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Die Deutschen: Robert Blum  | Sendung vom 18.11.2008 [Archiv] Robert Blum

Deutscher Parlamentarier wird 1848 hingerichtet

Ein unbekannter Held der deutschen Geschichte: Robert Blum, Kämpfer für Demokratie und Freiheit in der Revolution des Jahres 1848. Er war einer der wichtigsten Wortführer in der ersten gesamtdeutschen Volksvertretung, der Paulskirchenversammlung. Im politischen Frühling Deutschlands setzte er sich gegen ungerechte Herrschaftsbedingungen und für einen einheitlichen Staat ein.  

Vom Handwerker zum Revolutionär

Sein Werdegang war eng mit dem Schicksal der ersten deutschen Revolution verknüpft: Blum starb den Märtyrertod in Wien, der Volksaufstand wurde niedergeschlagen. Sein Kampf für die Demokratie ist heute in Vergessenheit geraten. Doch wurde im Jahr 1848 der Grundstein gelegt für die parlamentarische Demokratie unserer Zeit.
Robert Blum, Mitglied der Nationalversammlung 1848/49.
Robert Blum (Quelle: dpa)

Robert Blum stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Der Sohn eines Dienstmädchens und eines Fassbinders verdingte sich den Lebensunterhalt zunächst als Handwerker. Die materielle Not der Familie sollte ihn lebenslang prägen. Sein Ausweg war die Welt der Bücher. Mit außergewöhnlicher Begabung und großem Ehrgeiz bildete sich Blum selbst weiter und schaffte so die Grundlage für seinen späteren Aufstieg in das Bürgertum. Als Handlungsreisender fuhr er nach seinen Gesellenjahren durch die zersplitterten deutschen Lande: der Deutsche Bund war ein lockerer Verband von Territorien, in denen der selbstherrliche Adel regierte. Die Fürsten und Herzöge stellten sich den Forderungen nach mehr politischer Teilhabe des Bürgertums und einem einheitlichen Staat entgegen.

Nach seinen Reisen, Anfang der 30er Jahre, arbeitete Robert Blum als Theaterangestellter in Leipzig. In diese Zeit fallen auch seine ersten literarischen Gehversuche und frühe politische Schriften. In Leipzig heiratete er 1840 Eugenie Günther, eine politisch sehr interessierte Frau und die Schwester seines Freundes und Weggenossen Georg Günther.

"Umstürzlerische Tendenz"

Robert Blum begann seine politische Karriere als Journalist und Redner. Er war Redakteur und Herausgeber politischer Zeitungen wie der Sächsischen Vaterlandsblätter, die auf Grund ihrer "umstürzlerischen Tendenzen" sogar dazu führten, dass Blum inhaftiert wurde. Doch konnte dies Blums Willen, die politischen Verhältnisse im Deutschen Bund zu verändern, nicht bremsen. So schrieb er aus der Haft an seine Schwester Margarete: "Es hätte nie ein Christentum u. eine Reformation u. keine Staatsrevolution u. überhaupt nichts Großes u. Gutes gegeben, wenn jeder stets gedacht hätte: 'Du änderst doch nichts!'"

Und Blum handelte: Er gründete politische Vereine und machte sich auf deren Versammlungen als Redner über Leipzig hinaus einen Namen. 1846 trat er ins Leipziger Stadtverordnetenkollegium ein. Zudem war er Mitglied des so genannten Hallgarten-Kreises, dem die führenden Köpfe der liberalen Bewegung in den deutschen Landen angehörten, wie Heinrich von Gagern oder Johann Jacoby. Auf den geheimen Treffen waren sich die Vorkämpfer der Freiheitsbewegung einig, dass der Deutsche Bund reif für einen Umsturz war.

Führer der linken Fraktion

Als 1848 Sachsen die Nachricht von der Februarrevolution in Paris erreichte, setzte Blum sich an die Spitze der politischen Aufbruchstimmung dieser Tage: Vom Balkon des Leipziger Rathauses hielt er eine umjubelte Rede, in der er die Absetzung der konservativen sächsischen Regierung und die Durchführung von Wahlen forderte. Er wurde in die verfassungsgebende Nationalversammlung gewählt und reiste nach Frankfurt, wo die erste deutsche Demokratie aus der Taufe gehoben werden sollte.

Robert Blum war der unbestrittene Führer der linken Fraktion in der Frankfurter Nationalversammlung. Sie setzte sich im Gegensatz zu den gemäßigten Liberalen für eine radikale Abkehr von der Monarchie und die Einrichtung einer Republik mit ständig tagendem Parlament ein. Den Versuch einiger seiner Mitstreiter, die Republik auf gewaltsamen Weg außerhalb der Paulskirche zu erzwingen, lehnte Blum ab. Doch wurde mit dieser verzweifelten Aktion der Radikalen der Graben zu den Gemäßigten des Parlaments offenbar, die den Schritt zur Republik nicht mitmachen wollten und an denen das Wagnis Demokratie der Paulskirchenversammlung letztlich scheitern sollte.

In Wien zum Tode verurteilt

Als im Oktober 1848 erneut Unruhen in Wien aufflammten, wurde Robert Blum zum Leiter einer Delegation der linken Fraktion der Nationalversammlung ernannt und reiste sofort in die österreichische Metropole, um die dortigen Freiheitskämpfer im Kampf gegen die kaiserlichen Truppen zu unterstützen. In radikalen Reden feuerte er die Wiener Revolutionäre an und trat selbst als Kommandeur mit an die Spitze des Aufstands. Doch die Verteidigung der Stadt gegen die Truppen des Kaisers war ein hoffnungsloses Unterfangen, und Robert Blum wurde arrestiert. In einem zweistündigen Prozess wurde er wegen aufrührerischer Reden und Teilnahme an der Verteidigung Wiens zum Tode verurteilt. Am 9. November 1848 wurde Robert Blum standrechtlich erschossen.

Blums Hinrichtung löste einen Sturm der Trauer und Entrüstung in den deutschen Landen aus. Sein Tod markierte das Ende der parlamentarischen Idee in Deutschland. In Österreich hatte die monarchische Gewalt ihre Herrschaft zurückerobert und machte die Fortschritte der Märzrevolution schrittweise wieder rückgängig. Das Frankfurter Parlament war - ohne Exekutive und ohne Truppen - im Konfliktfall machtlos.

Das Vermächtnis von 1848 war eine Verfassung mit demokratischen Grundrechten, an die sowohl die Weimarer Verfassung von 1918 als auch die Gründungsväter unseres heutigen Grundgesetzes anknüpften. Robert Blum und sein Kampf für Freiheit und Demokratie waren eine entscheidende Triebfeder für das Zustandekommen dieser ersten demokratischen Verfassung auf deutschem Boden.

18.11.2008

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