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Expedition in die Wüste - J. Burckhardt  | Sendung vom 12.02.2012 [Archiv] Die versunkene Metropole Petra

Vor 200 Jahren für Europa wiederentdeckt

Der junge Orientforscher Johann Ludwig Burckhardt kennt Petra aus seinem Studium antiker Texte. Doch die genaue Lage der Wüstenmetropole ist seit mehr als tausend Jahren in Vergessenheit geraten. Burckhardt gelingt es 1812 als erstem Europäer, die Stadt zu betreten. Ihre Wiederentdeckung ist eine Sensation.  

von Rainer Aust

Johann Ludwig Burckhardt entdeckt Petra (Spielszene)
Johann Ludwig Burckhardt entdeckt Petra (Spielszene) (Quelle: ZDF)
Im Sommer 1812 ist Johann Ludwig Burckhardt mit einem einheimischen Begleiter in unbekanntem Gebiet südlich des Toten Meeres unterwegs. Der Agent der britischen African Association" hat sich für den längeren Weg von Aleppo nach Kairo durch das Landesinnere entschieden. Der Reisende, getarnt als muslimischer Händler aus Indien, passt sich an die Lebensweise der Orientalen an und berichtet seine Beobachtungen und Erkenntnisse in regelmäßigen Depeschen nach London. Den Forscher locken die Gerüchte um die Existenz der versunkenen Stadt Petra. Er ist entschlossen, ihnen nachzugehen.

Ziegenopfer öffnet den Weg

Als vorgeblich gläubiger Moslem darf sich der junge Wissenschaftler nicht für die Kunst alter Völker, die als ungläubig gelten, interessieren. Er bedient sich einer List, um seinen Begleiter zum erforderlichen Umweg und zur Rast zu bewegen. Nahe der schwer zugänglichen Schlucht des Wadi Musa liegt das Grab eines bei Christen und Moslems gleichermaßen verehrten Heiligen. An diesem geweihten Ort ein Opfer zu bringen, ist ehrenwert. Und so eröffnet das Opfer einer Ziege dem Forscher Zugang zum Tal, in dem er sich am 22.August 1812 den Ruinen von Petra gegenüber sieht. Mächtige Fassaden eindrucksvoller Bauten, die direkt in das gewachsene Gestein geschlagen sind, beherrschen den Blick. Einzigartige Meisterwerke, Zeugen königlicher Prachtentfaltung und hoher Kunst antiker Handwerker.

Johann Ludwig Burckhardt in Petra (Spielszene)
Johann Ludwig Burckhardt in Petra (Spielszene) (Quelle: ZDF)
Gewaltige Felsenwände umgeben die Stadt. Sie bilden eine beeindruckende Festung für den Ort, an dem einst bis zu 40.000 Menschen lebten. Spätestens im 4. vorchristlichen Jahrhundert erkennen die Nabatäer die günstige Lage des Tales. Sie sind Halbnomaden, die sich hier nieder lassen und den Handel auf der Jahrtausende alten Weihrauchstraße unter ihre Kontrolle bringen. Petra entwickelt sich zur Hauptstadt eines eigenständigen Nabatäerreiches. Es wird zum Knotenpunkt auf dem Handelsweg vom roten Meer und der Arabischen Halbinsel über Mekka und Medina in den Westen. Bei Petra verzweigen sich die Routen der Karawanen in alle Richtungen. Ägypten, Gaza, Palästina, Damaskus und Aleppo werden von hier aus erreicht. Aus dem Süden kommen Weihrauch, Gold und Myrrhe. Von Norden erreichen Stoffe, Kunstgegenstände und Eisen die Märkte von Petra.

Unter dem Wüstensand begraben

Die Stadt wird zum einflussreichen Zentrum weit reichenden Kulturaustausches der sich entlang der Weihrauchstraße entwickelt hat. Im Jahr 106 nach Christus erobern die Römer das Reich der Nabatäer. Die neuen Herren entfalten in Petra rege Bautätigkeit die den Glanz und Reichtum des römischen Imperiums zur Schau stellt. Noch im 4. nachchristlichen Jahrhundert ist Petra Hauptstadt der römischen Provinz "Palästina tertia". Durch Verlagerung der Handelswege nach Palmyra verliert die Stadt nach und nach an Bedeutung. Die Eroberung durch räuberische arabische Beduinen um 630 nach Christus besiegelt ihr Schicksal, sie gerät sie in Verfall und Vergessen.

Allein die Erwähnung der Nabatäer in der Bibel sichert dem Volk und seiner Kultur jedoch einen Platz im Gedächtnis des christlichen Geschichtsverständnisses. Seit der Wiederentdeckung der Ruinenstätte wurde Petra ein bekanntes Ziel für viele Reisende aus Europa. Doch erst seit 1929 finden systematische archäologische Grabungen statt, die sich zunächst auf die gewaltigen Felsentempel und Höhlengräber wie das 40 Meter hohe "Schatzhaus" konzentrieren. Im Inneren der Stadt legen Archäologen eine 18 Meter breite Prachtstraße frei. Sie entdeckten Stadttore, die Ruinen von Palästen, Theatern und des Tempelbezirkes, Bäder sowie ausgedehnte Wohngebiete. Und sie finden drei gewaltige Marktplätze - einst Herz und Zentrum der Wüstenmetropole Petra.

Petra-Zeichnung von Johann Ludwig Burckhardt
Petra-Zeichnung von Johann Ludwig Burckhardt (Quelle: ,Universität Campbridge)

Vom Entdecker zum Brückenbauer

Auch wenn sich Johann Ludwig Burckhardt an jenem 22. August des Jahres 1812 zu Recht als Entdecker fühlen kann, zeigen darf er dies nicht. In großer Eile und verborgen vor seinem Begleiter fertigt er genaue Beschreibungen und Skizzen der Tempelanlagen und Grabmonumente an. Er muss sorgfältig arbeiten, denn anhand seiner Berichte und Aufzeichnungen wird die Fachwelt entscheiden, ob ihm der ersehnte Erfolg gelungen ist. Erst im Juni 1813 erreicht die Nachricht von der Wiederentdeckung Petras England und sorgt in ganz Europa für Aufsehen. Der Name des Entdeckers bleibt jedoch ungenannt, um den Agenten Johann Ludwig Burckhardt nicht zu enttarnen.

Der Geheimagent der African Association hat seine Rolle als Scheich Ibrahim gelernt und ist bereit für seinen eigentlichen Auftrag: Die Suche nach der großen Karawane die ihn durch die Sahara in die Sahelzone und nach Timbuktu führen soll. Ein Ziel, dass Burckhardt nicht erreichen wird. Die Begegnung mit der Antike in Petra hat seine Liebe zur Kunst und Kultur der Islamischen Welt gefestigt. Er wird Abu Simbel entdecken und die Weihrauchstraße an anderer Stelle wiedertreffen, als er als Pilger den Weg nach Mekka und Medina findet. So wird der Forscher aus Göttingen zum geachteten Brückenbauer zwischen den Kulturen. Sein Grab ist in Kairo erhalten und wird von Moslems und Christen gleichermaßen verehrt.

12.02.2012

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