37 Grad in voller Länge
Christine N. muss heute jeden Cent umdrehen. Das war nicht immer so, während des Berufslebens kam sie gut mit ihrem Gehalt zurecht. Aber als die 68-Jährige in Rente ging, hat sie erst einmal so weitergemacht, wie in den vielen Jahrzehnten zuvor als Postangestellte: Friseur, Sonnenbank, mal eine schöne Bluse kaufen, obwohl die Minirente das alles nicht mehr hergab.Jetzt hat Christine N. Schulden bei der Bank und weiß nicht, wie sie die wieder zurückzahlen soll. Eine Lösung könnte sein, bei der Tafel kostenlos "Essensrationen" abzuholen und den Einkauf zu sparen. "Aber da schäme ich mich. Wenn die Leute aus dem Viertel sehen, dass ich da für umsonst Schlange stehe, dann denken die: Die ist eine Bettlerin geworden." Christine N. könnte auch ihre erwachsenen Kinder um Hilfe bitten. Aber vor denen schämt sie sich noch mehr als vor ihren Nachbarn. Jetzt muss sie sich entscheiden. Wer oder was soll ihr in Zukunft in der Altersarmut helfen?
Spendenaktion für unsere Protagonisten
Anteilnahme hat uns überwältigt
Die Anteilnahme an den Schicksalen der drei Protagonisten der 37° Doku "Zum Leben zu wenig - wenn die Rente nicht mehr reicht" und die damit verbundene Spendenbereitschaft hat uns überwältigt. In den vergangenen Tagen sind über 300 Briefe, E-Mails und Anrufe bei uns eingegangen. Alle möchten Frau Sch., Herrn N. oder Frau N. helfen.
Wir werden ein Spendenkonto einrichten. Sie können jedem Protagonisten Ihre Spende direkt zukommen lassen, wenn Sie im Betreff der Überweisung den Namen des jeweiligen Protagonisten eingeben. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir leider keine Sachspenden entgegen nehmen können. Die Bilder von Herrn N. können in Kürze ersteigert werden. Details zu den Versteigerungen werden wir hier und über die Facebook-Seiten von 37 Grad und Wellenreiter.tv bekanntgeben.
Keine Sachspenden, nur Geldspenden
Da wir keinen Spender bevorzugen möchten, haben wir uns entschieden, nur Geldspenden entgegen zu nehmen und direkt an die jeweiligen Empfänger weiterzuleiten. Uns liegen zum Beispiel allein acht Angebote vor, Herrn N. die Prüfung bei der IHK zu bezahlen. Sehr viele möchten Frau Sch. ins Theater einladen oder ihr ein Theater-Abo schenken.
Durch die Einrichtung des Spendenkontos kommt Ihre Hilfe direkt bei dem jeweiligen Protagonisten an. Das Spendenkonto wird von einem Treuhänder verwaltet. Als Treuhänder haben wir Herrn Pfeiffer von der Tafel in Gummersbach eingesetzt. Bitte beachten Sie, dass das Spendenkonto bis zum 31. Mai 2012 geöffnet ist.
Spendenkonto - Empfängernamen eingeben
Empfänger: Oberbergische Tafel e.V., Gummersbach
Konto-Nr.: 024180200 BLZ: 384 700 24
Deutschen Bank Gummersbach
Überweisungen aus dem Ausland:
IBAN: DE71384700240024180200 und BIC/SWIFT: DEUTDEDB384
Betreff: Bitte geben Sie hier den Name des Protagonisten an, dem Sie spenden möchten: "Spende für ..."
Danke für Ihre Unterstützung!
Wir können Ihnen versichern, dass Frau Ilse Sch. sich von den Spenden direkt ein Theater-Abo kaufen wird und mit den weiteren Spenden ihren Alltag etwas angenehmer gestalten wird. Herr Harri N. wird als erstes die Prüfung bei der IHK ablegen, um wieder aktiv am Berufsleben teilzunehmen. Und wenn er wieder mehr Geld zur Verfügung hat, kann er abends das Licht brennen lassen und muss keine Flaschen mehr sammeln. Und auch Frau Christine N. werden die Spenden helfen, die Schulden zurückzuzahlen und den Alltag leichter zu leben. Wir möchten Ihnen - auch im Namen der drei Protagonisten - ganz herzlich für Ihre Unterstützung danken.
Redaktion wellenreiter.tv
Sparen, sparen, sparen
Jeden Abend gehen bei Harry N. die Lichter aus. "So spare ich im Monat rund zwölf Euro", erzählt der 75-Jährige, während er die Deckenbeleuchtung in seiner kleinen Wohnung ausknipst. Danach dreht seine zittrige Hand die Kurbel einer Akkulampe, bis das Lämpchen ganz schwach die Umrisse seines ärmlichen Wohnzimmers ausleuchtet. Eine Stunde lang, dann geht die Lampe aus und Harry N. muss wieder kurbeln. "Zum Lesen reicht das nicht, da muss ich dann noch Kerzen anzünden. Es ist erbärmlich, aber Hauptsache, ich spare. Die Rente reicht einfach nicht bis zum Monatsende."Jetzt will Harry N. raus aus seinem Elend. Endlich wieder in Würde leben. Ohne Tafel. Ohne Flaschen sammeln. "Wenn ich nur 400 Euro mehr hätte, das wäre Luxus", schwärmt er. Er plant, einen Job zu finden. Aber wer wird den 75-Jährigen noch nehmen?Die Rente reicht einfach nicht
So wie Harry N. geht es Tausenden von Rentnern in Deutschland. Auch Ilse Sch. hat viel zu wenig zum Leben. Ihr Mann muss seit ein paar Jahren gepflegt werden, und das Heim wird von der Rente bezahlt. Wenn die ehemalige Feinkostfachverkäuferin sich ein gutes Stück französischen Camembert leisten will, muss sie auf zwei Abendessen verzichten, erzählt die 85-Jährige. Einmal im Monat geht sie ins Theater. Dafür lässt sie dann drei Tage das Essen ausfallen."Das strecke ich dann über den Monat, also konsumiere in drei Wochen einen Tag gar nichts, trinke nur Leitungswasser. Das ist ein mieses Gefühl, und manchmal denke ich: Lieber Gott, lass mich morgen nicht mehr aufwachen." Eigentlich hätte Ilse Sch. sogar noch etwas Geld, ein Sparbuch mit 2.000 Euro. Aber das hält sie eisern zurück. Für die Beerdigung ihres Mannes.Die Protagonisten sagen DANKE!
Harri Nowitzki
"Tränen der Freude stehen mit jetzt noch in den Augen. Ich habe den Glauben an die Liebe der Menschen wieder erlangt. Darum möchte ich ein herzliches Dankeschön sagen. Besonders an diejenigen, die nicht so üppig vom „Wohlstand“ und ihrer Rente leben, aber auch gespendet haben. Danke auch an unsere ausländischen Mitbürger, die sich rege beteiligten.
Danke auch an das ZDF, die Tafel in Gummersbach und dem Kamerateam von Wellenreiter, Köln - ohne sie alle wäre ein Blick in die Wirklichkeit nicht möglich gewesen. Danke! Danke! Danke!"
Harri Nowitzki
Ilse Schulz
"Überwältig von der großen Hilfe, welche mir die Zuschauer der ZDF Sendung 37° im April dieses Jahres zukommen ließen, möchte ich mich bei Ihnen allen sehr herzlich bedanken. Inzwischen ist mein Mann heimgegangen, erlöst von der Qual auch ich, und Dank Ihrer Unterstützung konnte ich ohne die Hilfe des Sozialamtes ein gutes Begräbnis selbst bezahlen. Außerdem kann ich Dank Ihrer aller Hilfe im nächsten Jahr die ersehnte Nordlandfahrt antreten. Danke, Danke, Danke."
Ihre beschämte Ilse Schulz
Christine Nürnberg
"Für die Dokumentation hat das Team mich einige Zeit begleitet. Wie ich versucht habe, mein Leben mit einer kleinen Rente in den Griff zu bekommen. Ich bin durch keinen guten Einfluss und unüberlegtes Kaufen in die Schuldenfalle geraten. Dies hat bei vielen Zuschauern eine Spenden-Aktion ausgelöst. Ich bin von Herzen gerührt, wie viele Menschen Anteil an meinem eingeschränkten Leben genommen haben. Ich möchte mich auf diesem Wege bei allen Spendern von ganzem Herzen bedanken. Mit diesem Geld kann ich mein Leben wieder etwas in die richtigen Bahnen bringen. Ich bin unendlich glücklich."
Ihre dankbare Christine Nürnberg
Altersarmut wächst rasant
Drei Schicksale, die für eine massenhafte und ernüchternde Entwicklung in Deutschland stehen. Altersarmut wächst rasant. 37 Grad erzählt, wie der "wohlverdiente Ruhestand" für manche aussieht, wie die Menschen unter der Armut leiden und wie sie versuchen, sich mit letzter Kraft gegen ihr Schicksal zu stemmen.

