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PRAXIS täglich  | 04.09.2013  Migräne bei Kindern

Auslöser umgehen, um Attacken zu vermeiden

Stechende Kopfschmerzen, Übelkeit, hohe Licht- und Geräuschempfindlichkeit - all das sind klassische Symptome einer Migräneattacke. Unter diesen leiden nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder, wenngleich bei ihnen die Attacken kürzer sind. Bei Erwachsenen greift man in der Regel zu starken Schmerzmitteln - doch wie lassen sich Kinder wirkungsvoll behandeln? 

Mädchen mit Migräne

Migräne bei Kindern

Migräneattacken äußern sich bei Kindern und Jugendlichen anders als bei Erwachsenen.

(09.08.2012 Quelle: imago)

Vier Prozent aller Kinder und über elf Prozent aller Jugendlichen leiden unter Migräne. Die Krankheit wird vererbt. Bestimmte Auslöser wie Stress, Lärm, zu viel Licht oder bestimmte Nahrungsmittel können dann einen Migräneanfall auslösen.

Kindliche Symptome

Migräneattacken sind bei Kindern kürzer als bei Erwachsenen. Es kommt zu pulsierenden Schmerzen, meist in beiden Kopfhälften. Wie bei Erwachsenen ist den Kindern dabei oft übel und schwindlig, so dass sie sich erbrechen. Auch reagieren sie sehr empfindlich auf Gerüche, Lärm und grelles Licht. Begleitsymptome sind Herzrasen, Blässe, Müdigkeit sowie Appetitlosigkeit, Durchfall und eine angespannte Bauchdecke (Abwehrspannung), manchmal auch eine erhöhte Temperatur. Oft wird über Bauchschmerzen geklagt. Auch starker Durst oder Harndrang können auf Migräne hindeuten.

Der Kinderneurologe Professor Dr. Florian Heinen beschreibt die Unterschiede zwischen Migräne bei Erwachsenen und bei Kindern wie folgt: "Bei Kindern ist der Kopfschmerz beidseitig, und kommt mit einer ganze Fülle von zusätzlichen Beschwerden. Dazu gehören Bauchschmerzen, starkes Schwitzen, verstärkter Speichelfluss und Wortfindungsstörungen. All das geschieht mit hoher Variabilität. Und diese Variabilität ist es, die die Beschwerden beim Kind vom Erwachsenen unterscheidet."

Die "Aura"

Das Phänomen der Aura vor einem Migräneanfall ist bei Kindern seltener als bei Erwachsenen und zugleich vielfältiger. Es gibt optische Halluzinationen ("Alice im Wunderland-Syndrom"), auch Hände oder Arme können taub werden oder das Sprechen schwer fallen.

Diagnose per Tagebuch

Da bei Migräne vor allem Stresssituationen eine entscheidende Rolle spielen können, gehört zu einer ersten Diagnose auch die Analyse der Lebensumstände. Sie umfasst darüber hinaus eine allgemeine körperliche und eine neurologische Untersuchung, unter anderem mit einem Elektroenzephalogramm (EEG), eine Hirnstrommessung. Der Arzt begutachtet auch Kopf- und Nackenmuskulatur, um mögliche Verspannungen zu erkennen. Auch ein zu hoher Blutdruck kann zu Kopfschmerzen führen.

Viele Ärzte empfehlen ein Migräne-Tagebuch zu führen, in dem unter anderem die Stärke und die Dauer eines Migräneanfalls, weitere körperliche Beschwerden sowie eingenommene Medikamente eingetragen werden. Daneben wird zudem die Situation, in der die Migräne anfing, vermerkt. Nach etwa einem Monat lässt sich ein Muster erkennen, mit dem der Arzt Migräne-Auslöser identifizieren und eine geeignete Behandlung einleiten kann.

Auslöser umgehen

Bei der Behandlung geht es in erster Linie darum, akute Schmerzen zu lindern. Vorbeugend kann man zudem versuchen, bekannte Auslöser (so genannte Triggerfaktoren) zu umgehen. So kann ein zu niedriger Blutzucker (Hypoglykämie) Migräne auslösen, weil der kindliche Blutzuckerspiegel rasch absinkt. Regelmäßige Mahlzeiten schaffen hier Abhilfe.

Auch ein unregelmäßiger Schlafrhythmus, extreme Wetterlagen, Wetteränderungen sowie seelische Belastungen begünstigen eine Migräne. Daneben können Nahrungsmittelunverträglichkeiten eine Rolle spielen.

Starke Tabletten

Nicht immer müssen dann Medikamente eingenommen werden. Manchmal reicht es schon aus, sich in einen abgedunkelten Raum zu legen und die Stirn zu kühlen. Auch eine leichte Schläfenmassage mit ätherischem Pfefferminzöl kann helfen. Zur medikamentösen Behandlung werden bei Kindern und Jugendlichen die Wirkstoffe Ibuprofen oder Paracetamol empfohlen. Acetylsalicylsäure (ASS) darf Kindern unter 14 Jahren nicht verabreicht werden, da Leber und Gehirn geschädigt werden können (Reye-Syndrom).

Spezielle Migränemedikamente, so genannte Triptane, werden in der Regel erst ab dem 18. Lebensjahr verordnet. Führen Verspannungen der Nackenmuskulatur zu einer Migräne, können diese über die Massage bestimmter Triggerpunkte, besonders reizempfindlichen Stellen der Muskulatur, gelöst werden. Auch regelmäßige Physiotherapie kann hilfreich sein.

Was noch hilft...

Experten empfehlen das Erlernen gezielter Entspannungstechniken wie die progressive Muskelrelaxation. Zudem kann ein ausgeglichener Lebensstil Migräneattacken mildern: Das Kind sollte ausreichend essen, trinken und schlafen. In Extremfällen ist auch eine vorbeugende Behandlung mit bestimmten Medikamenten möglich, beispielsweise mit Betablockern oder Flunarizin.

04.09.2013

Hausmittel gegen Kopfschmerzen

Wärme und Kälte

Bei Spannungskopfschmerzen können unter Umständen Wärme oder Kälte helfen. Wer auf Kälte anspricht, kann sich mit kalten Umschlägen auf Nacken oder Stirn behelfen. Der Kältereiz sollte dabei etwa zehn bis zwölf Grad unter der Hauttemperatur liegen, keinesfalls sollte man Tiefkühlelemente oder Eisbeutel verwenden. Ähnlich verfährt man bei warmen Umschlägen. Helfen kann auch die Bestrahlung mit einer Rotlichtlampe oder die warme Luft eines Föhns.

Bewegung

Radfahren, Joggen oder Schwimmen – wer seinen Kreislauf in Schwung bringt, kann Kopfschmerzen vorbeugen. Tatsächlich haben Untersuchungen erwiesen, dass regelmäßiger Ausdauersport die Zahl der Kopfschmerz- und Migräne-Attacken verringert.
Auch im Akutfall kann Sport helfen. Experten bezeichnen dies als „Runner’s High“. Unter körperlicher Belastung werden in Hirnregionen, die für die Unterdrückung von Schmerzen zuständig sind, Endorphine ausgeschüttet und somit die Kopfschmerzen wirksam bekämpft.
Vorsicht bei Migräne: Dann ist sportliche Betätigung kontraproduktiv!

Massagen

Wer unter Kopfschmerzen leidet, greift sich manchmal fast unterbewusst an den Kopf und massiert die Schläfen. Tatsächlich ist das eine Möglichkeit, den Schmerz zu bekämpfen. Massieren Sie dazu mit Mittel- und Zeigefinger unter leichtem Druck und mit kreisenden Bewegungen Ihre Schläfen über einen Zeitraum von etwa fünf Minuten.
Eine Alternative dazu stellt der Kopfmassagebesen (auch als Kopfmassagespinne bekannt) dar. Damit lässt sich hervorragend die Kopfhaut massieren – inklusive eines Entspannungseffektes. Wie bei Bewegung gilt auch bei Massagen: Vorsicht bei einer Migräneattacke. Diese kann durch eine Kopf- oder Nackenmassage noch zusätzlich verstärkt werden.

Duftöle

Viele Kopfschmerzbetroffene greifen im Akutfall auch zu Duftölen, mit denen sie sich Schläfen, Stirn und Nacken einreiben. Ganz vorne dabei ist Pfefferminzöl. Vor allem spannungsbedingte Kopfschmerzen sollen sich so lindern lassen. Beim Einsatz der Öle ist allerdings Vorsicht geboten. Viele ätherische Öle reizen die Haut und können bei empfindlichen Menschen eine allergische Reaktion hervorrufen.

Vitamin C und Koffein

Als bekanntes Hausmittel gegen Kopfschmerzen gilt auch ein Espresso mit Zitronensaft. Diese Kombination ist geschmacklich zwar kaum als genießbar zu bezeichnen, verfehlt aber nicht ihre Wirkung. Das Koffein verengt die Blutgefäße im Gehirn und erweitert die Gefäße in der Peripherie, beugt so einer beginnenden Migräneattacke vor und blockiert gleichzeitig die Freisetzung von Prostaglandinen (hormonähnliche Stoffe), die mit für die Schmerzweiterleitung verantwortlich sind. Der Zitronensaft unterstützt zusätzlich die körpereigene Schmerzhemmung.

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