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Top-Thema  | 06.01.2014  Neue Gesundheitskarte ist Pflicht

Was bringt die Patientenakte im Kleinformat?

Seit dem 01. Januar ist die neue elektronische Gesundheitskarte nun offiziell Pflicht. Der Mikrochip in der neuen Karte soll eine sichere Vernetzung innerhalb des Gesundheitssystems ermöglichen. Doch rund 3,5 Millionen Versicherte haben die Karte noch nicht. Was passiert, wenn Sie keine neue Karte haben und trotzdem zum Arzt müssen, erklärt „Volle Kanne“. 

Mithilfe der neuen Gesundheitskarte soll vieles im Kontakt zwischen Arzt und Patient einfacher werden. Datenschützer zweifeln allerdings an der Sicherheit der Datenkarte.

(06.01.2014)

Elektronische Gesundheitskarte

(30.05.2012 Quelle: dpa)

Neue Gesundheitskarte wird Pflicht

Im Januar startet die elektronische Gesundheitskarte. Wer die neue elektronische Karte noch nicht hat, wird trotzdem vom Arzt behandelt, muss aber einen gültigen Versicherungsnachweis nachreichen.

(02.01.2014)

Anders als die herkömmliche Versichertenkarte enthält die neue Gesundheitskarte nicht mehr nur einen einfachen Chip, sondern einen Mikroprozessorchip, auf dem umfangreiche Patientendaten gespeichert und gegen unbefugtes Auslesen verschlüsselt werden können. Dadurch soll ein verbesserter Datenaustausch zwischen allen Beteiligten geschaffen werden – also zwischen Patienten, Ärzten, Apothekern und Krankenhäusern. Dies ist wichtig für die Zukunft, denn nach und nach soll die Karte neue Funktionen hinzubekommen. Wie lange es aber dauert, bis das Projekt vollständig umgesetzt sein wird, ist ungewiss – einen genauen Zeitplan über die einzelnen Evolutionsschritte gibt es nämlich nicht.

Arztbesuch ohne neue Karte

Wer noch keine neue Gesundheitskarte hat, darf erst mal aufatmen: Ärzte sind verpflichtet, Patienten auch ohne neue Karte zu behandeln. Die bisherige Versicherungskarte behält bis zum aufgedruckten Ablaufdatum ihre Gültigkeit. Allerdings sollten man sich schnellstmöglich um eine neue Gesundheitskarte bemühen. Patienten, die ganz ohne Krankenversicherungskarte zum Arzt wollen, sind in der Pflicht, binnen zehn Tagen einen Ersatzausweis in der Praxis vorzulegen. Diesen kann man bei der Krankenkasse anfordern. „Nach Ablauf dieser Frist ist der Arzt berechtigt, Ihnen eine Privatrechnung auszustellen“, sagt Regina Behrendt von der Verbraucherzentrale NRW. Aber selbst dann habe man die Möglichkeit, den gültigen Ausweis noch bis zum Ende des Quartals vorzulegen. „Dann bekommen Sie die Kosten rückerstattet“, so die Expertin. Einfacher sei es aber, innerhalb von zehn Tagen die Gesundheitskarte oder einen Ersatznachweis vorzulegen.

Neu bei der elektronischen Gesundheitskarte ist bisher lediglich ein Foto, durch das ein Missbrauch der Karten verhindert werden soll. Wer noch keine neue Gesundheitskarte hat, wird von der Krankenkasse angeschrieben und aufgefordert, ein Lichtbild einzureichen. Einige Kassen bieten die Möglichkeit, direkt in den Niederlassungen vor Ort ein Foto zu machen. Oft ist es auch möglich, das Foto mit der Webcam zu schießen und per E-Mail einzusenden, oder es direkt über die Kundenservice-Seiten der Kassen im Internet hochzuladen. Mit der neuen Karte entstehen keine direkten Kosten für die Versicherten – Spätfolgen seien aber nicht ausgeschlossen, spekulieren Verbraucherschützer.
Elektronische Gesundheitskarte mit Passfoto (Quelle: dapd)

Ausbaufähige Basis-Version

Im ersten Schritt wurden nun mit langjähriger Verspätung nebst Foto des Versicherten Name, Geburtsdatum, Geschlecht und Anschrift sowie Angaben zur Krankenversicherung auf dem Chip gespeichert – diese Daten waren aber auch schon zuvor auf der Versichertenkarte angegeben. „Die nächste Testphase sieht vor, dass man mit der Karte automatisch die Adressdaten aktualisieren kann, das heißt, wenn Sie umziehen, brauchen Sie keine neue Karte“, weiß Regina Behrendt.

In einem nächsten Schritt soll mithilfe der Karte der fachliche Austausch der Ärzte untereinander ermöglicht werden. Außerdem ist geplant, Notfalldaten wie Vorerkrankungen, Blutgruppen, Allergien oder Arzneimittelunverträglichkeiten, theoretisch auch Patientenverfügungen oder einen Organspendeausweis auf der Karte zu speichern. „Ab wann diese Möglichkeit genutzt werden soll, steht aber noch nicht fest“, gibt Regina Behrendt zu bedenken. Ferner soll die Karte in wenigen Jahren Zugriff auf sensible Daten wie Arzt-Befunde, Röntgenbilder oder Medikationslisten ermöglichen. Die Dokumente dieser Patientenakte werden dann aber nicht auf der Karte selbst, sondern zentral auf einem Server gespeichert sein. Erst mit der Karte des Versicherten und der dazugehörigen PIN-Nummer sowie dem Heilberufsausweis des Arztes sollen die Daten entschlüsselt werden. Arbeitgeber sollen keinen Zugriff auf die Daten erhalten. Ziel ist es, mit der Karte langfristig Reibungsverluste in der medizinischen Versorgung zu vermindern und Doppeluntersuchungen zu vermeiden.

Datenkontrolle für Inhaber

Über den Umfang der gespeicherten Daten soll jeder Patient frei bestimmen und Daten ganz nach Wunsch auch wieder löschen können. Die Konzepte hierfür befinden sich aber noch in der Entwicklung. Wahrscheinlich ist, dass der Patient selbst Zugriff auf die Daten haben wird und diese etwa an einem so genannten "E-Kiosk" beim Arzt oder in der Apotheke einsehen und auch verändern kann. Patientenakten in den Praxen sollen aber weiterhin geführt werden. Geplant ist zudem, die Stammdaten der Karteninhaber online zu pflegen.

Jeder Versicherte behält seine Versichertennummer ein Leben lang. Bei einem Kassenwechsel soll er eine neue Karte samt neuer PIN erhalten, die Nummer soll aber beibehalten werden. Die auf der alten Karte gespeicherten Daten werden einfach auf die neue Karte übertragen.

Sicherheit gewährleistet?

Behörden und Datenschützer bewerten die elektronische Gesundheitskarte als sicher, da sensible Daten verschlüsselt auf einem Server gespeichert würden und diese nur mithilfe zweier Schlüssel – der Karte samt PIN und dem Ausweis des Arztes – von Dritten abgerufen werden könnten. Kritiker melden jedoch Bedenken an: So habe auch die Betreibergesellschaft die Möglichkeit, an die Daten zu gelangen, schließlich könne sie die geheime PIN jederzeit wiederherstellen, etwa bei Kartenverlust. Außerdem sei ein Zugriff der Behörden nicht mit Sicherheit auszuschließen.

Verbraucherschützerin Regina Behrendt ist ebenfalls kritisch: „Im Moment ist noch nichts Bedenkliches zu befürchten, weil noch keine persönlichen Daten auf der Karte gespeichert werden. Aber langfristig sollen eben auch persönliche und medizinische Daten sowie Befunde abrufbar werden.“ Dann müsse jeder Patient selbst entscheiden, welcher Daten-Speicherung er seine Zustimmung gibt. Einige Arztverbände und Bürgerinitiativen halten die Gesundheitskarte zudem für zu teuer und lehnen sie deshalb ab. Die private Krankenversicherung beteiligt sich bisher nicht an der Umstellung auf die elektronische Gesundheitskarte. Für Privatpatienten bleibt also alles beim Alten.

06.01.2014

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