Supergrabungen in Deutschland
Deutschlands Supergrabungen (2/2)
Auch im zweiten Teil der Doku-Reihe führt Professor Matthias Wemhoff, Landesarchäologe und Direktor des Neuen Museums in Berlin, durch die Sendung. Seine Zeitreise durch Deutschlands Vergangenheit beginnt mit einem geheimnisvollen Fund aus der Keltenzeit. Ein über 2600 Jahre altes Kammergrab einer Keltenfürstin, das Grabräubern noch nicht zum Opfer gefallen war. Um eine Beschädigung des Grabes zu vermeiden, wurde es mit Beton und Stahl ummantelt und als kompakter 80-Tonnen-Block mit einem Spezialkran auf einen Schwerlaster verladen. In einem schwäbischen Speziallabor legten Experten in monatelanger Feinarbeit die wertvollen Grabbeigaben frei: darunter auch goldene Halsperlen, die die Wissenschaftler auf eine spannende Spur setzten, die sie zu den Etruskern, den Vorfahren der Römer, führten.
5000 Jahre alte Häuser mit Seeblick
Prof. Wemhoffs Reise führt weiter an den Bodensee mit seinen weltweit berühmten Resten von Pfahlbauten aus der Jungsteinzeit. Unterwasserarchäologen suchen im See nach Überresten und hoffen, anhand der Jahresringe der verbauten Stämme das Alter der Siedlungen genauer bestimmen zu können. Bis heute lässt sich nur sagen, dass vor ungefähr 5000 Jahren Häuser mit Seeblick schwer en vogue waren.Am Bodensee stößt Prof. Wemhoff auch auf eine kleine Kuriosität: den Kaugummi der Steinzeit. Eine schwarze Masse aus Birkenpech linderte nicht nur Zahnschmerzen, sondern wurde nach Gebrauch zur Befestigung von Pfeilspitzen verwendet. "Das muss man sich mal vergegenwärtigen: Ein steinzeitlicher Jäger fährt in seinem Einbaum über den See, entdeckt ein Leck und stopft es mit seinem Kaugummi zu", meint der Berliner Archäologe lächelnd.
Himmelsscheibe von Nebra
Auf seiner Tour durch die verschiedenen historischen Epochen Deutschlands, die alle ihre Spuren in der Erde hinterlassen haben, entdeckt Wemhoff nicht nur Deutschlands einzige achteckige Burg, die als Protzprojekt in der Nähe der Stadt Warburg zwei eitle Raubritter berühmt machte, sondern erzählt auch von der abenteuerlichen Ausgrabung der heute weltberühmten Himmelsscheibe von Nebra.
Eines der spannendsten Rätsel für Archäologen ist der Mord an einer Familie vor 4500 Jahren, deren Skelette wie in einer letzten Umarmung dicht aneinandergedrängt in einem Grab in Eulau zum Vorschein kamen. Wemhoff rekapituliert die Details des grausigen Fundes und erklärt, welche Schlüsse Archäologen aus den Artefakten ziehen können.
Luftbildaufnahmen erleichtern Arbeit
Am Ende seiner Expedition zu "Deutschlands Supergrabungen" macht Prof. Wemhoff die Zuschauer mit einer ganz neuen Technologie bekannt, die in den vergangenen Jahren maßgeblich zum Erfolg der Ausgräber beigetragen hat: die Luftbildarchäologie. Mit ihrer Hilfe konnte man nicht nur verborgene Teile des berühmten römischen Limes entdecken. Wemhoff weiß: "Deutschland ist noch voll von Dingen, die unter der Erde liegen. Jede noch so kleine Grabung schreibt eine neue Seite im Buch unserer gemeinsamen Geschichte. Das ist einfach fantastisch."


