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Ernährung  | 16.04.2013  Allergisch auf Lebensmittel

Bestimmte Inhaltsstoffe provozieren das Immunsystem

Atemnot nach dem Genuss von Nusskuchen, Gaumenjucken nach der Curry-Suppe - etwa drei Millionen Deutsche sind von einer Lebensmittelallergie betroffen. Während manche nur bei Erdbeeren und Nüssen aufpassen müssen, kann für andere, die zum Beispiel gegen Milchprodukte, Eier oder Hefe allergisch sind, das Essen zum Problem werden.  

Mann im Bioladen vor Kühlregal

Die Qual der Wahl

Bei einer Lebensmittelallergie war es früher schwierig, die passenden Produkte zu finden. Heute quellen die Supermärkte teilweise über vor "Ersatzprodukten".

(12.07.2012 Quelle: imago)

Die Symptome sind unspezifisch: Sie reichen von Hautrötungen über Verdauungsprobleme bis zu Asthmaanfällen. Lebensmittelallergien werden daher häufig nicht gleich erkannt oder aber mit Intoleranzen verwechselt, die zwar auch unangenehme Beschwerden bereiten, aber nicht lebensbedrohlich sind.

Übrigens: Allergien, die im Säuglingsalter auftreten, bilden sich häufig in den ersten Lebensjahren zurück. Erwachsene aber werden ihre Lebensmittelallergie in der Regel nicht mehr los.

Überreaktion des Immunsystems

"Als Lebensmittelallergie (Nahrungsmittelallergie) wird eine Überempfindlichkeit auf bestimmte Nahrungsmittel bezeichnet, die durch eine gesteigerte Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Inhaltsstoffe - so genannte Allergene - verursacht wird", erklärt Diplom-Oecotrophologin Brigitte Bäuerlein.

Bei Lebensmittelintoleranzen ist das Immunsystem nicht beteiligt, es handelt sich um Unverträglichkeiten, die auch von der aufgenommenen Menge abhängig sind. Ein bekanntes Beispiel ist die Lactoseintoleranz, die den Genuss von Milchprodukten einschränkt.

Bekannte Auslöser

Während Säuglinge noch eher auf Grundnahrungsmittel wie Milch, Weizen und Eier allergisch reagieren, sind bei Erwachsenen vor allem Obst, Gemüse und Nüsse als Auslöser bekannt. Die Reaktion tritt in etwa 90 Prozent der Fälle relativ schnell - innerhalb von Minuten - ein.

Wie sinnvoll sind lactosefreie Lebensmittel?

In den Supermarktregalen nimmt die Auswahl an laktosefreien Lebensmitteln immer mehr Platz ein. Gab es anfangs nur Milch, werden inzwischen auch laktosefreie Butter, Käse, Schokolade oder auch Fertigprodukte angeboten. Beim Vergleich von herkömmlichen und laktosefreien Produkten zeigt sich ein großer Unterschied beim Preis. Diesen begründen die Hersteller so: „Der höhere Preis für laktosefreie Produkte leitet sich aus deutlich höheren Kosten für die Herstellung ab, weil zusätzliche Prozessschritte nötig sind.“

Freiwilliger Verzicht auf Lactose

Interessant: Trotz der höheren Preise boomt der Markt, Wachstumsraten von jährlich bis zu 20 Prozent sind keine Seltenheit, auch unterstützt durch Werbeslogan wie diesen: „Auch Menschen, die nicht unter einer Laktose-Intoleranz leiden, können von der natürlichen Süße der Milch profitieren (…) und auf die zusätzliche Gabe von Zucker verzichten.“

Doris Steinkamp vom Verband der Diätassistenten relativiert solche Aussagen. „Ich persönlich bin der Meinung, dass dies eine Mode-Erscheinung ist. Warum kaufe ich ein verändertes Lebensmittel, wenn ich gesund bin? Das erschließt sich mir nicht.“ Tatsächlich vermuten immer mehr Menschen hinter Unwohlsein und Verdauungsproblemen eine Laktoseunverträglichkeit – und greifen ohne Diagnose zu laktosefreien Produkten.

Dabei machen diese selbst bei wirklich Betroffenen teilweise keinen Sinn. Bei Hartkäsen beispielsweise muss man nicht zu laktosearmem Käse greifen, da im normalen Käse so wenig Laktose enthalten ist, dass auch ein intoleranter Patient diesen ohne Probleme verträgt - er braucht keine Sonderprodukte. Doris Steinkamp erläutert weiter: „Gleiches gilt für laktosefreie Butter. Denn die Menge Butter, die ein Patient auf sein Brot streicht, ist so gering, dass die Laktose überhaupt keine berechenbare Rolle spielt.“

Diagnose und Therapie

Für eine zuverlässige Diagnose empfiehlt "Volle Kanne"-Ernährungsexpertin Brigitte Bäuerlein zusätzlich zum Standard-Allergietest auf der Haut (Prick-Test) eine Blutuntersuchung durchführen zu lassen, um spezifische Antikörper bestimmen zu können. Die Therapie besteht dann in erster Linie darin, die Allergie auslösenden Inhaltsstoffe zu meiden.

Die Ernährung sollte dennoch ausgewogen sein. Am besten bereitet man seine Mahlzeiten selbst zu und verzichtet möglichst auf Fertigwaren mit Zusatzstoffen, vor allem wenn sie Konservierungs- und Farbstoffe beinhalten. Wenn möglich, solle man auf Bioprodukte zurückgreifen, empfiehlt Bäuerlein.

Restaurantpass

Nützlich für Lebensmittelallergiker ist der Restaurantpass vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB), der in Kooperation mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) eingeführt wurde. Den Pass, der genau dokumentiert, gegen was man allergisch ist, gibt man an den Koch in der Küche weiter und hofft, dass er ein Essen ohne die kritischen Nahrungsmittel zubereiten kann.

Was auf die Verpackung gehört

Grundsätzlich können alle Lebensmittel eine allergische Reaktion hervorrufen. Es gibt jedoch Nahrungsmittel mit besonders starken Allergenen. Die häufigsten Allergieverursacher müssen laut EU-Richtlinie auf jedem verpackten Lebensmittel deklariert sein. Dazu gehören glutenhaltige Getreide (u.a. Weizen, Roggen, Hafer), Milchprodukte, Fisch, Eier, Erdnüsse, Krebstiere, Sojabohnen, Schalenfrüchte (u.a. Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse, Pistazien), Senf, Sellerie und Sesamsamen.

Für den Verbraucher ist trotz der Deklarationspflicht längst nicht immer erkennbar, was in den Lebensmitteln steckt, denn der Hinweis "Kann Spuren von ... enthalten", ist nicht gesetzlich geregelt. "Das Fatale ist, dass sich Allergene oft hinter unklaren Bezeichnungen verstecken. Steht auf der Kekspackung als Inhaltsstoff Molkenpulver, verbirgt sich dahinter ein Milchprodukt, das für Milchallergiker ganz schlecht sein kann", warnt Ernährungsexpertin Bäuerlein. Daher kann es passieren, dass man unwissentlich Allergene zu sich nimmt, obwohl man sich strikt an die Karenzkost hält.

Notfall-Set

Da schon kleine Mengen eines Allergens reichen, um Komplikationen auszulösen, sollten Lebensmittelallergiker immer ein Notfall-Set mit einem Antihistaminikum, einem Glukokortikoid und einem Adrenalin-Präparat bei sich haben.

Allergiearme Lebensmittel

Viele Obst- und Gemüsesorten lösen roh Allergien aus, gekocht sind sie aber verträglich. Tipp: Bei Äpfeln reicht beispielsweise meist schon das Schälen. Grundsätzlich solle man alte Apfelsorten (zum Beispiel Berlepsch, Gloster, Elstar) bevorzugen, rät Bäuerlein.

Allergiearme Obstsorten sind beispielsweise Birne, Banane, Melone, Himbeere, Heidelbeere und Kirschen. Gemüsesorten wie Zucchini, Kürbis, Pastinake, Brokkoli oder Blumenkohl sind ebenfalls allergiearm. Allergiearme Getreidesorten sind Amaranth und Buchweizen. Auch Reis enthält kaum Allergene.

16.04.2013

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