Champions League
Klopps brillanter Systemwechsel
Grafik
VideoMan City - BVB: Alle Tore
VideoAnalyse: Elfmeter, oder nicht?
von Martin Rafelt, spielverlagerung.deBorussia Dortmund hat beim englischen Meister Manchester City alles gegeben und ist am Ende mit einem Unentschieden bestraft worden. Der BVB dominierte über weite Phasen das Spiel. Ein Sieg wäre völlig verdient gewesen, was nicht zuletzt an einem hervorragenden taktischen Schachzug von Jürgen Klopp lag.Die Breite des 4-5-1Um gegen die offensiven Außenverteidiger von Manchester City genügend Breite im Mittelfeld zu haben und gleichzeitig die einrückenden Außenspieler Silva und Nasri kontrollieren zu können, wagte das Dortmunder Trainerteam um Jürgen Klopp in diesem wichtigen Spiel einen Wechsel der Grundformation. Anstatt des 4-2-3-1-Systems, welches oft vereinfachend als 4-5-1 bezeichnet wird, stellte man dieses Mal ein echtes 4-5-1 auf: Also eine eine flachen Fünferkette im Mittelfeld.Dieses System bietet zwei große Vorteile gegenüber dem 4-2-3-1: Erstens gibt es gleich drei Sechser, welche die wichtigen zentralen Räume vor der Abwehr zustellen können. Zweitens, daraus resultierend, müssen die offensiven Flügelspieler nicht so weit in die Zentrale einrücken. Sie können weiter außen bleiben, was gegen aufrückende Außenverteidiger wie Clichy und Zabaleta sehr wichtig sein kann - beim 3:3 in Frankfurt waren es noch vor allem die sehr offensiven Außenverteidiger der Eintracht, die Dortmunds bekanntes Pressing zu knacken vermochten.Zusammenarbeit und AnpassungsfähigkeitDer defensive Nachteil des Systems ist die fehlende direkte Unterstützung für den Stürmer. Dieser kann somit auf dem Papier leicht umspielt werden und der Gegner kann die Mittelfeld-Fünferkette ohne Stress am Ball attackieren. Diese Öffnung der Halbräume (zwischen Flügel und dem zentralen Stürmer) konnten die Dortmunder mit ihrem taktischen Geschick aber im Laufe des Spiels immer besser kompensieren.So rückten je nach Situation ein bis zwei Spieler aus der Fünferkette heraus und halfen Lewandowski Citys Aufbauspiel zu stören. Dieses flexible Ausrücken ermöglichte es, die sehr wechselhaften Bewegungen von Nasri und Silva durch das Zentrum zu kontern – die Sechser, welche gerade von einem der City-Spielmacher gebunden waren, blieben tief, der freie Sechser rückte heraus.Dabei war extrem wichtig, dass die Dortmunder Mittelfeldspieler überaus gut zusammenarbeiteten. Das galt auch auf den Flügeln: So konnten die Räume der Flügelspieler auch von den äußeren Sechsern übernommen werden. Besonders der gelernte Flügelspieler Blaszczykowski sicherte oft nach außen ab, wenn Götze vorwärts driftete.Mancinis taktischer FehlschlagLetzterer Kniff war auch entscheidend, als Manchesters Trainer Roberto Mancini auf ein 3-4-1-2-System umstellte, welches er schon mehrfach diese Saison spielen ließ. Kolarov kam für Nasri als linker Flügelläufer, Clichy spielte den linken Innenverteidiger der Dreierkette und Silva ging auf die Zehnerposition. Auf dem Papier sollte das mehr Kontrolle im Aufbauspiel bringen, da Lewandowski nun gegen drei Verteidiger stand.Dortmunds flexibles Aufrücken machte diesen Kniff aber zunichte. Immer wieder ging vor allem Reus diagonal ins Pressing auf den weit außen stehenden Innenverteidiger Kompany, während sein Gegenspieler Zabaleta von Schmelzer übernommen wurde oder Gündogan den linken Flügelraum sicherte. Durch diese Mechanismen wurde Citys Änderung zur Dreierkette demontiert und mit Reus' Balleroberung zum Treffer sogar umgekehrt.Die Gefahr der Standards
Letztlich kam City über die ganze Spielzeit kaum mit Ball hinter Dortmunds Mittelfeldreihe und wurde zum Herumschieben gezwungen. Zum Schluss hatten die Citizens fast 65% Ballbesitz, aber Dortmund hatte dennoch mehr Zeit mit dem Ball in der gegnerischen Hälfte verbracht als der Gastgeber in Dortmunds Feldhälfte.Durch diese hohe Distanz zu Dortmunds Tor und die dadurch bedingt hochstehende Viererkette des BVB kam City zumindest ein paar Mal mit guten langen Bällen hinter die Abwehr zu Chancen, die aber nach der Anfangsphase abnahmen. Dafür konnten sie kaum mal in den Strafraum hineinflanken oder in Tornähe das Dribbling suchen, weshalb es nur selten zu Standardsituationen kam. Nur fünf Ecken gab es für City am Ende – dass eine davon den entscheidenden Elfmeter brachte, zeigt, wie wichtig dieses Vermeiden von Standards für den BVB war.Das sehr umstrittene Handspiel von Subotic brachte die Dortmunder letztlich um den verdienten Lohn für eine leidenschaftliche und taktisch herausragende Leistung. Das große Chancenübergewicht hätte bei normaler Verwertung wohl einen souveränen Sieg gegen diesen hochkarätigen Gegner und die Krönung für eine tolle Trainerentscheidung bedeutet.
04.10.2012
Quelle: spielverlagerung.de
Quelle: spielverlagerung.de



