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Milliardenschaden durch Zinsmanipulationen

Geschädigte Kommunen wollen Geld zurück

Jahrelang haben skrupellose Banker den wichtigsten Zinssatz der Welt, den so genannten Libor, manipuliert. Der wird täglich in London festgelegt und ist Basis für ein Marktvolumen von mindestens 300 Billionen Dollar. 

"Ein Relikt vergangener Tage"

Philipp Dobbert, Chefvolkswirt der Quirin Bank, erklärt im Frontal21-Interview, wie der Referenzzins "Libor“ festgelegt wird. Der Banker hält das Verfahren für veraltet und kritisiert, dass Libor-Manipulationen bis heute möglich sind. Denn am Verfahren zur Bestimmung des Leitzinses habe sich nichts geändert.

(18.09.2012)

Joachim Bartz und Reinhard Laska

Libor-Zinssatz / Quelle: zdf
Libor-Zins (Quelle: zdf)
Selbst kleinste Veränderungen am Libor haben große Wirkungen. Analysten der australischen Investmentbank Macquarie schätzen, dass Investoren mit Geldanlagen, deren Verzinsung am Libor hängen, 176 Milliarden Dollar zu wenig Zinsen erhalten haben.

Banken, gegen die jetzt wegen des Verdachts auf Libor-Manipulationen ermittelt wird, droht eine Prozesslawine auf Schadensersatz. In den USA wurden bereits 20 internationale Großbanken verklagt, darunter die West LB und die Deutsche Bank. Auch viele deutsche Kommunen fühlen sich bei hochriskanten Swap-Geschäften getäuscht. Sie wollen nun eine Rückabwicklung dieser Geschäfte verlangen.

Reform des Libor-Systems

Inzwischen hat die britische Bankenaufsicht FSA angekündigt, Konsequenzen aus dem Manipulationsskandal zu ziehen. "Das System ist kaputt und benötigt eine komplette Überarbeitung", sagte Martin Wheatley von der FSA. Wheatley hatte im Auftrag des britischen Finanzministeriums eine Untersuchung des Systems angestellt und Ende vergangener Woche seinen Abschlussbericht vorgelegt.

Die Überwachung der Zinsermittlung werde der British Banking Association (BBA) und damit der Selbstkontrolle der Bankenbranche entzogen, heißt es in dem Bericht Wheatleys. Künftig soll ein unabhängiges Gremium darüber wachen. Darüber hinaus sollen Verstöße gegen die Liborregeln künftig strafrechtlich verfolgt werden können. Ferner sollen mehr Banken als bisher an dem Ermittlungsverfahren beteiligt werden, um Manipulationen zu erschweren. Frontal21 über einen weiteren Bankenskandal, der das Vertrauen in die Finanzwelt erschüttert.

Was ist Libor?

Der Libor ist der wichtigste Referenzzinssatz. Er zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen können. An diesem Zins orientieren sich zahlreiche andere Geldgeschäfte, wie Derivate oder Hypotheken. Bisher kam der der Referenzzinssatz so zustande: Einmal täglich melden die wichtigsten internationale Banken dem britischen Bankenverband Schätzungen über die Zinsen, zu denen sie sich von anderen Banken ohne Sicherheiten Geld leihen könnten. Die höchsten und niedrigsten vier Schätzungen werden bei der Berechnung ausgeklammert.

Forum: Können wir den Banken noch vertrauen?

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01.10.2012, Quelle: zdf

Sendetermine


28. Mai 2013 21:00


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