erteilte ihm die Freigabe für eine andere Nation. "Mein einziger Beweggrund für die Entscheidung ist meine sportliche Perspektive. Ich will im kommenden Winter unbedingt wieder im Weltcup und bei der WM starten", so Rösch. Eine endgültige Entscheidung, für welches Land er künftig starten wird, stehe noch aus. Insidern zufolge kommt Belgien in Betracht.

    Biathlet Michael Rösch will nicht mehr für das deutsche Team starten. Bereits vor einigen Wochen hatte der Deutsche Skiverband (DSV) dem 29-Jährigen die Freigabe erteilt. Als zukünftige Nation ist Belgien im Gespräch. ZDF-Experte Sven Fischer zeigt im Interview Verständnis für den ehemaligen Teamkollegen.

    zdfsport.de: Sind Sie über den Schritt von Michael Rösch sehr überrascht?

    Sven Fischer: Überrascht bin ich nicht, es hat sich ja schon über einen längeren Zeitraum angekündigt. Er selbst hat seine Wahl getroffen, dies muss man jetzt akzeptieren. Röschs Passion ist der Sport und er zeigt den Willen, immer ganz oben mitspielen zu wollen.

    zdfsport.de: Hätten Sie es in Ihrer Karriere jemals in Betracht gezogen, für eine andere Nation zu fahren?

    Fischer: Ich selbst würde nicht für ein anderes Land antreten. Ich wurde einige Male gefragt, ob ich nicht Lust hätte, auch für Norwegen oder die USA zu starten, aber es ist nie soweit gekommen, dass sich da jemand wirklich an einen Verhandlungstisch gesetzt hätte. Dadurch, dass die Biathleten so viel zusammen unterwegs sind, sind wir wie eine große Familie und auch mit vielen anderen Nationen befreundet. Deswegen ist ein Nationenwechsel im Biathlon nicht so verwerflich, wie es den Anschein hat.

     

    zdfsport.de: Sie sind zusammen mit Michael Rösch Olympiasieger 2006 mit der Staffel geworden. Hat es einen faden Beigeschmack, ihn jetzt für ein anderes Land starten zu sehen?

    Fischer: Es ist nicht so leicht, sich das vorzustellen. Wir haben zusammen Erfolge gefeiert und einiges erlebt, sowohl im Einzel als auch in der Staffel. Dass er jetzt nicht mehr für Deutschland startet, ist natürlich ein Wermutstropfen und hat einen bitteren Beigeschmack. Es ist schade, dass er seine weitere Entwicklung nicht mehr in Deutschland sieht.

     

    zdfsport.de: Als mögliche neue Nation für Michael Rösch ist Belgien im Gespräch. Denken Sie, dass dort die Trainingsbedingungen und Förderung genauso gut sind wie in Deutschland?

    Fischer: Ich kenne mich mit den Trainingsbedingungen in Belgien nicht genau aus, habe aber noch nie von einem großen Stützpunkt gehört. Ich gehe davon aus, dass die Förderung nicht ganz so hoch wie in Deutschland sein wird.

     

    zdfsport.de: Was für ein Athlet ist Michael Rösch? Bringt er die nötige Selbstdisziplin mit, um die spezielle Situation zu meistern?

    Fischer: Selbstdisziplin hat er, aber ob es reicht, bis an die Spitze zu kommen, müssen wir abwarten. Auch in der belgischen Mannschaft wird Rösch hart arbeiten müssen, es wird nicht sofort alles funktionieren. In einem kleineren Team wird er erstmal sicher dabei sein und kann die ersten Weltcuprennen in Ruhe laufen. Rösch ist jemand, der sich den Druck nehmen muss, im Gegensatz zum Beispiel zu Magdalena Neuner, die den Druck brauchte, um Top-Ergebnisse zu erzielen.

     

    zdfsport.de: Hat er überhaupt die nötige Konkurrenzsituation im Training, die nötig ist, um sich richtig in Wettkampfform zu bringen?

    Fischer: Er wird nicht so viel Unterstützung haben wie hier im Training. Trotzdem kann es funktionieren. Ich denke da an Tomasz Sikora aus Polen oder ganz am Anfang Raphael Poirée aus Frankreich, die damals auch nicht viel Unterstützung aus ihren Ländern hatten und trotzdem den Durchbruch geschafft haben.

     

    zdfsport.de: Als Beweggründe gibt Rösch "sportliche Perspektiven" an. Denken Sie, da steckt noch mehr dahinter?

    Fischer: Nein, nur sportliche Gründe. Vielleicht fühlte er sich manchmal etwas falsch eingeschätzt. Die sportlichen Leistungen sind im Team jedoch das Maß aller Dinge. Er wurde nie ausgegrenzt, im Gegenteil, er hat frischen Wind mitgebracht und war immer gut gelaunt. Er flüchtet nicht aus dem deutschen Team, er will einfach wieder zum Erfolg und hat sich jetzt diesen Weg ausgesucht. Sicherlich spielt auch das Alter eine Rolle, weil irgendwann der Körper einfach nicht mehr das volle Pensum leisten kann. Ich wünsche ihm, dass er für sich selbst den richtigen Weg gewählt hat und glücklich wird.

    das Interview führte Lea Ochßner

    Der Nationenwechsel im Biathlon

    Allgemeine Informationen

    Vorraussetzung für einen Nationenwechsel ist:

    1. die entsprechende Staatsbürgerschaft

    2. die Freigabe durch die bisherige Nation

    (um gegebenfalls die sonst obligatorische Sperre von zwei Jahren zu verkürzen)

    3. die Anerkennung durch den Weltverband IBU.


    Über den Antrag für eine Staatsbürgerschaft entscheiden die jeweiligen nationalen Behörden.

    Hilfreich ist immer, wenn der bisherigen Verband einem Wechsel zustimmt, dann ist ein solcher zügig zu bewerkstelligen. Natürlich muss erst ein Verband gefunden werden, der den Athleten aufnimmt.

     

    Quelle: IBU und DSV

    Der Fall Rösch

    Ganz so einfach ist ein Nationenwechsel also nicht.

    Durch die Freigabe durch den Deutschen Skiverband (DSV) hat Michael Rösch aber zumindest die Chance (eine neue Staatsbürgerschaft vorausgesetzt), schon bald wieder für ein anderes Land zu starten. Die Entscheidung liegt dann aber letztendlich bei der Internationalen Biathlon Union (IBU).

    Ein gutes Beispiel für einen zügigen Wechsel war Jakov Fak, der mit Zustimmung seines bisherigen Verbandes von Kroatien und nach Wunsch von Slowenien gut wechseln konnte und so bei der WM in Ruhpolding Medaillen für Slowenien erringen konnte. Er hatte schon vorher mehrere Jahre mit dem slowenischen Verband trainiert und viel Unterstützung erfahren.

    Offizielle Regelung der IBU (englisch)

    2.6 Nationality of athletes


    The sphere of responsibility of the member federations is restricted to the territory of the country they represent. The respective member federation may only enter athletes who are citizens of the respective country. Athletes who are citizens of two or more countries at the same time may represent either one of them, as they may elect. However, after having represented one country in the Olympic Games, in Continental or Regional Games or in World or Continental Championships under the authority of the IBU, they may not represent another country, unless they meet the conditions for athletes who have changed their citizenship or acquired a new citizenship. Athletes who have represented one country in the Olympic Games in Continental or Regional Games or in World or Continental Championships under the authority of the IBU, and who have changed their citizenship or assumed a new citizenship may not participate in IBU competitions representing their new country until at least two years have passed since they last represented their former country. This period may be reduced or even annulled, with the agreement of the IBU member federations concerned, by the Executive Board of the IBU, which will take into account circumstances of each case. Stateless persons may participate for a member federation assigned by the IBU Executive Board upon the authorization of the IBU Executive Board and with that member federation’s agreement.

    Quelle: Verfassung der IBU

    12.09.2012
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