Wäre cool, wenn sie ein Engel wird
Vorschau: Moritz - Der Film
Von Andrea Cornelissen
Luca ist elf Jahre alt und leidet an Mukopolysaccharidose Typ III A, einer seltenen, genetisch bedingten Stoffwechselkrankheit. Nach und nach zerstört diese unheilbare Krankheit ihre Gehirnzellen. Die Folge ist, dass Luca mit der Zeit alle Fähigkeiten und lebenswichtigen Funktionen verliert, das Sprechen, das Laufen und am Ende wird sie weder essen noch schlucken können. (Mehr Infos zu Mukopolysaccharidose )"Es war so ein Gefühl von Niewiedergut ..."
Die Krankheit ist weder behandel- noch heilbar, sie verläuft in Schüben und wird phasenweise schlimmer. Keiner weiß, wie lange Luca noch leben wird. "Früher konnte sie laufen, sprechen, singen, war lebenslustig und hatte richtig Spaß am Leben. Heute sitzt sie nur noch im Rollstuhl und stiert vor sich hin. Es tut mir leid, dass sie so viel verpasst", bedauert der große Bruder Moritz. „Die Welt ohne meine Schwester wäre nicht so schön, weil ich sie sehr gerne hab. Ich denke nicht über Lucas Tod nach, weil ich die Zeit, in der sie noch lebt, genießen will. Mein größter Wunsch ist, dass sie noch lange lebt.“ Als den Eltern vor neun Jahren die Diagnose mitgeteilt wurde, änderte sich ihr Leben radikal. Seither dominiert Lucas unheilbare Krankheit den Alltag der ganzen Familie. Vater Thomas erzählt: „Gefühlsmäßig konnte ich das gar nicht verarbeiten. Ich konnte nicht drüber reden, weil der Gedanke so unfassbar war.“ Und Mutter Rike berichtet: "Es war so ein Gefühl von Niewiedergut ...""Das ist natürlich einfach traurig."
Wir lernen Lucas Brüder Moritz und Lennart kennen, da sind sie 14 und acht Jahre alt. Beide sind sehr sportlich und gesund und wissen, dass ihre Schwester Luca unheilbar krank ist und früh sterben wird. Moritz: „Wenn man weiß, dass unsere Schwester in fünf oder vielleicht zehn Jahren stirbt und ihr zuzusehen, wie sie alles verlernt - das ist natürlich einfach traurig."Einerseits kümmert er sich fürsorglich um seine Schwester Luca, verbringt viel Zeit mit ihr, ist ein großer Bruder, wie ihn sich viele Kinder wünschen: liebevoll, einfühlsam und cool. Andererseits muss er selbst erwachsen werden, den eigenen Weg finden, eine positive Perspektive entwickeln, die Pubertät durchleben, die Schule meistern – ein Prozess, bei dem die Autorin in gewissen Zeitabständen Moritz und seine Familie fünf Jahre lang begleitet hat."Wir werden das schon schaffen."
Die verbleibende Zeit wollen sie alle gemeinsam genießen. Die Führsorge um Luca prägt ihren Alltag, die Ferientage im Hospiz und die innigen Momente beim Vorlesen. Vater Thomas: "Dass Luca jetzt schon 16 Jahre alt ist, ist schon ein großes Geschenk für uns. Aber da denkt man gleichzeitig darüber nach, wieviele Jahre es noch sein werden. Ich versuche dann darüber nachzudenken, ob ich mich damit abfinden kann - und dann muss ich sagen: Nein, ich will sie immer noch nicht hergeben!" Lucas Mutter Rike bestätigt ihren Mann: "Ja, so ist es! Man will sie halt nicht hergeben."Der Film dokumentiert die Entwicklung von Moritz, einem 14-jährigen Teenager, der zu einem 19-jährigen jungen Erwachsenen wird. 37 Grad zeigt das Schicksal dieser Familie, die so intensiv und glücklich wie möglich die Gegenwart erleben möchte und sich innerlich auf den frühen Tod eines geliebten Familienmitglieds vorbereiten muss. Moritz erklärt: "Unsere Familie ist stark genug das auszuhalten, was bald passieren wird. Wir halten so gut zusammen und tragen uns gegenseitig. Wir werden das schon schaffen."Die 37-Grad-Dokumentation ist die Weiterführung einer Dokumentation über Moritz aus dem Jahr 2008 für die ZDFtivi-Sendereihe „stark!“, die Auszeichnungen im In- und Ausland erhielt.

