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Terra X: Fluch des Pharao  Der Fluch des Aspergillus

Schimmelpilze in Grabkammern als tödliche Gefahr

1973 wurden die Gebeine des mittelalterlichen Jagellonenkönigs Kasimir aus einer Gruft des Wawelschloss geborgen und von einem 14-köpfigen Forscherteam untersucht. Ein Jahr später waren vier der Wissenschaftler tot, weitere acht starben in den nächsten Jahren. Der "Fluch des Kasimir"? Die Parallelen zwischen dem "Fluch des Kasimir" und dem "Fluch des Tutenchenamun" sollten erst Jahre später erkannt werden 

Untersuchung der Ramses-Mumie

Untersuchung der Ramses-Mumie

Auch an der Mumie Ramses II. wurden Schimmelpilze gefunden, hier bei einer Untersuchung unter Leitung von Prof. Ballough (2.v.r.) 1976.

(19.07.2012 Quelle: ZDF/Eberhard Tiem/Lotos Film)

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Petrischalen mit Schimmelpilzen
Petrischalen mit Schimmelpilzen - Fluch des Pharao (Quelle: ZDF)
Einer der beiden Überlebenden des polnischen Forscherteams war Boleslaw Smyk, ein Mikrobiologe aus Krakau, der noch Jahre nach dem Besuch der Gruft unter Schlaf- und Gleichgewichtsstörungen litt. Seine Nachforschungen führten ihn viele Jahre später auf die Spur von Schimmelpilzen, die er in großer Zahl an den Gebeinen des exhumierten Königs fand. Bei der Untersuchung der Leichenreste hatten die Forscher ohne Handschuhe und Mundschutz gearbeitet und waren dadurch in intensiven Kontakt mit den krankmachenden Pilzen gelangt. Vor allem Aspergillus flavus ist hochverdächtig, den Tod der Wissenschaftler verursacht zu haben.

Gefährliche Konzentration von Schimmelpilzen
Auch wenn sie damals von den Untersuchungen in Polen nichts wusste, verfolgte eine junge französische Medizinerin Mitte der 1980er Jahre eine ähnliche Spur. Caroline Stenger-Philippe untersuchte im Rahmen ihrer Doktorarbeit durch Aspergillus ausgelöste Lungenkrankheiten und fand viele Indizien dafür, dass Schimmelpilze die eigentlichen Verursacher des "Fluch des Pharao" sein könnten. Die Mumie selbst, aber vor allem die Speiseopfer und andere organische Materialien, deren Reste man im Grab des Tutenchamun fand, sind ideale Nährböden für Aspergillus und andere Schimmelpilze. In der geschlossenen Grabkammer können sich die Pilzsporen in extrem großer Dichte ansammeln und selbst nach mehr als 2000 Jahren ihr allergisches Potenzial entfalten.

Lord Carnarvon Porträt
Starb kurz nach Entdeckung des Tutenchamun-Grabes: Mäzen Lord Carnarvon (Quelle: ZDF)
Schimmelpilzsporen an sich sind im allgemeinen harmlos, doch für Menschen mit Vorerkrankungen und Allergien können die Sporen in sehr hohen Konzentrationen gefährlich werden. Von Lord Carnarvon ist bekannt, dass er jahrelang an einer Lungenerkrankung litt, seine am Ende tödliche Lungenentzündung könnte durch die Schimmelpilze befördert worden sein. Auch die Lungenstauungen, an denen einige weitere Opfer, wie George Gould, La Fleur und Georges Bénédite gestorben sein sollen, lassen sich mit der Hypothese Stenger-Philippes vereinbaren. Howard Carter selbst hat den Grabfund noch 17 Jahre überlebt, allerdings soll er bis zu seinem Lebensende noch an Schlaf- und Gleichgewichtsstörungen gelitten haben. Symptome, die auch der polnische Mikrobiologe Smyk zeigte.

Dass der "Fluch des Pharao" selbst das Fernsehteam der Terra-X-Dokumentation nicht verschont hatte, sollte erst Jahre nach der Ausstrahlung von 1986 ans Licht treten. Autor und Kameramann Eberhard Thiem, im Rahmen verschiedener Ägyptenfilme auch im Grab es Tutenchamun gedreht hatte, bekam plötzlich Probleme mit der Atmung. Nach vielen Untersuchungen stellte sich heraus, dass sich ein Pilz in seiner Lunge verkapselt hatte, weshalb ein Teil des Organs entfernt werden musste.

22.07.2012

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Wie gefährlich ist Schimmel?

Was sind Schimmelpilze?

Aspergillus fumigatus in der Petrischale

Schimmelpilze sind allgegenwärtig in unserer Umwelt, sie leben im Boden, aber auch auf abgestorbenen Pflanzen und Tieren. Eine prominente Gruppe von Schimmelpilzen ist die Gattung Aspergillus (Gießkannenschimmel), die ungefähr 300 verschiedene Arten umfasst, vermutlich gibt es aber noch mehr. Pilze können eine Vielzahl von Stoffwechselprodukten bilden, von denen einige giftig sind: die Mykotoxine (Pilzgifte). Andere Pilze hingegen produzieren für uns wichtige Substanzen, wie das Antibiotikum Penicillin oder auch Statine, die zur Regulation des Cholesterins im Blut eingesetzt werden.

Schimmelgifte - Mykotoxine

Die Giftstoffe, die von manchen Schimmelpilzen gebildet werden, können schon in kleinsten Mengen für den Menschen sehr gefährlich werden. Manche der Gifte schädigen das Immunsystem, (immunsuppressiv), wirken krebserregend (kanzerogen) oder können einzelne Organe zerstören. Besonders bekannt ist zum Beispiel das Pilzgift Aflatoxin, das von Aspergillus flavus erzeugt wird und die Leber angreifen und Leberkrebs erzeugen kann. Die Gifte werden vor allem durch verschimmelte Lebensmittel aufgenommen. Manche der Gifte sind aber auch leicht flüchtig und können in die Luft gelangen, wo sie über die Lunge in den Körper gelangen. Bislang sind noch lange nicht alle Pilzgifte bekannt.

Allergien durch Schimmel

Konidiophor (Sporenträger) von Aspergillus fumigatus, einem Schimmelpilz

Alle Pilze vermehren sich durch Sporen, mikroskopisch kleine Gebilde, die in riesiger Zahl von den Pilzen in die Luft entlassen werden und daher praktisch überall zu finden sind. Ähnlich wie Gräserpollen können auch die eigentlich harmlosen Pilzsporen bei manchen Menschen Allergien, wie eine Art Heuschnupfen, auslösen. Bei empfindlichen Menschen, die oft mit sehr hohen Konzentrationen von Pilzsporen konfrontiert werden, kann die Allergie eine extreme und gefährliche Form annehmen. Bei der allergischen bronchopulmonalen Aspergillose wird die Lunge auf Dauer zerstört, was tödlich verlaufen kann. Die eigentlich zerstörerische Wirkung stammt hierbei nicht von dem Pilz selbst, sondern wird durch das körpereigene Immunsystem ausgelöst. Diese Lungenerkrankung wird auch als Farmerlunge bezeichnet, weil gerade Landwirte manchmal solch hohen Sporenbelastungen ausgesetzt und daher gefährdet sind.

Infektion durch Pilze

Jeder Mensch ist alltäglich von Pilzen und Pilzsporen umgeben. Sollten diese in den Körper gelangen, werden sie vom Immunsystem erkannt und bekämpft. Gefährlich werden können die Pilze jedoch für Menschen mit stark geschwächter Abwehr, zum Beispiel durch Leukämie, eine Krebstherapie oder auch nach einer Transplantation. Wenn die körpereigene Abwehr versagt, können die Pilze direkt Lunge, Gehirn oder andere Organe befallen. Eine solche invasive Pilzinfektion wird vor allem durch Aspergillus fumigatus ausgelöst und verläuft in den meisten Fällen tödlich. Das liegt vor allem daran, dass die Erkennung der Krankheit schwierig ist und wirksame Gegenmittel fehlen.

Aspergillome

Sehr selten entstehen auch Aspergillome: Pilzballen, die innerhalb der Lunge gewachsen sind, dort aber vom Immunsystem in Schach gehalten wurden. Sie sehen im Röntgenbild aus wie Tumore, befallen nicht die gesamte Lunge und wachsen in der Regel nicht invasiv. Diese Erkrankung entsteht nur bei Menschen, deren Lunge bereits geschädigt war.

Schimmel im Haushalt

Bei Beachtung der üblichen Hygienemaßnahmen stellt Schimmel für Gesunde keine Gefahr dar. Dass sich Schimmel auf alten Lebensmitteln bildet, ist normal. Allerdings sollte man regelmäßig Biomüll entsorgen und verschimmelte Brotscheiben oder Früchte ganz wegschmeißen. Einfach nur die betroffenen Bereiche herausschneiden reicht nicht aus. Denn das Pilzgeflecht wächst großräumig für unsere Augen nicht sichtbar und auch die Pilzgifte können sich weiträumig verteilt haben. Bei regelmäßiger Belüftung sind auch die Konzentrationen von Pilzsporen und Pilzgiften in einem normalen Haushalt ungefährlich.

(Text von Kirsten Bode, Fachberatung: Prof. Dr. Axel Brakhage, Leiter des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (HKI) in Jena).

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