Ob Facebook, Foren oder andere Plattformen im Internet, auf denen sich Benutzer austauschen können – ein respektvoller Umgang mit anderen Usern sollte selbstverständlich sein. "Man spricht von der 'Netiquette', also dem angemessenen Benehmen in der elektronischen Kommunikation", sagt Computer-Experte Marko Bagic. Hinter dem Computer-Monitor versteckt, wiegen sich allerdings viele Benutzer in Sicherheit und vergessen, dass der virtuelle Raum im Internet schnell zu Reaktionen in der Realität führen kann.So erlebte auch Schauspielerin Katja Riemann in jüngster Vergangenheit die weitreichende Auswirkung sozialer Netzwerke. In der NDR-Sendung "DAS!" äußerte sie ihren Unmut über die Interview-Fragen mit verschränkten Armen und ließ den Moderator regelrecht auflaufen. Der anschließende Zusammenschnitt des Interviews auf YouTube verbreitet sich rasant. Im Internet wurden das Interview vielfach kommentiert - teilweise auch äußerst beleidigend. Ihre Facebook-Seite und ihre Homepage seien unter der Flut an Kommentaren zusammengebrochen, so die Schauspielerin.
Grenzen überschreiten
Der Fall von Fußballer Timo Hildebrand ist deutlich extremer. Ein anonymer User forderte Hildebrand auf seiner Facebook-Seite zum Selbstmord auf. "Hier trifft Fussball-Fanatismus in einer Kombination aus Frust und fehlender Rechtschreibung auf Facebook und sein ewiges Gedächtnis", resümiert Computerexperte Bagic. Kein Mensch müsse sich im Internet beleidigen lassen. Zur Not kann man juristische Schritte dagegen einleiten. Genau das tat Timo Hildebrand bereits.Shitstorm
Shitstorm bezeichnet eine Häufung unsachlicher Kommentare zu einem Thema oder über eine Person in sozialen Netzwerken, Blogs oder Internet-Foren. Die Kommentare sind meist aggressiv, beleidigend oder sogar bedrohend.
Unzulässige Aussagen
Schon bei einer kurzen Stichprobe findet man auf den meisten Portalen Material, das aus rechtlicher Sicht dort eigentlich nicht stehen dürfte: Selbst gedrehte Filme, in denen sich Fremde lächerlich machen oder in denen die "Ex-Freundin" in verfänglichen Posen vorgeführt wird - und das vor einem Millionenpublikum. Dies kann unangenehme Folgen haben, denn grundsätzlich besitze jede Person das Recht am eigenen Bild. Schon eine Aufnahme ohne Zustimmung der Person ist unzulässig, auch im Freundeskreis. Persönlichkeitsrechte würden dann verletzt, wenn die Personen der Lächerlichkeit preisgegeben werden.Zwischen heiklen und unzulässigen Aussagen im Netz ist es aber manchmal ein schmaler Grat, schließlich gibt es auch noch die Meinungsfreiheit: Seine Meinung frei zu äußern ist grundsätzlich erlaubt, solange es sich dabei nicht um Schmähkritik, also bloße Diffamierung oder gar Beleidigung handelt. Tatsachenbehauptungen sind aber grundsätzlich zulässig.Recht auf Privatsphäre
Das Persönlichkeitsrecht schützt die Privat- und Intimsphäre. Jeder hat das Recht, persönliche Informationen, die in der Öffentlichkeit kursieren, zu beeinflussen. Dabei ist es egal, ob sie über Internet, Presse oder Radio verbreitet werden. Das Recht auf Privatsphäre bleibt dabei bestehen. Prominente müssen allerdings meist noch mehr über sich ergehen lassen, als Privatpersonen.
Funktion "Melde-Button"
Jeder Facebook-User kann einzelne Kommentare, die ihm nicht gefallen bei dem Unternehmen melden und den Eintrag prüfen lassen. Laut Facebook wird spätestens 72 Stunden nach Betätigen des „Melde-Buttons“ entschieden, was mit dem fragwürdigen Post passieren soll. "In der Flut der täglichen Meldungen, die einen anstössigen Hintergrund haben, greifen jedoch auch automatische Mechanismen, bei denen sich Facebook nicht in die Karten schauen lässt", erklärt Marko Bagic. Ein Posting, das in zehn Minuten von 1000 Usern gelesen und im Anschluss von 200 gemeldet wird, erhalte eine höhere Priorisierung.Links
Das ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlichDen Preis zahlt der User
Zwar ist die Nutzung von Facebook bisher nicht kostenpflichtig, aber bezahlt werden muss trotzdem - und zwar mit Daten. "Aus ihnen erstellt Facebook Nutzerprofile, die in naher Zukunft gebündelt verkauft werden können", prognostiziert der Computer-Experte. Neben den selbst getätigten Einträgen bei Facebook beinhalten Nutzerprofile auch Bewegungsprofile, die sich über das Smartphone sammeln lassen oder Bilder und Kontakte, die man ebenfalls im Smartphone gespeichert hat. Marko Bagic: "Facebook ist ein riesiger, Daten sammelnder Konzern, der irgendwann aus diesen Daten Profit schlagen wird."Sicherheitsmaßnahmen ergreifen
In regelmässigen Abständen sollte man sich in die Sicherheitseinstellungen und Einstellungen für die Privatsphäre auf seinem Facebook-Profil begeben. "Facebook erfindet ständig neue Optionen und Einstellungen, die es einfach zwingend erforderlich machen, dort eine Auge drauf zu halten", rät Bagic. Außerdem warnt der Experte davor, Facebook die Erlaubnis zu erteilen, auf die im Smartphone gespeicherten Kontakte zuzugreifen. Zudem sollten Fotos bei facebook immer mit deutlich sichtbaren Wasserzeichen versehen sein.
Wie Betroffene sich wehren können
Betroffene von Verleumdungen im Netz sollten zunächst Beweise sichern und das Video oder den Forumseintrag auf ihrem Computer speichern. Ist dies nicht möglich, sollte zumindest die Bildschirmansicht der Seite ausgedruckt werden. Hier geht es zunächst um Unterlassung, also das Löschen der Inhalte. Oft reicht dafür eine Nachricht an die Betreiber des Portals. Sie sind verpflichtet Material, das offensichtlich gegen das Recht verstößt, zu entfernen.In schwierigen Fällen, oder wenn Filme mit anstößigen Inhalten für immer aus dem Internet verbannt werden sollen, empfiehlt sich möglichst zeitnah der Gang zum Rechtsanwalt. Der Filmautor muss mit Strafanzeige, Unterlassungsklage oder einer einstweiligen Verfügung rechnen. Doch nicht immer ist es möglich, Inhalte auch tatsächlich löschen zu lassen: Gewisse Sachverhalte fallen nun einmal unter das Recht der freien Meinungsäußerung.

