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Lukrativer Handel mit Adressdaten

Wie unsere Daten gesammelt werden

Wer kennt das nicht? Der Briefkasten voll mit Prospekten, Katalogen und persönlich adressierten Werbebriefen, die man nicht möchte. Woher, so fragt man sich, haben die eigentlich meine Adresse? 

Wie werden unsere Daten gesammelt?

Wer kennt das nicht? Der Briefkasten voll mit Prospekten, Katalogen und persönlich adressierten Werbebriefen, die man nicht möchte. Woher, so fragt man sich, haben die eigentlich meine Adresse?

(17.09.2012)

Neue Betrugsmasche über Facebook

Gunther Stahl fiel einer neuen Betrugsmasche in sozialen Netzwerken zum Opfer: Ein Betrüger kopierte die Daten seines Facebook-Profils, um unter seinem Namen an Geld seiner Freunde zu kommen.

(12.09.2012)

von Susanne Pohlmann

Datenhandel ist kein neues Geschäft. Hersteller von Produkten, Anbieter von Dienstleistungen und andere Unternehmer können sich nicht auf ihre Stammkundschaft verlassen. Ständig müssen sie neue Kunden ansprechen und für sich und ihr Produkt gewinnen. An Adressdaten von Kunden, an Menschen, die zur Zielgruppe gehören kommen sie auf verschiedene Weise: Vieles völlig legal, manches illegal und vieles, was sich in einer Grauzone bewegt, wie Datenschützer beklagen.

Legal aber umstritten ist das sogenannte Listenprivileg. Dabei handelt es sich um eine datenschutzrechtliche Ausnahmeregelung, wonach es gestattet ist, personenbezogene Daten zu Werbezwecken und zu Zwecken der Markt- und Meinungsforschung zu nutzen und an Dritte weiterzugeben. Es bedeutet, dass Daten, die von einer Personengruppe verfügbar sind, ohne deren Einwilligung weitergegeben werden dürfen. Das können Käufer von Produkten aus einem Bekleidungs-Katalog sein, Interessenten bestimmter Themen, Kundschaft eines bestimmten Unternehmens. Gespeichert und weitergegeben werden dürfen: Berufs-, Branchen- oder Geschäftsbezeichnung, Name, Titel, akademische Grade, Anschrift und das Geburtsjahr.

Wer nicht möchte, dass seine Daten weitergegeben werden, der kann dem explizit widersprechen. Firmen, die das missachten begehen eine Straftat. "Leider", so Thilo Wichert,, "wissen viele Menschen gar nicht, dass das können, oder auch nicht, an wen sie sich wenden können.

 

Adressen für unter zwei Euro

Der größte Adressdatenhändler Deutschlands ist Schober. Hier kann man – ganz legal – Adressen von bestimmten Zielgruppen erwerben. 1,65 Euro das Stück, für 9 Cent mehr gibt’s die Telefonnummer noch dazu. So kann beispielsweise ein Autohändler nach neuer Kundschaft suchen, ein Apotheker oder ein Gastronomiebetrieb. Kriterien sind neben Adresse, Geschlecht und Alter auch bestimmte Vorlieben, die Bereitschaft im Versandhandel zu kaufen oder auch bestimmte Hobbies oder Interessen, an Autos der gehobenen Oberklasse zum Beispiel.

"Die Daten stammen aus ganz unterschiedlichen Quellen", so ein Vertreter der Schober Group. "Aus öffentlich zugänglichen Verzeichnissen über selbst generierte Informationen – etwas über Befragungen – bis hin zu explizit und individuell für einen Kunden generierte Informationen." Es sind günstige Daten, das merkt man bei der Überprüfung – nicht alle Daten stimmen so, oder sind noch aktuell. Manche Daten beruhen wohl eher auf statistischen Hochrechnungen und Wahrscheinlichkeiten denn auf überprüften Informationen. Soll man sich darüber freuen?

 

Konsequenzen durch Datenfehler

Thilo Weichert sieht das mit gemischten Gefühlen. „Wenn falsche Daten dazu führen, dass man bestimmte Werbung nicht mehr zugestellt bekommt, dann ist das kein Problem. Ein großes Problem dagegen sind falsche Daten, die zu einem falschen Profil bei der Bonitätsbewertung, also der Bewertung der Kreditwürdigkeit, führen.“ Denn dann kann es vorkommen, dass man etwas plötzlich nicht mehr auf Rechnung zahlen darf oder einen bestimmten Handyvertrag nicht erhält.

"Ich bin ohnehin schon in so vielen Listen – ich habe doch gar keine Chance mehr, meine Daten nicht preiszugeben." – So denken sicherlich viele Menschen, die sich in den letzten Jahren nicht so viel Gedanken darüber gemacht haben, wem sie ihre Daten preisgeben. Ist Datensparsamkeit dann überhaupt noch ein guter Tipp? "Auf jeden Fall", sagt Thilo Weichert, Landesbeauftragter für Datenschutz Schleswig-Holstein. "Es ist richtig, dass viele Menschen in vielen Listen drin sind, aber wenn man sich enthaltsam betätigt, also seine Daten nicht preisgibt, werden die immer weniger. Sie werden weniger aktuell, mit der Konsequenz, dass irgendwann der Wert dieser Daten verloren geht." Außerdem können man durch Widersprüche verhindern, dass diese Daten künftig weitergegeben werden. Weicher hält es für sehr wichtig, diese Datensparsamkeit zu praktizieren, weil dann das Zusammenführen von Daten aus den unterschiedlichsten Beständen nicht mehr so leicht möglich ist, Profile nicht mehr erstellt werden können und das Interesse an solchen Daten dann massiv nachlässt.

Sparsamer Umgang mit den eigenen Daten

• Verzichten Sie auf Gewinnspiele im Internet.

• Nehmen Sie an keiner Umfrage teil, sei es im Netz oder telefonisch.

• Geben Sie keine realen (Adress-)Daten und Namen in Vergleichsportalen an.

• Nehmen Sie an keinem Rabattprogramm teil. 

• Lassen Sie die Finger von Kundenkarten.

Wenn Sie die Regeln beachten, können Sie auf längere Sicht die Daten, die über Sie im Umlauf sind, reduzieren. Je länger diese Daten nicht aktualisiert werden können, bzw. mit alten Daten abgeglichen werden, desto wertloser werden sie für Datenhändler. Je weniger man über Sie weiß, desto weniger kann man sich ein Bild von Ihren Interessen, Hobbies und Anschaffungswünschen machen. Ihren Kataloge schickt eine Firma dann doch lieber an die bestätigte Adresse einer gut verdienenden Mittvierzigerin mit eindeutigem Interesse an Versandhauskäufen als an eine  anonyme Person irgendwo.

14.09.2012

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