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PRAXIS täglich  |  20.08.2012 

Krankhaftes Schwitzen

Nur bei hohem Leidensdruck sollte man operieren

Schwitzen ist eine notwendige natürliche Körperfunktion und reguliert die Körpertemperatur. Manche Menschen schwitzen jedoch übermäßig stark, um die Körpertemperatur konstant zu halten. Dabei handelt es sich um eine krankhafte Störung, die psychisch stark belastet.  

Schweißfleck unter Achsel / Quelle: imago

Schweißfluss ohne Ende

Schon kleine Belastungen reichen aus, den Schweiß zum Fließen zu bringen. Doch wenn der Fluß nicht versiegt, wenn Schweißflecken und feuchte Hände eine psychische Belastung für die Betroffenen werden, sollte gehandelt werden.

(15.08.2012 Quelle: imago)

Psychische Belastung durch Schweiß

Der Mensch schwitzt bei hohen Außentemperaturen und starker körperlicher Belastung. Bei manchen Menschen jedoch übersteigt die austretende Schweißmenge das normale Maß deutlich.

(20.08.2012)

Beim Schwitzen werden die Schweißdrüsen aktiviert, sobald der Körper aufgrund von äußerer Wärmeeinwirkung, physischer oder psychischer Anstrengung aufgeheizt wird und Abkühlung benötigt. Die Abkühlung wird durch das Verdunsten des Schweißes auf der Haut bewirkt. Ausmaß und Intensität der Schweißabsonderung ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Eine Überfunktion der Schweißdrüsen wird als Hyperhidrose bezeichnet.

Das übermäßige Schwitzen belastet die Betroffenen nicht nur psychisch, sondern kann aufgrund des ständig feuchten Milieus auch zu Folgeerkrankungen wie Pilzinfektionen und allergischen Hautentzündungen führen.

Schweißmenge messen

Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Hyperhidrose. Bei der primären Hyperhidrose findet sich keine erkennbare organische Ursache für das übermäßige Schwitzen. Die sekundäre Hyperhidrose kann durch Krankheiten, Medikamente oder Nahrungsmittel ausgelöst werden.

Bei der Diagnose spielt das subjektive Empfinden des Betroffenen eine wichtige Rolle. Es besteht aber auch die Möglichkeit, die abgegebene Schweißmenge pro Minute zu messen. Dazu wird zum Beispiel ein Stück saugfähiges Filterpapier an die betroffene Stelle gelegt und nach fünf Minuten der aufgenommene Schweiß nach Gewicht bestimmt.

Wasserbad mit Gleichstrom

Ist die Hyperhidrose die Folge einer anderen Erkrankung, wird diese behandelt, wodurch dann meist auch das Schwitzen verringert wird. Eine primäre Hyperhidrose wird zunächst konservativ behandelt. Hierzu zählen Antitranspirantien (zum Beispiel Salben mit Aluminiumchlorid), die die Drüsenausführungsgänge verschließen. Wirkt dies nicht ausreichend, werden Medikamente eingesetzt. Injektionen mit Botulinumtoxin unter die Haut der betroffenen Körperstellen hemmen die Ausschüttung des Botenstoffes Acetylcholin.

Dadurch wird die Reizweiterleitung im Nerven blockiert und die Schweißproduktion gestoppt. Die Methode wird hauptsächlich bei übermäßigem Schwitzen in den Achselhöhlen angewendet. Die Wirkung lässt nach einiger Zeit nach, so dass die Behandlung wiederholt werden muss. Bei übermäßigem Schwitzen an Händen und Füßen ist die so genannte Iontophorese, ein Wasserbad mit schwachem Gleichstrom, eine Behandlungsmöglichkeit. Eine Operation kommt nur dann in Frage, wenn sämtliche konservativen Optionen ausgeschöpft sind und keine Linderung brachten.

Nervenleitung gezielt blockieren

Neben der Entfernung der Schweißdrüsen gibt es dabei auch die Möglichkeit, die Reizweiterleitung im Nervenstrang, der für das Schwitzen zuständig ist (Sympathikus), zu blockieren. Man unterscheidet dabei drei Methoden: Bei der Sympathektomie wird ein Teil des Nervenstranges entfernt. Beim Sympathikus-Clipping wird die Reizweiterleitung durch Titanklammern blockiert. Mittlerweile werden alle drei Methoden minimal-invasiv gemacht. Eine Nebenwirkung der Sympathikus-Blockade ist das kompensatorische Schwitzen. Das heißt, nach dem Eingriff tritt vermehrtes Schwitzen an anderen Körperstellen auf. Ausmaß und Lokalisation können vor der Operation nicht exakt bestimmt werden. Dieser Nebeneffekt wird aber meist als weniger schlimm im Vergleich zur Ausgangssituation empfunden. Dennoch muss das kompensatorische Schwitzen sehr ernst und bewusst in Kauf genommen werden, denn es tritt, mehr oder weniger stark, bei jedem Patienten auf.

Neben allgemeinen Operationsrisiken wie Blutungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen, Thrombose, Embolie oder Verletzungen der Nachbarstrukturen ist das Horner-Syndrom (Engstellung der Pupille, Hängen des Oberlids und dem Zurücktreten des Augapfels in die Augenhöhle) eine schwerwiegende Komplikation beim Sympathikus-Clipping.

Gute Alternative

Ein moderner Eingriff ohne Hautentfernung ist die Schweißdrüsen-Saugkürettage, bei der die Schweißdrüsen abgeschabt und abgesaugt werden. Diese minimal-invasive OP wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt und ist ambulant möglich. Die Kostenübernahme muss mit der Krankenkasse vorab individuell abgeklärt werden.

20.08.2012

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