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Terra X: Faszination Erde  Die Quellen des Amazonas

Vom ewigen Schnee zum größten Regenwald der Welt

Der wasserreichste Fluss der Erde, der Amazonas, ist die Lebensader des gesamten nördlichen Südamerikas. Landschaften, die vielfältiger nicht sein könnten, werden von dem mächtigen Strom geprägt. Aus den eisigen Höhen der Anden ergießt sich das Wasser bis hinab ins Tiefland Brasiliens - in das größte Regenwaldgebiet der Erde.  

Dirk Steffens paddelt mit einem Boot auf dem Amazonas

Reise zu den Quellen des Amazonas

Von den eisigen Anden bis zum feuchtheißen Amazonasregenwald: Dirk Steffens und das Faszination-Erde-Team des ZDF auf Drehreise in Peru

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(27.06.2012)

Andengipfel mit Schnee
Die Geschichte des Amazonas beginnt in den peruanischen Anden. (Quelle: ZDF)

Die am weitesten von der Mündung entfernte Quelle des Amazonas befindet sich in über 5000 Meter Höhe in den peruanischen Anden, inmitten eis- und schneebedeckter Gipfel. Hier entspringt der Río Hornillos, dessen Gletscherwasser sich auf seinem Weg nach Norden mit weiteren eisigen Strömen verbindet und sich so seinen Weg durchs Hochland bahnt. Am Fuße der Anden passiert er das Tor zum Amazonastiefland, dem größten zusammenhängenden Regenwald der Erde.

Fluss fließt vom Berg- ins Tiefland
Am Fuße der Anden öffnet sich das Tor zum Tiefland. (Quelle: ZDF)

Anpassungen an die Regenzeit

Das Flusssystem des Amazonas ist Heimat für eine unvergleichliche Artenvielfalt. Hier leben mehr Fischarten als im Atlantik. Der Strom führt mehr Wasser als alle Flüsse Europas zusammengenommen. In der Regenzeit erreichen die Wassermassen im Amazonasregenwald ihren Höhepunkt. Dann können sturzflutartig bis zu sechs Meter Regen pro Quadratmeter fallen. Die Niederschläge sammeln sich im flachen Amazonasbecken und überschwemmen große Gebiete des Waldes. Dank raffinierter Anpassungen können sich Tiere und Pflanzen in der Flut behaupten. Die Bäume am Amazonas nutzen die Regenzeit, um ihre Samen vom Wasser flussabwärts verbreiten zu lassen.

Fisch schluckt eine Nuss
Der Pacu-Fisch verschluckt Samen und verbreitet sie so. (Quelle: nhnz)
Es gibt sogar einen Fisch, den bis zu 30 Kilo schweren Schwarzen Pacu, der die Samen von Früchten verzehrt und viele Kilometer entfernt wieder ausscheidet. An seinem neuen Standort keimt das Samenkorn unter günstigen Bedingungen dann aus. Und noch eine verblüffende Überlebensstrategie hat sich hier entwickelt: Normalerweise sterben Wurzeln von Bäumen ab, die lange im Wasser stehen, weil sie keinen Sauerstoff bekommen. Doch Amazonasbäume können monatelange Fluten überstehen. In ihren Wurzeln bildet sich ein lockeres Durchlüftungsgewebe. Dort, wo die Pflanzen aus dem Wasser ragen, nehmen sie Sauerstoff aus der Luft auf. Er gelangt in den Hohlräumen hinunter bis in die Wurzeln.

Zeit des Überflusses

In der Trockenzeit sechs Monate später verändert sich das Leben im Amazonasgebiet dramatisch. Unter der sengenden Tropensonne erreicht der Amazonas seinen Tiefstand. Der Wasserspiegel sinkt um bis zu 15 Meter, Sandbänke tauchen auf. Es entstehen Lagunen, in denen die Fische eingekesselt sind. Dicht zusammengedrängt, werden sie zur leichten Beute für Kaimane und andere Räuber. Auch die Menschen haben jetzt keine Mühe, ihre Netze zu füllen.

Arapaima unter Wasser
Der Arapaima ist einer der größten Süßwasserfische der Erde. (Quelle: nhnz)

Einer der begehrtesten Speisefische ist der Arapaima. Er wird etwa zwei Meter lang und zählt damit zu den größten Süßwasserfischen der Erde. Sein Körper ist mit harten Schuppen gepanzert, denen selbst Piranhabisse nichts anhaben können. Doch der wehrhafte Jäger wird oft selbst zum Gejagten. Aufgrund von Überfischung ist er in weiten Gebieten des Amazonashauptstroms bereits ausgerottet.

Amazonasriesen aus dem Zuchtbecken

Der Arapaima, ein tropischer Süßwasserfisch aus der Familie der Knochenzüngler, auch Paiche oder Pirarucu genannt, soll historischen Berichten zufolge bis zu 4,50 Meter groß geworden sein. Inzwischen sind solche Riesenexemplare nicht mehr auffindbar. Um den Druck von den Populationen zu nehmen und den Amazonasriesen vor dem Aussterben zu bewahren, züchtet man ihn nun in Fischfarmen. Dabei gibt es jedoch einige Herausforderungen. Zum Beispiel lässt sich das Geschlecht der Tiere nur per Blutprobe bestimmen. Forscher haben dazu zwei Tests entwickelt: Der eine misst die Konzentrationen von weiblichen und männlichen Geschlechtshormonen, der andere weist ein spezielles Protein nach, das nur in den Lebern erwachsener weiblicher Tiere gebildet wird.

Unterirdischer Amazonas

Das Gefälle im Amazonasbecken beträgt auf einen Kilometer durchschnittlich nur rund vier Zentimeter. Dadurch schiebt sich das Wasser nur langsam vorwärts. Trotzdem spült der Amazonas jede Sekunde fast hundertmal so viel Wasser ins Meer wie der Rhein. Offenbar reicht das aber nicht aus, um das riesige Einzugsgebiet zu entwässern.

Tief unter dem Amazonas haben Wissenschaftler nun eine weitere Wasserströmung entdeckt, die parallel verläuft. In einer Tiefe von bis zu 4000 Meter soll dieser Strom, der sich nach Vermutungen der Forscher seinen Weg durch poröse Sedimentschichten bahnt, über 6000 Kilometer von den Anden bis zum Atlantik zurücklegen. Er transportiert dabei die gleiche Wassermenge pro Sekunde wie der Rhein von West nach Ost. Seine Geschwindigkeit kann sich jedoch nicht an seinem oberirdischen Zwilling messen: Sie entspricht mit 10 bis 100 Metern pro Jahr in etwa der eines Gletschers.

Schwarzwasser und Weißwasser mischt sich (Luftaufnahme)
Ein Naturschauspiel: Schwarzwasser- und Weißwasserzuflüsse mischen sich. (Quelle: ZDF)

Schwarzwasser und Weißwasser

An der Mündung des Rio Negro in den Amazonas bietet sich ein einmaliges Schauspiel. Hier vereinigen sich Schwarzwasser- und Weißwasserzuflüsse. Wie zwei getrennte Flüsse fließen sie kilometerweit nebeneinander her, statt sich zu mischen. Der Grund: Das Weißwasser ist kühler und besitzt eine größere Dichte als das Schwarzwasser. Aber was macht den Rio Negro, den "schwarzen Fluss", so schwarz?

Die Farbe des Wassers erzählt von den Quellen und den Regionen, die es durchfließt. Beim Rio Negro, der im flachen Regenwald im Norden Amazoniens entspringt und über 2000 Kilometer weit ausschließlich durch den Wald fließt, stammt sie von abgestorbenen Pflanzenteilen. Huminstoffe, die sich bei der Zersetzung von Pflanzen bilden, färben das Wasser dunkel und sind auch für seinen sauren pH-Wert verantwortlich. Für das Leben im Wasser ist das nährstoffarme, saure Milieu eine Herausforderung, und es gibt hier weniger Fische als in anderen Flusstypen des Amazonasgebiets.

Aras an einer Ufersteilwand
Wo sich natriumarmer Lehm ablagert, finden sich Aras ein. (Quelle: ZDF)

Wertvolle Schwebstoffe

Weißwasserflüsse dagegen führen eine kostbare Fracht mit sich. Ihre Quellen liegen hoch oben in den Anden. Durch das starke Gefälle im Gebirge ergibt sich eine hohe Fließgeschwindigkeit und damit verbunden eine starke Erosion. Das Wasser reißt große Mengen an Gesteinsmaterial mit sich. Feine Schwebstoffe trüben das Wasser und verleihen ihm eine milchkaffeeähnliche Farbe.

Diese Stoffe werden in den Amazonas gespült und bis in den Atlantik getragen. Sie wirken wie Dünger und spielen eine Schlüsselrolle für das Leben im Amazonasbecken. Von der fruchtbaren Sedimentfracht profitieren auch die Tiere. Aras, Affen und sogar Schwärme von Schmetterlingen lassen sich an Flussufern mit Ablagerungen aus den Anden nieder, um lebenswichtiges Natrium aufzunehmen.

Salzterrassen von Maras
Die Salzterrassen von Maras werden schon seit über 1000 Jahren genutzt. (Quelle: ZDF)

Weißes Gold der Anden

Die Menschen im Hochland nutzen die kostbare Fracht des Wassers schon seit über tausend Jahren: in den Salinen von Maras auf rund 3000 Höhenmetern, die als höchste Salzfarm der Welt gelten. Hier gewinnen die Salineros, die peruanischen Salzbauern, heute noch alljährlich nach dem Ende der Regenzeit das "weiße Gold der Anden". Das warme, mineralstoffhaltige Quellwasser aus dem Berg, die Sole, wird über schmale Rinnen in die terrassenförmig angelegten Salzbecken geleitet. In den sonnenreichen Monaten von Mai bis August verdunstet das Wasser in den flachen Becken rasch. Das Salz bildet Kristalle an der Oberfläche, die mit der Zeit absinken und dann geerntet werden können.

In Maras gibt es 4500 Salzbecken, ein einziges durchschnittlich großes Becken liefert pro Jahr etwa eine Tonne Salz. Dass sich die Salzgewinnung in dieser Höhe lohnt, ist der Entstehungsgeschichte der Anden zu verdanken. Vulkane befördern hier seit über 60 Millionen Jahren Asche und Magma an die Oberfläche. Dabei kristallisieren Minerale in der Gesteinsschmelze und werden mit nach oben transportiert. Leicht lösliche Elemente wie Salze werden aus dem erkalteten Gestein durch Verwitterung ausgewaschen. Regen- und Quellwasser lösen diese Mineralstoffe und spülen sie mit sich fort - auf eine Reise über zweitausend Kilometer bis hinunter ins tropische Tiefland Amazoniens.

29.04.2012

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