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Sendung vom  | 02.09.2012  Skandal Schule

Macht Lernen dumm?

Premiere im ZDF: Der Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht startet seine neue Sendung "Precht" mit einem Thema, das nach dem Ende der Sommerferien und dem Beginn des neuen Schuljahres und Uni-Semesters Eltern und ihren Kindern auf den Nägeln brennt. In seinem neuen Philosophieformat fragt sich Precht: Was taugt unser Bildungssystem? 

Macht Lernen dumm?

In seiner ersten Sendung sprach Richard David Precht mit dem Hirnforscher und Schulkritiker Gerald Hüther über den "Skandal Schule". Was läuft warum falsch in unserem Bildungssystem?

(02.09.2012)

Von Werner v. Bergen/Gero v. Boehm

Gerald Hüther (re.) und Richard David Precht
In seiner ersten Sendung empfängt Richard David Precht (li.) Gerald Hüther. (Quelle: ZDF/Cristian Pirjol)
Zu Gast ist der renommierte Neurobiologe, Hirnforscher und Bildungskritiker Gerald Hüther. Die Schule, wie wir sie kennen, ist am Ende – sagt er. Die falschen Leute bringen unseren Kindern die falschen Dinge nach den falschen Methoden bei. Dabei wisse die Hirnforschung heute viel besser, was Lernen ausmacht und Bildung gelingen lässt. Denn Bildung, so Hüther, ist etwas anderes als das Auswendiglernen von Mathe, Englisch und Deutsch.

Wissenschaftler und Autor

Doch was steht einer dringend notwendigen, umfassenden Bildungsrevolution im Wege? Warum ist unser Bildungssystem so wenig lernfähig? Warum bringen wir unsere Schulen und Hochschulen nicht auf die Höhe unseres Wissens über das Lernen? Vielleicht liegt es daran, dass ein völlig verändertes Bildungssystem, das nicht nur jedem eine gerechte Chance gibt, sondern kreative, eigenständige und unbequeme Persönlichkeiten hervorbringt, zugleich eine ganz andere Gesellschaft voraussetzt oder entstehen lässt? Das jedenfalls meint Richard David Precht. In der ersten Ausgabe von „Precht“ steht unser Bildungssystem, stehen alte Gewissheiten auf dem Prüfstand.

Gerald Hüther
Gerald Hüther (Quelle: imago)
Gerald Hüther
, 1951 in Emleben bei Gotha geboren, zählt zu den bekanntesten Hirnforschern Deutschlands und ist zudem als Autor wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Werke bekannt geworden. Er leitet die Zentralstelle für neurobiologische Präventionsforschung der Psychiatrischen Universitätsklinik Göttingen und des Instituts für Public Health der Universität Mannheim/Heidelberg.

Brachliegendes Potenzial

Bevor er sich auf die Neurobiologie spezialisierte, studierte er Biologie in Leipzig und Jena. Nach seiner Promotion floh er aus der DDR mit selbst gefälschten Visastempeln im Reisepass über mehrere osteuropäische Staaten in die Bundesrepublik. Dort angekommen, setzte er seine akademische Laufbahn am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen fort. Hier erforschte er zehn Jahre lang Hirnentwicklungsstörungen. 1988 habilitierte er sich im Fachbereich Medizin an der Universität Göttingen und erhielt die Lehrerlaubnis für Neurobiologie. Zwei Jahre später wurde er mit dem Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. Mit dem fünfjährigen Stipendium konnte er die Abteilung für neurobiologische Grundlagenforschung an der Psychiatrischen Klinik der Universitätsmedizin in Göttingen aufbauen, die er bis 2006 selbst leitete.

Hüther versteht sich als „Brückenbauer“ zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlicher bzw. individueller Lebenspraxis. Hüthers öffentliches Engagement zielt insbesondere darauf ab, eine gesellschaftliche Basis zu schaffen, die es Menschen und insbesondere Kindern und Jugendlichen ermöglicht, ihr Potenzial bestmöglich zu entfalten. Zu seinen letzten Veröffentlichungen zählen: „Männer. Das schwache Geschlecht und sein Gehirn.“ (Göttingen 2009), „Die Macht der inneren Bilder. Wie Visionen das Gehirn, den Menschen und die Welt verändern“ (Göttingen 2011), „Was wir sind und was wir sein könnten: Ein neurobiologischer Mutmacher“ (2011). 2012 erscheint sein neuestes Buch in Zusammenarbeit mit Uli Hauser mit dem Titel „Jedes Kind ist hoch begabt“. Hüther ist selbst Vater eines Sohnes und einer Tochter.

Sendungsinformationen

Gastgeber:          Richard David Precht

Regie:                  Gero von Boehm

Redaktion:           Susanne Becker,  Werner v. Bergen

Online-Redaktion: Harald Grimm

Wiederholungen: 3sat am 8. September, 22.50 Uhr

                          ZDF-Kultur, 9.September,18:45 Uhr

02.09.2012

ZDFmediathek: Precht

  • Precht | 19.10.2014, 00:00Nachtprogramm

    Die Zukunft der Arbeit

    Richard David Precht spricht mit Internetvordenker Sascha Lobe über die Frage: Was wird aus den ... VIDEO

  • Precht | 07.09.2014, 23:55

    Gabor Steingart bei Precht

    Über Datenkraken und das Ende der Privatsphäre spricht Richard David Precht mit dem Herausgeber des ... VIDEO

  • Precht | 27.07.2014, 00:00Nachtprogramm

    Hans Werner Ingensiep bei Precht

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  • Precht | 08.06.2014, 23:50

    Klaus von Dohnanyi bei Precht

    Über die Wiederkehr des Nationalstaats und des Nationalismus - ausgehend von der Ukraine-Krise - ... VIDEO

  • Precht | 16.02.2014, 00:05Nachtprogramm

    Christopher Clark bei Precht

    Der Historiker und Bestsellerautor Professor Clark ist diesmal Gast von Precht. Thema: Warum brach ... VIDEO

Schulprojekt von Gerald Hüther

Weitere Links zum Thema

Prechts Literaturtipps zum Thema

Heinz Bude: Bildungspanik

Buchcover Heinz Bude: Bildungspanik

Heinz Bude

Bildungspanik. Was unsere Gesellschaft spaltet

Broschierte Ausgabe, 144 Seiten

Hanser Verlag, 2011

ISBN: 3446237615

14,90 Euro

 

Eine kluge Analyse der gegenwärtigen Debatte um Bildung und Bildungspolitik, elegant geschrieben und ausgewogen. In der Kürze ein hervorragender und pointierter Überblick.

Bruno Preisendörfer: Das Bildungs-Privileg

Buchcover Bruno Preisendörfer: Das Bildungs-Privileg

Bruno Preisendörfer

Das Bildungs-Privileg. Warum Chancengleichheit unerwünscht ist,

Broschierte Ausgabe, 191 Seiten

Eichborn Verlag, 2008

Vergriffen, nur noch antiquarisch erhältlich

 

Preisendörfer entlarvt das Reden über Chancengerechtigkeit und Bildung für alle als eine doppelzüngige Diskussion. Als Kind aus einer Arbeiterfamilie weiß er sehr genau, dass Bildung in der Bundesrepublik nicht ein Bildungsziel für jeden sein soll. Sie ist  auch ein Selektionskriterium, das die Kinder des Bürgertums von den Kindern der Unterschicht trennen soll.

Gerhard Roth: Bildung braucht Persönlichkeit

Buchcover Gerhard Roth: Bildung braucht Persönlichkeit

Gerhard Roth

Bildung braucht Persönlichkeit. Wie Lernen gelingt

Gebundene Ausgabe, 354 Seiten

Klett-Cotta Verlag, 2011

ISBN: 3608946551

19,95 Euro

 

Aus der Perspektive eines Neurobiologen untersucht Gerhard Roth das Lernen. Besonders wichtig dafür sind Motivation und Emotion, die in der wissenschaftlichen Pädagogik lange unterschätzt wurden. Erst wenn es uns gelingt, Lernen und Lehren als den Austausch von Persönlichkeiten zu verstehen und nicht als ein Implementieren von Stoff im Kindergehirn, werden wir unsere Pädagogik revolutionieren können.

G. Hüther/U. Hauser: Jedes Kind ist hoch begabt

Buchcover Gerald Hüther/Uli Hauser: Jedes Kind ist hoch begabt

Gerald Hüther/Uli Hauser

Jedes Kind ist hoch begabt. Die angeborenen Talente unserer Kinder und was wir aus ihnen machen

Gebundene Ausgabe, 192 Seiten

Knaus Verlag, 2012

ISBN: 3813504484

19,99 Euro

 

Der Neurobiologe Gerald Hüther kritisiert unsere weit verbreiteten Vorstellungen von Begabung. Seiner Ansicht nach ist jedes Kind begabt, weil es auf seine ganz eigene Weise besondere Wege und Lösungen findet, um sich im Leben zurechtzufinden. Diese angeborene Neugier und Kreativität sollte in den Schulen gefördert werden, statt sie einzuebnen und zu zerstören. 

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