Als neuntes Bundesland startet Nordrhein-Westfalen am Wochenende in die Sommerferien. Und wenn der Urlaubsverkehr im bevölkerungsreichsten Bundesland erst einmal geballt ins Rollen kommt, ächzen die Autobahnen unter Höchstlast. Als wäre das nicht schon genug, wird am Wochenende die A40, der so genannte Ruhrschnellweg, rund um Essen bis September komplett gesperrt.Verkehrsforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen schätzt, dass sich auf der A40 noch nicht direkt am Wochenende Staus bilden werden, da davon auszugehen sei, dass Autofahrer sehr sensibel auf die Berichterstattung reagierten. Hinzu komme, dass die A40 eher eine Pendlerstrecke sei. Deshalb werde in Ferienzeiten ohnehin mit rund zehn Prozent weniger Verkehr gerechnet. "Interessant wird es am Montag, weil dann weiträumig auf die A3 und die A5 ausgewichen wird", sagt Schreckenberg. Über die Essener Innenstadt zu fahren, sei nicht ratsam.
Vollsperrung umfahren
Der Verkehr auf der A40 in Richtung Duisburg wird während der Arbeiten ab dem Dreieck Essen-Ost über die A 52 zum Kreuz Breitscheid und von dort über die A 3 zum Kreuz Kaiserberg geführt. In Fahrtrichtung Dortmund wird man ab Essen-Zentrum durch die Stadt zur Anschlussstelle Essen-Huttrop geleitet. Großräumige Umfahrungen sind auch über die nördlich verlaufende A 42 Kamp-Lintfort – Dortmund möglich.
Staus nicht umfahren
Sperrungen, Baustellen oder Unfälle: Gründe für Staus gibt es viele. Schreckenberg: "In erster Linie entstehen Staus durch ein zu hohes Verkehrsaufkommen. Kommen nun ortsunkundige Urlaubsfahrer hinzu, die sich durch Navigationsgeräte verunsichern lassen, wird der Verkehrsfluss noch verlangsamt." Er rät, sich die Strecke schon vor der Fahrt auf der Karte anzusehen, um eine bessere Orientierung zu bekommen - und sich gegebenenfalls auch eine Alternativroute zurechtzulegen.Navigationsgeräte oder Staumeldungen im Radio tun ihr Übriges, um die Fahrt in den Urlaub zu verlangsamen: Oft geben sie die Empfehlung, von der Autobahn abzufahren. "Das ist aber nur ratsam, wenn die Autobahn komplett gesperrt ist", sagt Schreckenberg. Umgehungsstraßen hätten in aller Regel nicht die nötigen Kapazitäten, um den Autobahnverkehr zu bewältigen. Zum Vergleich: Gut ausgebaute Fernstraßen können etwa dreimal mehr Verkehr bewältigen als Umgehungsstraßen. "Verlassen sie die Autobahn, haben Autofahrer zwar das Gefühl in Bewegung zu sein, kommen aber nicht schneller voran. Ein Stau hat ja auch seine 'interne Geschwindigkeit' mit etwa zehn Kilometern pro Stunde."Veraltete Radiomeldungen
"Das Vertrauen in das Navigationsgerät sollte sich in Grenzen halten und von Stauwarnungen im Radio sollte man sich nicht verrückt machen lassen", rät Schreckenberg. Seinen Erkenntnissen zufolge liegt jede dritte Verkehrsmeldung im Radio daneben. Viele Staus entpuppten sich als längst aufgelöst, während sich vermeintlich kleine Engpässe häufig als kilometerlange Blechlawinen erwiesen. Dies liege daran, dass der Staubericht in dem Moment, in dem er über den Äther geht, im Schnitt schon rund 40 Minuten alt sei.
Nicht jeder fährt gleich
Neben hohem Verkehrsaufkommen und Unfällen, werden Staus durch menschliches Fehlverhalten verursacht: Zu dichtes Auffahren (kann ein abruptes Abbremsen des ersten und aller folgenden Autos auslösen), zu schnelles Aufschließen (verursacht ebenfalls schnelles Abbremsen), geistige Unterforderung (gedankliches Abschweifen in zähfließendem Verkehr, um möglichst immer den Abstand einzuhalten) und kontraproduktives Fahren (häufiger Spurwechsel, um schneller voranzukommen) sind ebenso für Staus verantwortlich.In Stausituationen verhält sich jeder Autofahrer anders. Michael Schreckenberg hat bei den Fahrer-Typen drei Hauptgruppen ausgemacht: Die sensiblen Autofahrer fahren sofort ab, sobald Radio oder Navigationsgerät einen Stau melden. Zu dieser Gruppe gehören rund 44 Prozent aller Autofahrer. Die Taktierer oder Zocker fahren unerschrocken auf das Stauende zu. Die Konservativen ignorieren die Stauwarnung ganz. Die Stoiker bilden eine Untergruppe der Konservativen: Sie ignorieren nicht nur die Stauwarnungen, sondern fahren immer genau dieselbe Route. "Letztere Gruppe kommt am schnellsten und am besten ans Ziel", sagt der Verkehrsforscher. Ausharren im Stau zahlt sich also offenbar aus.Hier wird's eng
Auf folgenden Strecken muss man laut ADAC lange Fahrtzeiten einplanen:A 1 Köln – Bremen – Lübeck – Puttgarden
A 2 Köln – Dortmund – Hannover
A 3 Köln – Frankfurt – Nürnberg
A 5 Frankfurt – Karlsruhe – Basel
A 6 Mannheim – Heilbronn – Nürnberg
A 7 Hamburg – Flensburg
A 7 Hamburg – Hannover – Würzburg – Füssen
A 8 Karlsruhe – Stuttgart – München – Salzburg
A 9 Berlin – Nürnberg – München
A 10 Berliner Ring
A 19 Wittstock – Rostock
A 24 Berlin – Hamburg
A 61 Mönchengladbach – Koblenz – Ludwigshafen
A 93 Inntaldreieck – Kufstein
In den Großräumen Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt und München ist ebenfalls mit Staus zu rechnen. Auch auf den Fernstraßen im Ausland wachsen die Blechkolonnen: In Österreich haben jetzt in allen Bundesländern die Ferien begonnen und auch die Franzosen sind auf Achse. Aber nicht nur in Österreich und Frankreich muss man sich auf allen wichtigen Autobahnen auf Staus einstellen – auch in der Schweiz, Italien, Slowenien und Kroatien wird man nicht ohne Wartezeiten an sein Ziel kommen.


