Eine ganze Bibliothek in der Tasche
Millionärin dank E-Books
Sven-Hendrik Hahn
Karen Georgi hat eine Leidenschaft: Lesen. Klassiker oder Krimi – kaum hat sie ein Buch fertig gelesen, muss das nächste her. "Bücher haben für mich etwas Faszinierendes oder ich lese viel, kaufe mir viele Bücher und freue mich immer, wenn ich so was mit Geschichte in der Hand habe", sagt Georgi. Karen Georgi ist Lehrerin, hat beruflich mit dem guten, alten Buch zu tun. In Ihrer Freizeit ist das anders: Da liest sie E-Books – elektronische Bücher, direkt aus dem Internet geladen.Bisher sind E-Books ein Nischenmarkt. In 2011 wurden 4,7 Millionen E-Books in Deutschland verkauft. Für 2015 erwarten Experten einen Absatz von 60 Millionen pro Jahr – etwa jedes siebte gekaufte Buch soll dann ein elektronisches sein. Bisher machen E-Books gerade mal zwei Prozent des Gesamtumsatzes aus, so der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Immerhin: Die Zuwachsraten stimmen die Verkäufer optimistisch, denn die Verkäufe haben sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.Gleiche Preise auch bei Digitalwerken
Auch für E-Books gilt die Buchpreisbindung: Die Verlage selbst legen einen verbindlichen Preis für alle Buchhändler fest. Wie kommen die Bücher aufs Gerät? Karen Georgi kauft ihre E-Books in speziellen Online-Buchläden. Das klappt innerhalb von Minuten.Die Vorteile: E-Books sind meist etwas günstiger als die gedruckte Ausgabe. Zwei, drei Euro sind auf jeden Fall drin. Im Schnitt wird elektronisches Lesen von Jahr zu Jahr günstiger: Der Preis eines digitalen Buchs sank von 9,56 Euro im Jahresdurchschnitt 2011 auf 8,64 Euro im ersten Halbjahr 2012, so das Marktforschungsunternehmen Media Control. Immerhin sparen sich die Verlage Druck und Transport der Werke. Aber: Viele Bücher gibt es auch kostenlos, etwa Klassiker, deren Urheberrechte abgelaufen sind.Die Nachteile: Nicht alle Werke sind als E-Books erhältlich, manche erscheinen erst später auch elektronisch. Aber: Die Bestseller gibt es in aller Regel heutzutage auch als E-Book. Vertrieben werden die elektronischen Ausgaben der Bücher von den üblichen Verdächtigen der Buchbranche: Amazon, Thalia, Weltbild, Libri und so weiter. Auf deren Internetseiten findet sich eine immer größere Auswahl an E-Books. Über 90 Prozent der Verkaufsschlager gibt es auch als E-Books. Und: Die elektronischen Bücher sind kopiergeschützt, können nicht einfach so weiter verliehen werden.Bücher online leihen
Ein Tipp für Leseratten ist "Onleihe". Hier haben sich mehr als 350 Stadtbibliotheken zusammen getan, die auch elektronische Bücher an ihre Leser verleihen – über den ganz normalen Leseausweis. Außer Büchern stehen hier Videos, Musik, Hörbücher, E-Books und Zeitungen zur Ausleihe bereit. Die Zahl der zur Verfügung stehenden Werke ist höchst unterschiedlich von Bibliothek zu Bibliothek. Zum Teil sind es 3000 Bücher, zum Teil mehr als 5000 – immer aber ist es weitaus weniger als der Gesamtbestand der Bibliothek.Zum Ausleihen muss man nicht mehr die Bücherei betreten: Die Dateien laden sich die Nutzer übers Internet herunter. Aber elektronische Bücher in den Bibliotheken können wie Bücher aus Papier vergriffen sein! Der Grund liegt darin, dass die Stadtbücherei immer auch nur eine bestimmte Zahl an Lizenzen fürs Verleihen der Bücher hat. Sind alle E-Books für diese Lizenz weg, ist der Titel vergriffen.Diese Probleme kennt beispielsweise "Skoobe" nicht. Vergriffen oder ausgeliehen gibt es hier nicht, dafür muss der Nutzer bei dem kommerziellen Anbieter 9,99 Euro im Monat zahlen. Bis zu fünf Bücher gleichzeitig aus der ordentlich bestückten Buchsammlung von über zehntausend Titeln kann man derzeit leihen und lesen. Derzeit ist der Zugang auf mobile Geräte von Apple beschränkt und funktioniert nicht auf E-Book-Readern oder dem PC.Kindle-Leihbücherei
Auch bei Amazon können ab Ende Oktober E-Books ausgeliehen werden. Dafür ist eine Amazon Prime-Mitgliedschaft (Kosten 29 Euro im Jahr) und ein Kindle-Gerät nötig. Dann kann jeden Monat ein Buch kostenlos ausgeliehen werden. Zur Auswahl stehen mehr als 200.000 Kindle E-Books, darunter 8500 E-Books in deutscher Sprache. Darunter auch alle sieben Bände der Harry Potter-Reihe in fünf verschiedenen Sprachen.Leistungsunterschiede bei den Lesegeräten
Die Geräte, mit denen man E-Books lesen kann, sind in erster Linie die so genannten E-Reader wie der Amazon Kindle, der Sony Reader oder der Kobo Reader. Elektronische Bücher werden aber auch von Laptops und Smartphones angezeigt sowie – den E-Readern am ähnlichsten – Tablet-PCs wie Apples iPad, das Samsung GalaxyTab oder Amazons Kindle Fire. Die E-Reader, wiegen kaum etwas, können aber bis zu 4000 Bücher speichern – man muss also keine dicken Wälzer mehr mitschleppen. "Die Technik funktioniert solide. Ich kann mit dem E-Reader überall lesen, auch draußen, ohne dass der Bildschirm spiegelt. Und ich kann wochenlang damit lesen, ohne dass er an die Steckdose muss", sagt Karen Georgi.Der klassische E-Reader stellt die Buchseiten schwarz-weiß dar. Er hat keine Beleuchtung, verbraucht Strom nur beim Blättern und Neuaufbau der Seiten sowie beim Kontakt zum Buchhandels-Shop über WLAN- oder Mobilfunk. Deshalb muss das Gerät erst nach Wochen an die Steckdose. Die Oberklassemodelle haben einen berührungsempfindlichen Bildschirm – Touchscreen – und zum Teil sogar eine Mobilfunkkarte integriert, mit der man ohne Mehrkosten für den Nutzer direkt über das Handynetz Bücher aus den Onlineshops der Händler wie Amazon herunterladen kann. Das funktioniert übrigens nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.Die Alternative ist ein Tablet-PC. Der Akku hält im Gegensatz zum E-Reader nur wenige Tage durch, denn er hat einen bunten LCD-Bildschirm. Außer zum Lesen ist er auch für Musik, Video und Internet geeignet. Buchseiten sind aufwendig animiert, etwa das Umblättern mit dem Finger sieht exakt aus wie auf einem echten Buch. Tablet-PCs sind also flexibel, aber als reines Lesegerät, so Karen Georgi, ist der E-Reader angenehmer: "Ich finde auf Dauer den Tablet-PC für längeres Lesen eher anstrengend, da er auch selbst leuchtet, und auch zu schwer. Mit einer Hand kann ich ihn kaum festhalten", erklärt Karen Georgi.Das richige Gerät finden
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2011 wurden in Deutschland rund 300.000 E-Reader verkauft. Dagegen satte 2,1 Millionen Tablet-Computer. Welche Technik braucht man? Unsere Tipps helfen bei der Wahl.
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Sie lesen viel und wollen ihre persönliche Buchsammlung immer bei sich haben. Dann greifen Sie zum günstigen E-Reader. Die kosten ab 60 Euro. Achtung: Es gibt verschiedene Dateiformate. Manche Geräte wie der Kindle von Amazon etwa unterstützen nicht jedes Format. Im Fokus liegt hier die Einbindung der eigenen Online-Plattform, um eine enge Kundenbindung zu realisieren.
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Wenn Sie weniger lesen und auch Multimedia wollen wie Filme, Musik oder Spiele – dann ist der Tablet-Computer besser geeignet. Preis: 160 bis 800 Euro. Großes Plus: Tablet-PCs akzeptieren in der Regel alle Dateiformate!
Viel Bewegung auf dem Reader-Markt
Auf dem Markt für Tablet-PCs tut sich gerade eine ganze Menge, nachdem Apple seit dem Start des iPads 2010 die Verkaufszahlen beherrscht. Der Elektronikriese Samsung bringt in kurzen Abständen neue Tablets seiner GalaxyTab-Reihe heraus, auch eher unbekannte Hersteller wie Huawei versuchen sich auf dem Tablet-Markt, auch Microsoft steigt im Herbst ein – und Google mit seinem Nexus 7!Ein großer Konkurrent wird Amazon sein. Der Buchhändler bringt sein Tablet Kindle Fire erstmals nach Deutschland. Es ist bereits erhältlich zum Kampfpreis ab 159 Euro. Ende Oktober ist auch die kleinere Version des neuen Modells Kindle Fire HD erhältlich. Das soll ab 199 Euro kosten mit 16 Gigabyte Speicher. Beide haben eine Bilddiagonale von sieben Zoll, also knapp 18 Zentimeter. Kindle Fire wiegen rund 400 Gramm.Karen Georgi bleibt bei ihrem E-Reader. Sie hat sich an die neue Art des Lesens gewöhnt. "Im Anfang fühlte es sich komisch an, so ein Gerät aus Kunststoff in der Hand zu haben statt eines Buchs aus Papier. Aber nach kurzer Zeit habe ich das vergessen. Die Hauptsache ist, dass die Story stimmt."Weitere Informationen
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