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Vor 40 Jahren: das Attentat von München  Die schwärzesten Stunden von München

Während der Olympischen Spiele 1972 sterben elf Israelis durch Terroristen

Der Traum von fröhlichen Olympischen Spielen platzt jäh: Am frühen Morgen des 5. September 1972 dringen acht palästinensische Terroristen in das Quartier der israelischen Mannschaft ein und nehmen einige Sportler als Geiseln. Der Tag endet tragisch. 

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Unbeschwert und heiter – so sollten die Olympischen Sommerspiele von München 1972 werden: keine übergroße Polizeipräsenz, keine Uniformen. Absperrungen durch Stacheldraht und bissige Hundestaffeln passen nicht zum Bild der weltoffenen Spiele in München. Stattdessen Leichtigkeit und Lebensfreude.

Ende der vergnüglichen Spiele

Attentäter auf dem Balkon im Olympischen Dorf
Ein Attentäter auf dem Balkon im olympischen Dorf (Quelle: ap)
 Doch am elften Wettkampftag enden die vergnüglichen Tage in München jäh: Im Morgengrauen des 5. September verschaffen sich acht palästinensische Attentäter Zugang zum olympischen Dorf. Sie klettern über den Zaun aufs Gelände und dringen ins Quartier der israelischen Mannschaft ein.

Tuwia Sokolsky, damaliger israelischer Olympia-Teilnehmer, berichtet später im ZDF: „Morgens um 4.30 Uhr konnte man Schreie hören. Ich sprang aus dem Bett. Ich konnte einen maskierten Terroristen mit einer Kalaschnikow sehen. Ich habe sofort verstanden, was los ist. Mit Gewalt habe ich dann das Fenster aufgebrochen und sprang raus.“ Ringertrainer Moshe Weinberg wird das erste Opfer der Terroristen. Sie erschießen den Sportler bei einem Fluchtversuch. Auch der israelische Gewichtheber Josef Romano wird angeschossen und erliegt später seinen Verletzungen.

Kein Sicherheitskonzept

Weitere neun Geiseln werden von den Terroristen im Olympischen Dorf gefangen gehalten. „Ich empfinde das heute noch als eine der schwersten Krisen in der deutschen Nachkriegsgeschichte, was die Sicherheitsorgane betraf“, beschreibt Ulrich Wegener, 1972 Sicherheitsberater im Innenministerium und später Gründer der Antiterroreinheit GSG9, die Stunden der Geiselnahme und deren fatales Ende. Die Sicherheitsbeamten hatten vor Beginn der Spiele einen möglichen Terroranschlag eher auf die leichte Schulter genommen; auf das, was nun kommen sollte, ist man nicht vorbereitet.

Die Attentäter stellen ihre Forderung: Unter anderem sollen über hundert namentlich in einer Liste erwähnte Palästinenser aus israelischen Gefängnissen und die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof freigelassen werden - im Austausch gegen die neun israelischen Geiseln.

Verhandlungen mit Terroristen

Ein Krisenstab wird zusammengerufen, er besteht aus dem Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher, dem Polizeipräsidenten Manfred Schreiber, dem Bürgermeister des olympischen Dorfes Walther Tröger und dem bayerischen Innenminister Bruno Merk. Doch sie kennen die Terroristen kaum, die Verhandlungen führt ein gewisser „Issa“, der zehn Jahre in Deutschland gelebt hatte. Und aus Israel kommt die Nachricht, auf die Erpressung auf keinen Fall eingehen zu wollen. „Sollten wir nachgeben, dann ist kein Israeli auf der ganzen Welt jemals mehr seines Lebens sicher. Das ist Erpressung der schlimmsten Sorte“, so die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir.

Also bereiten sich gewöhnliche Schutzpolizisten auf die heikle Geiselbefreiung vor, doch der Rettungsplan misslingt. Ulrich Wegener: „Das waren eher hilflose Versuche. Wir hatten weder Spezialeinheiten noch Scharfschützen noch irgendwelche Spezialisten, die in der Terrorismusbekämpfung Erfahrung hatten.“

Ende in Fürstenfeldbruck

 
Ausgebrannter Hubschrauber in Fürstenfeldbruck
Ausgebrannter Hubschrauber in Fürstenfeldbruck (Quelle: dpa)
Währenddessen gehen die Spiele weiter, erst um 15.38 Uhr lässt IOC-Präsident Avery Brundage die Wettkämpfe unterbrechen. Am späten Nachmittag dann eine neue Forderung: Die Terroristen wollen nach Kairo ausgeflogen werden. Zwei Hubschrauber bringen Terroristen und israelische Geiseln nach Fürstenfeldbruck. Geplant ist, dass Polizisten im Flugzeug die Attentäter überwältigen. Doch die Aktion wird abgebrochen.

Gegen 22.30 Uhr sieht Bruno Merk vom Krisenstab die Chance auf einen Zugriff und befielt: „Feuer frei!“ Es folgt ein Schusswechsel auf dem Rollfeld des Flughafens. Und dann Stille, so erinnert sich Ulrich Wegener: „Es war eine gespenstische Ruhe da – es müsste doch nun was passieren, es müssten Kräfte eingesetzt werden, die nachstoßen und nun zur Befreiung der Geiseln eingesetzt werden.“ Aber der Sturm auf die Hubschrauber erfolgt nicht. Stattdessen jagen die Terroristen per Handgranate einen Hubschrauber mit vier Israelis in die Luft, auch die Geiseln in dem anderen Hubschrauber werden getötet.

Die Gründung der GSG9

Als Reaktion auf das Attentat von München 1972 und die misslungenen Polizeieinsätze wird noch im September 1972 die Spezialeinheit GSG9 gegründet. Das Innenministerium beauftragt Ulrich Wegener damit, eine auf Antiterrorkampf und Geiselbefreiung spezialisierte Einheit ins Leben zu rufen. Der größte Erfolg der GSG9 ist die Beendigung der Entführung des Flugzeugs "Landshut" 1977 in Mogadischu.

Die traurige Bilanz: elf ermordete Israelis, ein deutscher Polizist, der durch einen Querschläger tödlich getroffen wird und fünf tote Terroristen. Am Morgen danach, am 6. September, findet im Münchner Olympiastadion die Trauerfeier für die Toten statt. Danach heißt es „The games must go on“, die Olympischen Spiele gehen weiter.

05.09.2012, Quelle: Mit Material von ZDF

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